Über Michael Schumacher kann gar nicht zu viel geschrieben werden im deutschen Medienwald - vor allem dann nicht, wenn der Saisonbeginn jeden Tag um sagenhafte 24 Stunden näher rückt. Zum sonntäglichen Frühstückskaffee wird noch einmal eine Riesenportion "Schumi" serviert - man weiß ja nie, es könnte ja auch der letzte Saisonbeginn mit dem deutschen Ausnahmetalent sein. "Eine Woche vor dem Formel 1-Start öffnet der siebenfache Weltmeister sein Herz", kündigt Bild am Sonntag an. Kaffe und geöffnetes "Schumi"-Herz - was will man mehr?

In zwangloser Atmosphäre werden Fragen wie "Welche Musik hören Sie derzeit auf ihrem i-pod?" oder "Wann haben Sie zuletzt gebetet?" abgehandelt. Auf Letzteres antwortet Michael Schumacher: "Ich bete ständig." Er präzisiert: "Ich gehe dazu nicht in die Kirche. Egal, wann und wo - ich begebe mich ins Zwiegespräch mit dem Herrn dort oben. Setze mich auf diesem Weg mit meinem Leben auseinander."

"Sie sind auch schon schimpfend auf Kollegen losgestürmt. Zuletzt auf Sato", wird Schumacher mit seinem Temperament konfrontiert. Er nimmt es gelassen: "Okay, und sieben Jahre davor mal auf David Coulthard. Damit haben Sie mich jetzt wirklich erwischt."

Erwischt wurde Schumacher angeblich auch bei einer Modesünde - mit 19, in der Formel König, soll er mit einem Oberlippenbart gesehen worden sein. Schumacher kann das gar nicht glauben. Und selbst wenn er in der kommenden Saison den achten WM-Titel an Land ziehen sollte, würde er sich keinen "Oliba" wachsen lassen: "Bewahre! Ich kann mir Schöneres vorstellen!" Zum Beispiel ein drittes Kind, wird von dem Interviewer Spontaneität demonstriert. Das sei aber derzeit nicht geplant, erwidert Schumacher. Sollte er am Ende der Saison den Helm an den berühmten Nagel hängen, könnte sich Schumacher vorstellen, es als "Western-Reiter" zu versuchen. "Sie scherzen?", glaubt man ihm nicht. Er wehrt sich: "Wieso? Das ist ein absolut ernstzunehmender Sport."

Früher habe er "breites Kölsch" gesprochen, wird Schumacher einmal mehr in diesem Gespräch "zwangsgeoutet". Und so erzählt er: "Ich weiß noch genau, wie ich in der Schule beim Musik-Unterricht mal nach vorne musste, um ein Karnevals-Lied vorzusingen. Ich habe eine 6 dafür bekommen! Die Lehrerin wollte mir einfach nicht glauben, dass ich kein Kölsch kann." Was sei dann passiert? "Bin ich traurig nach Hause gegangen. Meine Eltern sind dann zur Lehrerin und haben ihr erklärt, dass wir zu Hause kaum Kölsch sprechen", blickt Schumacher auf seine Jugend zurück.

Und weil Bruder Ralf "für ein kölsch-japanisches Team" arbeitet, gibt es in dem Gespräch auch eine "sportliche Frage" - ob Ralf noch einmal Weltmeister wird, möchte man wissen. Michael Schumacher antwortet: "Das Talent dazu hat er ganz sicher, das hat er oft gezeigt. Wir sind ja schließlich vom selben Baum gefallen. Wenn Ralf mit Toyota endlich in die richtige Spur kommt, kann er Weltmeister werden."

"Wenn Sie ihm keinen Strich durch die Rechnung machen", wendet man ein. "Rischtisch", antwortet Michael Schumacher. Und erhält über die österreichische Kronen-Zeitung die Antwort von Dreifachweltmeister und Formel 1-Experte Niki Lauda: "Vom Titel brauchst noch net reden - erst beim vierten Rennen in Imola." Und überhaupt sagt Lauda: "Die Nummer 1 ist für mich Renault."