"Wir haben das schönste Auto, jetzt wollen wir auch noch das schnellste und zuverlässigste im ganzen Feld haben!", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug vor Beginn der Formel-1-Saison 2006. Ob dieses Ziel von Anfang an erreicht werden kann, darauf will er sich freilich keinesfalls festlegen, genauso wenig wie die beiden McLaren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen und Juan Pablo Montoya.

In Sachen Zuverlässigkeit, letztes Jahr eine gewisse Schwachstelle bei den Silbernen, ist Haug optimistisch: "Wir sind in den beiden letzten Testwochen mehrmals mehr als die Distanz zweier Rennwochenenden ohne Probleme gefahren, so um die 1.500 Kilometer. Zwei Wochenenden mit allen Trainings und Qualifyings sind etwa 1.200 km."

Das bedeute zwar keine Garantie, dass alles glatt gehe, "aber die Basis ist schon einmal gut." Was den Speed angeht, ist man bei McLaren-Mercedes etwas unsicher, bei den Wintertests schienen Renault und Honda zuletzt etwas schneller, "aber manchmal waren wir auch dabei."

Man müsse jetzt wirklich erst einmal abwarten, wie sich das alles entwickle. Auch Silberpfeil-Testpilot Pedro de la Rosa erinnerte daran: "Letztes Jahr sind wir als die großen Favoriten gestartet und haben dann Probleme bekommen, mal sehen, was diesmal bei Renault passiert... Die Favoritenrolle bedeutet immer viel zusätzlichen Druck."

An der Motivation, die Franzosen diesmal zu besiegen, denen man im letzten Jahr trotz der meisten Siege und der bei weitem meisten Führungskilometer trotzdem unterlegen war, fehlt es nicht. Norbert Haug, scherzhaft: "Der Flavio Briatore macht soviel Wind, schon das wäre doch ein Grund, sie zu besiegen..."

Dass die überall als Schwächung von McLaren gewerteten Abgänge von Technikchef Adrian Newey und Aerodynamiker Nicolas Tombazis die Leistungsfähigkeit des Teams wirklich beeinträchtigen könnten, weist McLaren-Chef Ron Dennis weit von sich: "In unseren internen Umstrukturierungen von 2005 war das praktisch schon angelegt und eingeplant. Gerade für Adrian wäre es unter diesen Umständen fast schwieriger gewesen, zu bleiben, als zu gehen. Wir haben insgesamt 136 Designer und Ingenieure. Die, die wir damals schon in Führungspositionen gebracht haben, die bereits hinter großen Teilen des 2005er-Autos standen, freuen sich, dass sie jetzt auch offiziell Verantwortung übernehmen dürfen."