Das aufregend klingende Wort "Fahrerrotation" gehört sicher nicht zu den Lieblingsbegriffen des Christian Klien. Vor einem Jahr startete der Hohenemser in eine Saison, in der er sich nie wirklich sicher darüber sein konnte, ob er beim nächsten Grand Prix wieder im blauen Red Bull-Renncockpit sitzen wird. Und wenn man bedenkt, wie wichtig Kontinuität in der heutigen Formel 1 ist, kann man umso besser nachvollziehen, welche Erlösung das Fixticket für den 23jährigen bedeutet hat.
Noch vor dem ersten Saisonlauf hat nun aber Dietrich Mateschitz abermals Gewicht auf die Schultern des Parade-Red Bull-Juniors gelegt. Der Red Bull-Boss erklärte in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten, dass er von Klien klipp und klar erwarte, dass er in der kommenden Saison seinen Stallkollegen David Coulthard schlagen wird. "Von gleich schnell oder langsamer haben wir dieses Jahr nichts mehr. Man kann nicht einen Ferrari-Motor, einen auf letzten Stand modernisierten Windkanal und einen Newey haben und dazu Fahrer, die eineinhalb gewonnene Sekunden wieder wegnehmen", sagte Mateschitz schroff. Umgekehrt müsse auch Coulthard seine Leistung erbringen, wenn er 2007 im ersten Newey-Auto sitzen möchte - sollten die aktuellen Piloten nicht den Vorstellungen entsprechen, müsse man sich für 2007 "auf dem Fahrermarkt umsehen", fügte der Big Boss hinzu.

Für Christian Klien stellt diese klare Vorgabe offensichtlich kein Problem dar - in einem Gespräch für Motorline erklärte der Hohenemser: "Mateschitz sieht das genau so, wie ich es eigentlich auch in meinem Kopf habe. Ich habe wirklich vor, in diesem Jahr den David zu ärgern und ich denke, dass ich die Schnelligkeit und die nötige Pace dafür auch habe. Man hat es bei den Testfahrten schon gesehen. Und das möchte ich dann auch in den Rennen umsetzen. Mein Ziel ist natürlich, den Teamkollegen zu schlagen."
Sicherlich sei Coulthard ein "harter Brocken", gab Klien offen zu. "Speziell im Rennen ist er wirklich sehr, sehr stark", spielte Klien auf die langjährige Erfahrung des 13fachen GP-Siegers an. Allerdings sei der Druck, der im Vorjahr durch die Fahrerrotation entstanden ist, wesentlich größer gewesen, erklärte Klien. "Aber als Sportler ein bisschen einen Druck aufgesetzt zu bekommen, ist doch schön - als Sportler braucht man das ja", fügte er hinzu.

Weniger optimistisch ist man bei Red Bull Racing in punkto RB2-Ferrari gestimmt. "Wir haben eigentlich erst in der ersten Februar-Woche begonnen, mit der verbesserten Version des RB2 zu testen. Wir liegen also sicher im Vergleich zu den anderen Teams einen Monat im Rückstand", gestand Klien. Auch mit den wegen Kühlproblemen vergrößerten Seitenkästen gab es bis zuletzt Standfestigkeitsprobleme an dem Auto, das Klien als "prinzipiell schnell" einstuft. Und auch Dietrich Mateschitz gestand "V8-Probleme" ein. RBR fehlte einfach die Zeit, um eine ausreichende Anzahl an GP-Distanzen abspulen zu können. Das Team bangt, dass man ausgerechnet am Beginn der Saison - für den die Experten zahlreiche Ausfälle prognostizieren - wegen der noch nicht hundertprozentigen Standfestigkeit wertvolle WM-Punkte liegen lassen könnte. Die Möglichkeit, dass man dennoch die Zielflagge sehen kann, sei jedoch immer gegeben, konstatierte Klien.
Wohnsitz Schweiz
Der Vorarlberger hat seit dem 1. März seinen offiziellen Wohnsitz in der Schweiz - in der Gemeinde Diepoldsau, nur vier Kilometer von seiner alten Heimat entfernt. Klien befindet sich in prominenter Gesellschaft - denn auch Siebenfachweltmeister Michael Schumacher residiert bekanntlich in jenem Land, in dem Rennfahrer aufgrund des Berufsverbots als "arbeitslos" gelten. Dass es nicht nur die schöne Landschaft ist, die auch andere Piloten in die Eidgenossenschaft zieht, gibt Klien offen zu: "Drüben gab es halt einfach die richtige Wohnung für mich. Und steuertechnisch ist es auch kein Nachteil." Selbstverständlich fährt Klien weiterhin mit österreichischer Lizenz.
Die Sonntags-Krone liefert einen Überblick über die außerösterreichischen Wohnsitze der heimischen Piloten. Berger, Wurz und Ratzenberger entschieden sich für Monaco, Lauda für Ibiza - und Jochen Rindt anfangs für Paris. "Weil das Telefonieren kompliziert und am Flughafen nie ein Parkplatz frei war", verrät Reporterlegende Heinz Prüller.

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