So heiß Fans und Fahrer den Saisonstart in Bahrain herbeisehnen, so heiß dürfte der erste Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2006 werden: Die Strecke im Scheichtum - erstmals Schauplatz des WM-Auftaktes - ist bekannt für immense Asphalt- und Lufttemperaturen sowie unkalkulierbare Grip-Verhältnisse.
Zum dritten Mal gastiert der Grand Prix-Tross auf der Arabischen Halbinsel - zum ersten Mal findet auf dem Bahrain International Circuit bei Sakhir der Saisonauftakt statt. Interessantes Detail: Der Kurs in den Dünen 30 Kilometer vor der Hauptstadt Manama ist erst die 13. Strecke, der in 57 Jahren Formel 1 die besondere Ehre des ersten Rennens zuteil wird.
Hart für Bremsen & Motoren

Die Grand Prix-Piste weist verschiedene interessante Herausforderungen auf: Die vier langen Geraden bieten Überholmöglichkeiten, und die schnellen Kurvenkombinationen an der Rückseite des Fahrerlagers stellen Balance und Setup nachdrücklich auf die Probe. Die Herausforderung besteht darin, bei der Abstimmung einen Kompromiss zu finden zwischen stabiler Balance in schnellen Kurven und tendenziell weicher Aufhängung in den langsamen Abschnitten, wo mechanischer Grip gefragt ist.
Eine weitere Besonderheit: Beim Start wird es ein interessantes Beschleunigungsduell entlang der langen Startgeraden geben, bevor sich die 22 Autos ins Nadelöhr der ersten Rechtskurve einfädeln.
Wesentliches Kennzeichen des Wüstenrennens ist die große Hitze. Auf der Chassis-Seite begegnen die Teams dem Problem mit größeren Kühllufteinlässen. Die neuen V8-Triebwerke stellen wegen der geringeren Leistungsabgabe in dieser Hinsicht zwar theoretisch niedrigere Ansprüche als ein V10. Dafür liegt die durchschnittliche Drehzahl über eine Runde sowie der Volllastanteil signifikant höher.
In puncto Bremsen und Bremsverschleiß ist Bahrain neben Montreal der anspruchsvollste Kurs der Saison. Drei Mal pro Runde verzögern die Fahrer aus über 300 km/h bis in den ersten oder zweiten Gang. Überdies folgen zwischen den Kurven 4 und 13 die Richtungswechsel extrem schnell aufeinander, so dass die Bremsen kaum Zeit bekommen abzukühlen. Dies kann zur Oxidation der Bremsscheiben führen, was die Teams aber mit den größten Kühllufteinlässen der gesamten Saison zu verhindern suchen.

Zugleich fordert der Bahrain International Circuit auch die Triebwerke überdurchschnittlich stark. Mit 70 Prozent Vollgasanteil gehört die Strecke bei Manama diesbezüglich zu den fünf anspruchsvollsten der Saison. Zusätzliche Herausforderung für die Motorentechniker: Mit höheren Temperaturen steigt das Drehzahlniveau, bei dem die Motoren ihre maximale Leistung entwickeln. Pro zehn Grad Celsius gehen die Techniker von einem Ansteigen des Leistungszenits um 300 Touren aus. Dieser Effekt wurde bislang weitgehend durch die variablen Ansaugkanäle ausgeglichen. Da die seit dieser Saison nicht mehr erlaubt sind, müssen die Teams die Außentemperaturen sehr viel akkurater vorhersagen und in die Auslegung der jeweiligen Ansaugtrakte mit einberechnen. Das in den Vorjahren oftmals befürchtete Ansaugen von Sandpartikeln - die sich verheerend auf Kolben, Kolbenringe und Ventile auswirken würden - haben die Teams durch Verwendung spezieller Luftfilter mittlerweile weitgehend im Griff.
1001 Nacht made in Germany
Was der Aachener Starstreckenarchitekten Hermann Tilke und sein Auftraggeber, Scheich Hamad Ibn Isa Al-Khalifa in Sakhir in den Sand gesetzt haben, kann sich mehr als nur sehen lasen: Für 150 Millionen Dollar errichtete der kleine Inselstaat auf 170 Hektar Baugebiet eine großzügige und hochmoderne Grand Prix-Rennstrecke auf allerhöchstem Niveau.
Da die Raumplanung in Bahrain nicht besonders restriktiv gehandhabt wird, konnten sich die Bauherren das beste Fleckchen Wüste aussuchen. Die Wahl fiel auf das im Süden des Kleinstaats gelegene Sakhir. Erst Ende 2002 setzte Formel 1-Supremo Bernie Ecclestone seine Unterschrift unter den begehrten Grand Prix-Vertrag. Nur 18 Monate später begrüßten die Scheichs den "schnellsten Zirkus der Welt" auf einer prächtigen Anlage, als deren Wahrzeichen der sich nach unten verjüngende "Sakhir-Tower" neun Geschosse hoch aus der Wüstenszenerie herausragt.

Insgesamt wurden 70.000 Kubikmeter Beton und 8.500 Tonnen Stahl verbaut und werden rund 82.000 Reifen und 5.000 Meter FIA-Zaun zur Streckensicherung verwendet.
Willkommen im Mittleren Osten
Schon vor dem ersten Großen Preis im Mittleren Osten gastierte die F1Welt einmal in der Wüste; ihr Vorkriegs-Pendant war geradezu Dauergast. Dabei waren es stets die großen Namen, die am Ende in den Siegerlisten ganz oben standen. Zwischen 1925 und 1940 fanden in der libanesischen Hafenstadt Tripoli 14 Große Preise statt - mit Rundenlängen von 71 (!), 26 und zuletzt 13 Kilometern. Nach Größen wie Tazio Nuvolari (1928 auf Bugatti 35 C) und Achille Varzi (1933 auf Bugatti 51 und 1934 auf Alfa Romeo B) siegten in der Folge die Silberpfeil-Heroen der 1934 eingeführten "750-Kilogramm-Formel": 1935 gewann Rudolf Caracciola auf Mercedes-Benz W25, 1936 Achille Varzi mit dem Auto Union C, 1937 und 1938 Hermann Lang auf Mercedes-Benz W125 bzw. W154. Die letzte Ausgabe 1940 sah mit Nino Farina im Alfa Romeo 158 (der späteren Alfetta) sogar noch einen Sieger, der die "moderne" Formel 1 mit prägen sollte. Auch bei den sieben Grands Prix von Tunesien in Tunis und den drei Läufen in Algerien siegten diese Titanen.
Die heutige Formel 1 sah den Himmel über der Wüste im Jahr 1958. Auf dem schnellen 7,6-Kilometer-Rundkurs von Ain-Diab bei Casablanca gewann Mike Hawthorne mit einem zweiten Platz den Weltmeistertitel. Sein britischer Landsmann Stirling Moss musste sich trotz Sieg und Extrapunkt für die schnellste Runde um einen Zähler geschlagen geben. Die moderne Formel 1 gastiert seit 2004 im Wüstenstaat Bahrain.



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