Die Desoxyribonukleinsäure eines jeden Menschen besteht aus den Basen Adenin, Guanin, Cytosin und Thymin. Das zumindest lehrte uns der Biologie-Unterricht. In der Formel 1-Welt scheint die DNS jedoch leicht anders auszusehen.

Bereits im Dezember klärte Honda Racing-Präsident Yasuhiro Wada darüber auf, dass der Motorsport zur DNS der Japaner gehöre. Kurz vor dem Start in die neue Formel 1-Saison schob nun auch Ferrari-Teamboss Jean Todt eine eigenwillige Interpretation der Molekularbiologie nach: "Wir werden von einem starken Willen zu siegen angetrieben. Denn der Drang nach Erfolgen ist ein Teil unserer DNS."

Eine magische Formel für den Weg zurück an die Spitze gebe es allerdings nicht. "Die Stoppuhr ist ein unbestechlicher Richter und es gibt keine gezinkten Karten." Deswegen müsse man "sein Bestes" geben, um Ferrari wieder dahin zu führen, wo die Scuderia zwischen 2000 und 2004 ununterbrochen stand: An die Spitze.

Doch zurück zum DNS-Modell des Jean Todt: "Wenn Racing tatsächlich in der DNA von Ferrari steckt, dann dürfen die Investitionen in die Formel 1 nicht die Realität beeinflussen." Und diese Realität sei die eines "kleinen Automobilherstellers", der nicht die riesigen Ressourcen eines der großen Konzerne hinter sich weiß.

Damit stößt Todt ins gleiche Horn wie Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo. Dieser hatte Ferrari vor einigen Wochen sogar als "Privatteam" bezeichnet. Um die finanzielle Zukunft und Stabilität von Ferrari zu gewährleisten, verschrieb man sich bis 2012 dem neuen Concorde Agreement. Um im DNA-Bild zu bleiben: Man ging quasi eine Wasserstoffbrückenbindung mit Bernie Ecclestone ein.

Die Verbindung zwischen Todt und Ferrari könnte hingegen schon am Ende dieser Saison mit dem Auslaufen seines Vertrages enden. Doch obwohl noch keine Entscheidung über die Zukunft des kleinen Franzosen gefallen ist, übt seine Funktion bei den Italienern noch immer diese beinahe magische Anziehungskraft auf ihn aus.

"Ansonsten würde ich nicht so viel Zeit an meinem Schreibtisch in Maranello verbringen", sagt ein überzeugter Teamchef. "Es gibt kein Motivationsproblem und genügend neue Herausforderungen: Nachdem wir so viele Jahre versucht haben unsere Siegesserie fortzusetzen, müssen wir nun versuchen da anzusetzen, wo sie 2005 unterbrochen wurde." Der Erfolgsdurst scheint also tatsächlich irgendwo in der roten DNS zu stecken.