Vergangenes Jahr musste sich Christian Klien sein Cockpit mit Teamkollege Vitantonio Liuzzi teilen, mal fuhr der Österreicher, mal der Italiener. Dieses Jahr sind beide Stammfahrer, Klien bei Red Bull Racing, Liuzzi bein Junior-Team Scuderia Toro Rosso.

"Es ist phantastisch, ein Cockpit wie den RBR zu haben - alleine," strahlte 23-jährige im Interview mit der offiziellen F1-Website. "Ich glaube, dass die Zeit, in der das Cockpit sozusagen geteilt war, kein Vorteil war, weder für mich, noch für das Team und es war schwer für die Ingenieure sich auf zwei Fahrer einzustellen. Das ist jetzt aber alles Geschichte. Ich bin sehr froh, dass ich als jüngerer Fahrer in der Lage war, gegen jemand so erfahrenen zu bestehen wie (Vitantonio) Liuzzi, der 2004 schon Formel 3000 Champion war."

Schon letztes Jahr hatte Kliens Team am Anfang der Saison große Hoffnungen, die dann aber doch sehr schnell gedämpft wurden. Damit das dieses Jahr anders wird, hat Teambesitzer Dietrich Mateschitz keine Kosten und Mühen gescheut, das beste Personal an Bord zu holen, das in der Formel 1 verfügbar ist. Der RB2 soll in der Lage sein, aufs Podium zu fahren. "Ob der RB2 für das Podium reif ist, werden schon die ersten paar Rennen zeigen," hält sch Christian Klien etwas zurück. "Er ist ganz klar ein viel besseres Paket als es der RB1 war. Er hat mehr Abtrieb und reagiert sensibler auf Setup-Korrekturen. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Schritt nach vorne machen werden - dass wir zu den Punkteanwärtern gezählt werden können. Wenn wir die Zuverlässigkeit der Top-Teams erreichen können, werden wir in der Lage sein, regelmäßig in die Punkte zu fahren."

Christian Kliens Teamkollege David Coulthard ist mit seinen beinahe 35 Jahren zwölf Jahre älter als der Österreicher und hat somit auch jede Menge mehr Erfahrung im Gepäck als der Youngster. Die Möglichkeit für einen jungen Mann, jede Menge zu lernen. "Ich hab in der Tat von David gelernt, aber das war mehr neben als auf der Strecke. Was das Rennen fahren und das Setup betrifft, da vertraue ich mehr auf meine eigenen Ideen." Sein ganz klares Ziel sei es aber, nicht im Schatten seines "Lehrers" zu stehen. "Mein Ziel für dieses Jahr ist es, beim Ergebnis in der Weltmeisterschaft zumindest mit David mithalten zu können und wenn möglich, auch besser zu sein."

Seit Januar diesen Jahres ist Adrian Newey neuer Chefdesigner bei Red Bull Racing und man erwartet viel von dem Mann, dessen Autos bisher insgesamt sechs Mal die Fahrer- und sieben Mal die Konstrukteurs-WM gewonnen haben. Der Druck auf Team und Fahrer ist nun ungleich höher als noch 2005. "Ich habe mich schon ausführlich mit Adrian unterhalten", erklärt Klien. "Er ist ein sehr netter Mann und äußerst intelligent. Seine Erfahrung ist unglaublich. Sein Erfolg in der Formel 1 ist ohne Konkurrenz. Ich bin sicher, dass er viel in unser Team einbringen wird. Druck? Druck ist immer da - wir sind in der Formel 1!"

Wie sein Teamkollege David Coulthard möchte Christian Klien auch nach Ablauf seines Vertrages gerne weiter bei seinem jetzigen Arbeitgeber bleiben. Vielleicht hilft ihm dabei ja Neweys Einstellung, dass das Team keine Star-Fahrer braucht, sondern ein schnelles Auto. "Ich denke, unsere Superhirne werden RBR in den kommenden Jahren zu einem Siegerteam formen können," glaubt der Österreicher. "Ob das wirklich funktioniert, werden wir sehen. Ich vertrau ihren Vorstellungen aber. Sicher wäre es auch schön, mit dem Team zusammen bis an die Spitze der Startaufstellung zu kommen."

Christian Klien wird, nicht zuletzt dank der großen Namen, die bei Red Bull Racing unter Vertrag sind, von einigen Konkurrenten heiß beneidet. Das "Party Team" ist für viele zum Traumziel geworden. Klien bleibt da aber ganz pragmatisch. "Das ist jetzt mein zehntes Jahr mit Red Bull. Ich musste immer um meinen Cockpitplatz für das nächste Jahr kämpfen, genauso wie alle anderen Red Bull Talente. Ich habe es geschafft, in fast allen Serien immer erfolgreich zu sein. Darum bin ich jetzt hier. Red Bull steht für Erfolg und das tue ich auch."

Und sind denn auch Podiumsplätze realistisch? "Erst einmal müssen wir herausfinden, wie stark unser Paket ist. Zu diesem Zeitpunkt wäre es unrealistisch zu sagen, wo wir stehen", betont Klien. "Wenn unser Paket funktioniert werden wir versuchen, in jedem Rennen Punkte zu holen. Wenn dann auch mal ein Podiumsplatz dabei ist, werden wir uns sehr freuen den Pokal zu unseren RBR-Jungs in die Box zu bringen und in die Fabrik nach Milton Keynes."