Heutzutage hat alles und jeder ein Motto, einen Slogan oder einfach nur einen coolen Spruch. Was für Kinofilme, Autos, Zeitschriften und Popstars gilt, ist auch beim BMW Sauber Team Programm: The Essence of Racing. Im Gegensatz zur Film- oder Musikbranche hielt man bei den Weiß-Blauen aber sein Versprechen: Die Konzentration lag in den letzten Wochen rein auf dem Rennsport.
Es gab weder große Ankündigungen vom Sieg im ersten Rennen, wie sie dereinst von British American Racing rausposaunt wurden, noch legte man großen Wert auf Showrundenzeiten, wie sie so manches Team in der Vergangenheit gerne einmal in den Asphalt brannte.
Im neuen BMW-Werksteam schlägt sich der Name Sauber also nicht nur als Überbleibsel im Teamnamen nieder. Die bodenständige Natur des Schweizer Ex-Teamchefs ist noch immer tief verankert in Hinwil und neuerdings München.

Das Team Damit wären wir bei einer der Hauptaufgaben des neuen Chefs Mario Theissen: Der Zusammenführung der beiden Standorte und der Ergänzung sowie Erweiterung des Teams; sowohl in infrastruktureller als auch personeller Hinsicht.
An der Spitze der Pyramide steht neuerdings der Motorsportdirektor Theissen, der keinesfalls als Teamchef bezeichnet werden möchte. Einen solchen Titel gebe es bei BMW Sauber nicht. Dennoch wird sich Mario in den kommenden Monaten mit seinen uneinigen Teambosskollegen herumplagen müssen - ob er dies möchte oder erwartungsgemäß eher nicht möchte.
Die Erweiterung der Fabrik in Hinwil ist bereits angelaufen, doch wird es bis zur nächsten Saison und eventuell länger dauern, bis man die ersten Früchte dieser Bauarbeiten ernten kann. Nur gut, dass mit dem hypermodernen Windkanal schon eines der wichtigsten Werkzeuge einsatzbereit ist.
Das nötige Personal um den Windtunnel rund um die Uhr betreiben zu können, soll bis zum Saisonende ebenfalls vorhanden sein. Parallel dazu stoßen momentan beinahe täglich neue Mitarbeiter zum Team. Der prominenteste Neuzugang ist Willem Toet, der die Rolle des Chefaerodynamikers übernimmt. Ansonsten verzichtet BMW Sauber gemäß der Tradition auf große Namen und setzt eher auf das alte Motto: Das Team ist der Star.

Die Tests So ganz stimmt das natürlich nicht, denn der größte Star eines jeden Formel 1 Rennstalls ist natürlich das Auto. Im Falle der bayerisch-schweizer Allianz wäre das der F1.06. Der Nachfolger des C24 erwies sich vom ersten Testtag an als zuverlässig. Abgesehen von den üblichen kleineren Problemen, konnten die Piloten in Ruhe ihre Testkilometer abspulen. Besonders zu Beginn der Tests konnte der F1.06 auch in den Zeitenlisten für gute Ergebnisse sorgen. Zum Ende der Wintertests ging BMW Sauber in Barcelona und Imola eigene Wege abseits der Konkurrenz.
Das Auto Beim Launch in Valencia präsentierte sich der erste Bolide des BMW Sauber F1 Teams noch konservativ. Man konnte getrost sagen, dass der Präsentationsort im Museum der Künste futuristischer und ausgefallener aussah, als der Wagen selbst. Doch schon beim Roll-Out wenige Stunden später trug der F1.06 einen neuen Frontflügel. Bei seinem vorletzten Test vor dem Saisonstart folgte in Barcelona das Debüt eines neuen Aerodynamikpakets, welches ebenfalls einen neuen Frontflügel sowie viele weitere kleinere Verbesserungen mit sich brachte.
Der Motor Im Heck des F1.06 sorgt der P86 getaufte BMW-Achtzylinder für Antrieb. Wie bereits angedeutet sorgten weder dieser noch seine Motorperipherie oder irgendwelche anderen mechanischen Komponenten für besonderes Kopfzerbrechen bei den Technikchefs. Seine ersten Kilometer absolvierte der P86 im letzten Jahr noch in einem Williams-Chassis. Danach befeuerte er einen extra gebauten C24B-Interimswagen. Insgesamt absolvierte das Team in diesem Winter knapp 10.000 Testkilometer.

Die Fahrer War bislang alles Eitelsonnenschein bei BMW Sauber, kommen wir bei der Fahrerpaarung zu einem heiklen Thema. Widmen wir uns zunächst der einfacheren Personalie: Nick Heidfeld.
Der Mönchengladbacher war der erklärte Wunschfahrer der Münchner. Nachdem sie ihm im letzten Jahr bereits zum zweiten Williams-Cockpit verholfen hatten, wollte Mario Theissen Heidfeld unbedingt ins eigene Team mitnehmen. Aus diesem Grund griff er auf einen Trick zurück: Er verpflichtete Quick Nick für die Jahre 2007 und 2008. Für 2006 besaß Williams eine Option. Allerdings machte es keinen Sinn diese einzulösen, wenn ohnehin klar war, dass Heidfeld danach zu BMW wechseln würde. Also ließen Frank Williams und Patrick Head ihn ziehen.
Schwieriger gestaltete sich der Vertragspoker bei Jacques Villeneuve. Der Kanadier besaß einen wasserdichten Vertrag mit dem Sauber Team, doch war man sich bei BMW nicht sicher, ob er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Erst in letzter Sekunde wurde Villeneuve für 2006 bestätigt. Angeblich weil man seine ansteigende Formkurve in der zweiten Saisonhälfte 2005 lange analysiert hatte. Anders ausgedrückt: Die Anwälte fanden kein Schlupfloch ihn ohne teure Abfindung aus dem Vertrag rauszukaufen und die Verhandlungen mit potenziellen Nachfolgern liefen auch nicht gut. Es gab schlichtweg keinen besseren Ersatzmann.

Und obwohl man in den Reihen der Weiß-Blauen pausenlos betont, dass Villeneuve keine Nummer 2 sei und er die gleiche Behandlung wie Heidfeld erhalten werde, nimmt man ihnen dies nur schwer ab. Bei den ersten Tests schlug sich Jacques jedoch erstaunlich gut. Jetzt muss er beweisen, wozu er nach den enttäuschenden Jahren bei B·A·R noch fähig ist. Sollte er in diesem Jahr genauso von Heidfeld entzaubert werden, wie im Vorjahr Mark Webber, dürfte dies das Ende der F1-Karriere des Weltmeisters von 1997 bedeuten.
Die Prognose Die Zielsetzungen des Teams sind vor seiner ersten Saison in dieser Konstellation realistisch: Regelmäßige Punkteplatzierungen und vielleicht der ein oder andere Podestplatz stehen in den Notizbüchern der BMW-Chefetage. Einen Sieg schließen Nick Heidfeld und Mario Theissen unter normalen Bedingungen aus. Trotzdem könnte BMW Sauber am Ende besser da stehen, als es viele Experten erwarten. Wie gut das Team tatsächlich ist, lässt sich angesichts des Test-Versteckspiels nicht exakt sagen. Gerade zu Saisonbeginn könnte sich jedoch die gute Standfestigkeit als nicht zu verachtender Vorteil erweisen. Der angepeilte Sprung unter die Top-6 der Teamwertung sollte am Ende der Saison ebenfalls möglich sein. Ob es zu mehr reicht, hängt von der Stärke respektive der Schwäche der Konkurrenz ab.
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