Für die erste Ausgabe der neuen FIA Talkshow-Staffel schickte der Weltverband die illustren Gäste Michael Schumacher, Fernando Alonso, Kimi Räikkönen, Scott Speed und Nico Rosberg in die Wüste. Im Pressesaal des Bahrain International Circuit wurden die beiden Weltmeister, der doppelte Fastweltmeister und die beiden Rookies erstmals in diesem Jahr gemeinsam mit der Presse konfrontiert.

Die erste Frage der neuen Saison richtete sich jedoch nicht an den Weltmeister oder dessen siebenfachen Vorgänger. Es war Nico Rosberg, der die PK-Saison eröffnen durfte: "Das ist der perfekte Ort, um meine F1-Karriere zu beginnen", verwies Nico auf seinen GP2-Titelgewinn aus dem Vorjahr. "Für mich könnte es keinen besseren Platz geben."

Ziele hat sich der junge Deutsche für seine erste GP-Saison nicht gesteckt. "Ich weiß nicht. Es ist ziemlich schwierig etwas zu sagen, da man selbst angesichts der Wintertests nicht weiß wo das Auto im Vergleich zur Konkurrenz steht." Deshalb möchte Rosberg einfach "einen guten Job" machen und am Ende auf "eine gute Saison" zurückblicken können. Was auch immer diese gute Saison dann sein mag.

Nico Rosberg hat sich keine großen Ziele gesetzt., Foto: Sutton
Nico Rosberg hat sich keine großen Ziele gesetzt., Foto: Sutton

Der zweite Rookie im PK-Kreise, Scott Speed, zeigte sich "nervös" und "aufgeregt", dass er endlich sein GP-Debüt geben darf. Allerdings verspürt auch er nicht mehr Druck, als bei seinem Freitagstest im letzten Jahr in Indianapolis.

Wie Nico setzt sich Scott keine besonderen Ziele für seine Rookie-Saison. Allerdings hat er das "Gefühl eines seiner großen Lebensziele" erreicht zu haben. Er hat es bis in die Königsklasse des Motorsports geschafft. 2006 möchte er nun "so viele Punkte wie möglich" folgen lassen.

Sie sitzen in der PK und wissen nicht wo sie stehen

So, für die Medienvertreter war das erst einmal genug von den Neulingen. Jetzt geht es an die drei gestanden GP-Piloten. Was erwartet sich Kimi Räikkönen von dieser Saison? "Wir sind noch nicht da, wo wir gerne wären, aber wir sind in einer besseren Ausgangslage als vor einem Monat." Zwar sei man "manchmal ziemlich schnell" gewesen, doch Renault und Honda wären "noch schneller".

Dennoch mache sich Kimi über nichts besonders große Sorgen. "Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, dann wäre das vielleicht besser gewesen, aber jetzt geht es endlich wieder los. Und das ist doch auch etwas Schönes."

Dem kann der hoch motivierte Michael Schumacher nur zustimmen. In ausschweifende Antworten investiert der siebenfache Champion seine überschüssige Energie aber nicht. Stattdessen beantwortet er die Frage danach, ob er bereit sei, mit einem einfachen "Yep."

Danach muss aber auch er die Räikkönen'sche Einsilbigkeit aufgeben. "Es ist schwierig einzuschätzen, aber es ist sicherlich kein Nachteil", sagt er über die Vorteile des Bahrain-Tests vor einigen Wochen. Bei all den neuen Reifen, Motoren und Regeln habe man in dieser Hinsicht "sicherlich einen kleinen Vorteil". Auf das folgende Rennen in Malaysia werde sich das aber nicht mehr auswirken.

Die Tatsache, dass er nicht mehr die Nummer 1 auf seinem Auto trägt, übt sich ebenfalls nicht besonders stark auf den Ex-Champion aus. "Ehrlich gesagt ändert sich dadurch nicht viel. Ich muss nur ein bisschen weiter zu unserer Box laufen."

Und obwohl der Sinn und Zweck einer Talkshow natürlich das Reden ist, erinnert Schumacher an eine kleine Weisheit: "Nach einer so langen Winterpause gibt es immer viele Fragezeichen. Aber es ist immer besser zu fahren als zu reden."

Mehr als drei Favoriten

Deswegen wechselt der Fragesteller nun auch vom Ex-Weltmeister zum amtierenden Weltmeister. Dessen Leben hat sich durch seinen Titel "überhaupt" nicht verändert. "Ich werde die Nummer 1 auf meinem Auto haben, wodurch ein Traum wahr wird, aber ansonsten hat sich nichts geändert."

Etwas gesteht Alonso dann doch ein: Er habe nun sehr viel mehr Selbstvertrauen und freue sich darauf am Ende des Jahres wieder den WM-Pokal in den Händen zu halten.

Kimi möchte das Rennen abwarten, bevor er eine Einschätzung abgibt., Foto: Sutton
Kimi möchte das Rennen abwarten, bevor er eine Einschätzung abgibt., Foto: Sutton

Als ein "Übergangsjahr" sieht er seine letzte Saison bei Renault aber keinesfalls an. "Ich sehe 2006 als das Jahr, in dem ich meinen Titel verteidigen möchte", sagt er trotzig. "Es ist mein letztes Jahr für Renault und ich muss für sie gewinnen."

Gelingen soll ihm das mit dem neuen V8-Motor, welcher laut ihm "grundsätzlich genauso ist" wie der V10. Michael Schumacher fühlt dank des neuen Achtzylinders aber "mehr Harmonie". Ihm macht das mehr Spaß: "Er ist viel schärfer zu fahren."

"Ja, er ist auf der Geraden etwas langsamer und die Kurvengeschwindigkeiten sind ungefähr so wie im letzten Jahr", meldet sich Kimi zu Wort. "Ich habe meinen Fahrstil überhaupt nicht ändern müssen."

Insgesamt verliere man durch den Wechsel von zehn zu acht Zylindern zwei bis drei Sekunden auf die Vorjahres-Rundenzeiten. "Aber unsere Ingenieure sind so gut, dass es keinen großen Unterschied ausmachen wird", versucht Schumacher die starken Testrundenzeiten zu erklären. Alonso rechnet damit, dass die Autos eine Sekunde langsamer als 2005 sein werden.

Beim Abschlusstest in Valencia brach Honda-Testfahrer Anthony Davidson dennoch Räikkönens V10-Rundenrekord. Wie schnell sind die Japaner also? "Sie werden vorne dabei sein", ist sich Nico Rosberg sicher. "Sie haben beim Test hier gute Leistungen gezeigt", erinnert sich Scott Speed. "Sie werden sehr gut sein." Kimi und Fernando möchten hingegen erst abwarten, wie sich die Japaner unter Rennbedingungen schlagen. Welchen Einfluss sie auf den WM-Kampf haben werden, weiß derzeit aber noch niemand. Immerhin betont Schumacher, dass er "mehr als nur drei" Titelanwärter sehe. Die Gäste der FIA-Talkshow sahen hingegen genau drei schön aufgereiht vor sich sitzen.