Denis, das erste Rennen liegt hinter uns. Lassen sich aus dem Großen Preis von Bahrain schon Schlüsse auf das Kräfteverhältnis zwischen Renault und den Gegnern ziehen?

Denis Chevrier: Am vergangenen Sonntag haben wir die erste Demonstration dessen gesehen, wozu unser Team in der Lage ist. Zugleich ist jetzt wohl jedem klar, dass die Spitze so eng umkämpft ist wie lange nicht. Mehrere Teams sind sehr schnell auf einer einzelnen Runde, können den Speed unter Rennbedingungen halten und - wie das Beispiel Räikkönen zeigt - mit einer abweichenden Strategie sogar von weit hinten aufs Podium fahren. Wir bei Renault F1 sind glücklich, zu dieser Favoritengruppe zu gehören, aber die Unterschiede zwischen den Teams sind extrem gering.

Wie ist Ihr Eindruck von den neuen V8-Motoren?

Denis Chevrier: Vor der Saison kursierten Vermutungen, dass bei einer solchen Umwälzung der Motorenformel ein Hersteller die Nase weit vorn haben könnte. Das hat sich nach meiner Ansicht nicht bewahrheitet. Es ist noch zu früh für ein abschließendes Urteil über die Zuverlässigkeit, aber die Motoren machten alle einen guten Eindruck. Die Regeländerungen haben die Rangfolge der Teams etwas durcheinandergewirbelt - Ferrari erlebt ein starkes Comeback, Honda ist sehr schnell, Renault und McLaren bleiben an der Spitze. Diese vier sehe ich als potenzielle Favoriten, von denen wir in Malaysia einen aufregenden Kampf erwarten dürfen.

Sie scheinen das nächste Rennen kaum erwarten zu können...

Denis Chevrier: Wenn die Formel 1 ein Wein wäre, würde ich sagen, wir dürfen uns auf einen guten Jahrgang freuen. Ich glaube, dass sich kein Team in der Gesamtwertung absetzen wird, und deshalb werden Fehler des einen oder anderen Rennstalls ernsthaft bestraft. Wir müssen sicherstellen, dass wir mit beiden Autos auf Spitzenniveau liegen und unsere Qualität weiterhin top bleibt. In der modernen Formel 1 setzt sich Qualität aus der Zuverlässigkeit und der Fähigkeit zur Weiterentwicklung während der Saison zusammen. 2005 haben wir das perfekt vereinbart - und in diesem Jahr sehe ich ebenfalls eine sehr gesunde Basis für dieses Vorhaben.

Ist das Problem an Fisicos Auto in Bahrain mittlerweile geklärt?

Denis Chevrier: Wir kennen noch nicht exakt die Ursache des Problems, aber für ein Leistungsdefizit von rund 50 PS ist er ein hervorragendes Rennen gefahren. Es ist gut zu wissen, dass das Problem nicht den Motor selbst betrifft, sondern von einem Anbauaggregat ausgelöst wurde, das die Leistung des Triebwerks beeinträchtigte. Um die ganze Antriebseinheit unter optimalen Bedingungen überprüfen zu können, haben wir sie nach Viry zurückgeschickt, wo wir die Sache auf dem Prüfstand diagnostizieren. Wir verfügen dort über Hochleistungs-Testwerkzeuge. Da Giancarlo nach dem Ausfall ja keine Sanktion zu befürchten hat, haben wir ihm für Sepang einen frischen Motor eingebaut.

Wie steht es um Fernandos V8-Triebwerk? In Malaysia steht das zweite Hitzerennen in Folge an...

Denis Chevrier: In Bahrain war es längst nicht so heiß wie erwartet, etwa um 25 Grad. Da treten selbst im europäischen Sommer höhere Temperaturen auf. Aus dieser Perspektive steht uns die Feuerprobe noch bevor. Aber Fernando ist ein völlig normales Wochenendprogramm gefahren und blieb exakt in der für Bahrain vorgesehenen Laufleistung und innerhalb des geplanten Motorenpotenzials.

Wie hart werden die Motoren in Sepang gefordert?

Denis Chevrier: Die Anforderungen sind durch den Wechsel auf V8-Motoren signifikant gestiegen. Das Streckenlayout mit seinen vielen Highspeed-Kurven bringt es mit sich, dass die Fahrer 15 Prozent mehr Vollgas geben als vergangenes Jahr mit den V10. Es wird ein hartes Wochenende für die Achtzylinder, aber anschließend werden wir sehr viel genauer wissen, wo wir in Sachen Zuverlässigkeit stehen und was wir den V8-Motoren zumuten können.