Aki Hintsa ist in der Formel 1-Welt ein noch unbekannter Mann. Bis zu den Olympischen Spielen in Turin war er Chefarzt der finnischen Olympiamannschaft. Seit Anfang März arbeitet er für McLaren-Mercedes. Er wird in der silbernen Mannschaft ein sportmedizinisches Programm aufbauen, das aus den Fahrern noch bessere Sportler machen soll.

"Meine Aufgaben sind jetzt viel umfangreicher als noch in den vergangenen Jahren", sagt Hintsa, der schon im vergangenen Jahr Räikkönen an den Rennwochenenden unterstützte und schon Jahre davor mit Mika Häkkinen gearbeitet hat. "Bisher haben die Physiotherapeuten und persönlichen Trainer jeweils ihre eigene Arbeit verrichtet. Jetzt wird alles koordiniert gemacht mit dem Ziel, aus den Fahrern physisch und psychisch noch stärkere Sportler zu machen."

In diesem Feld sieht Hintsa noch Raum für Verbesserung. "Es gibt Spitzensportler, deren Vorbereitung 101-prozentige Disziplin und fast unmenschliche Trainingsmengen und Umstände fordern", sagt der Finne. "Ähnliche Einstellung der Sportler kennt die Formel 1 noch nicht. Ich glaube, dass wir mit diesem Programm den Fahrern etwas geben können, was sie noch leistungsfähiger machen kann."

Die Grundlage des Programms ist, den Sportlern eine möglichst gute Basis für ihre Rennfahrerkarriere zu bieten. "Dazu gehört Ernährung, Physiotherapie, vorbeugende Pflege, Behandlung der vorhandenen Verletzungen und Biomechanik", erklärt Hintsa. Biomechanik? "Das bedeutet Messungen bezüglich der Beweglichkeit der Gelenke, sowie Balance und Beherrschung der Muskeln", sagt Hintsa.

Der Doc soll aus Kimi einen besseren Sportler machen., Foto: Sutton
Der Doc soll aus Kimi einen besseren Sportler machen., Foto: Sutton

Das Programm heißt "Dynamic Direxiv Well Being Programme" und es wird finanziert von der japanischen Firma Direxiv, die voraussichtlich ab nächster Saison das McLaren-Juniorteam in der Formel 1 etabliert - mit Jean Alesi als Teamchef.

Ein wesentlicher Teil des Programms ist auch die psychische Seite der Sportler. "Ich will da gar nicht so sehr ins Detail gehen", sagt Hintsa. "Aber in der Formel 1 bedeutet die psychische Stärke äußerstes Selbstvertrauen und Maximierung der Konzentrationsfähigkeit. Wobei das Physische und Psychische immer Hand in Hand gehen."

Ayrton Sennas ehemaliger Betreuer Josef Leberer, der heute im BMW-Sauber-Team Tätig ist, betont positive Erlebnisse, die er etwa bei Mountainbike-Touren sucht. Diese Gefühle will er dann auch in das Rennwochenende mitnehmen. Ob Hintsa ähnliche Ziele verfolgt? "Sehr viel", sagt er. "Denn hier erreicht man nichts mit reiner Engstirnigkeit."

Hintsa sieht seine neue Aufgabe als eine einmalige Herausforderung. "Das ist Pionierarbeit auf einem Gebiet, das zur Weltspitze dieses Sports gehört", sagt er. "Und ich mag solche Herausforderungen."

Gleichzeitig sieht er auch Nachteile im Vergleich zu seinem alten Job. "Meine Arbeitsstelle ist jetzt überall auf der Welt", sagt er. "Wo immer dieser Zirkus unterwegs ist, bin ich da. Da ich kein Reise-Freak bin, ist das für mich harte Arbeit."

Hintsa war auch nicht der Initiator des Projektes. "Ich wurde zu diesem Job berufen, und habe auch ganz sicher keine Bewerbungen losgeschickt", lacht er. "Es kann zwar sein, dass die Zusammenarbeit in früheren Jahren einzelne Bereiche dieses Projektes berührt hat. Aber die Idee von einer systematischen Entwicklung der Humanressourcen kam von innerhalb des Teams."