Schon wieder Red Bull? Haben wir nicht erst gestern im Rahmen unserer großen Saisonvorschau "Hausaufgaben gut gemacht?" über die roten Bullen berichtet? Aber ja! Doch Dietrich Mateschitz scheint - im Gegensatz zu vielen Fans, die den Fernseher in den letzten Jahren abschalteten und den Strecken fern blieben - nicht genug von der Formel 1 bekommen zu können!
Nachdem wir gestern einen Blick auf seine neueste Errungenschaft, die Scuderia Toro Rosso, geworfen haben, ist heute das Flaggschiff der Motorsportaktivitäten von Red Bull an der Reihe: Red Bull Racing.
Im letzten Jahr stellte RBR eine Art Liebling des Fahrerlagers dar: Cooles und teils verrücktes Auftreten, lustige Sprüche, kein PR-Einerlei, spaßige Events, hübsche Damen, eine einladende Energy Station und vieles mehr lockten Gäste und Journalisten gleichermaßen in die Höhle der Ex-Raubkatzen.

Nur ein Jahr danach, sind einige der Konkurrenten weniger gut auf den Paddock-Aufheiterer Nummer 1 zu sprechen. Der Grund dafür ist simpel: So lange RBR sein Geld nur für Marketingzwecke ausgegeben hat, hatte die Konkurrenz damit keine Probleme. Doch seit Dietrich Mateschitz seine Teamverantwortlichen auf große Einkaufstour durch die Reihen der Rivalen geschickt hat, sind diese verständlicherweise bedient. Die Zuwanderer vom Schlage eines Adrian Newey stört das natürlich wenig.
Das Team Auch wenn der bereits erwähnte Ex-McLaren-Stardesigner der berühmteste Neuzugang ist, dreht sich bei RBR nicht alles um den neuen Chief Technical Officer. Zusammen mit ihm kamen in den letzten Monaten noch viele weitere Mitarbeiter von Konkurrenzteams nach Milton Keynes.
Flavio Briatore, dessen Renault-Team eine der Hauptquellen der roten Bullen war, fand dies gar nicht lustig und deutete an, dass RBR damit seinen im letzten Jahr erworbenen guten Ruf aufs Spiel setze. Den Bullen war's egal: Sie möchten die Antwort auf der Strecke geben.
Auf dem Papier sind die Voraussetzungen dafür nahezu optimal: Die Technikabteilung platzt geradezu vor Spitzenleuten. Da kann man es sich sogar leisten den bisherigen Technischen Direktor Günther Steiner an das neue Red Bull Toyota NASCAR-Team abzugeben.

Die Tests Die ersten dunkelblauen Früchte des Spitzentechniker-Teams waren jedoch faul: Der RB2 machte schon bei seinem Roll-Out im winterlichen Silverstone Probleme. Schon damals wurde geunkt: Wer im kühlen Silverstone Überhitzungsprobleme hat, der sollte erst gar nicht zu den Tests in wärmeren Gefilden respektive den Hitzerennen in Bahrain und Malaysia anreisen.
Red Bull tat es natürlich trotzdem und wurde schon im erstaunlich kühlen Jerez von der Realität eingeholt: Der Ferrari-Motor überhitzte in Folge eines Kühlungsproblems. Bei Midland moserte man in Richtung Mark Smith & Co, dass alle Techniker die im letzten Jahr für die Probleme des EJ15 verantwortlich gewesen wären, jetzt bei Red Bull seien, wo es jetzt ebenfalls Probleme gebe.
Adrian Neweys Amtszeit in Milton Keynes begann also mit viel Arbeit: Die Seitenkästen und das Heck des RB2 mussten überarbeitet werden. Aber auch nach der angeblichen Lösung der Überhitzungsprobleme, erwies sich das neue Auto alles andere als besonders standfest. So reist RBR ohne eine einzige absolvierte Renndistanz zum Auftaktrennen nach Bahrain. Zu Jahresbeginn 2006 konnte man sogar nur drei bis vier Runden am Stück drehen, ohne Gefahr zu laufen den Motor zu überhitzen.

Das Auto Von diesen schwerwiegenden Kinderkrankheiten abgesehen, erwies sich der Nachfolger des RB1 zumindest gelegentlich als konkurrenzfähig. Eine Einschätzung des wahren Leistungsvermögens des Autos erscheint vor dem ersten Rennen aber unmöglich. Eine Wiederholung des sensationellen Saisonstarts aus dem Vorjahr dürfte für RBR demnach kaum möglich sein. Nach dem Roll-Out bezeichnete David Coulthard den RB2 als "sexy Lady". Bislang zeigte sich die dunkelblaue Dame aber nur von ihrer zickigen Seite...
Der Motor Als Dietrich Mateschitz & Co im letzten Jahr den Ferrari-Motorendeal verkündeten, herrschte in Milton Keynes und Fuschl noch Eitelsonnenschein. Mit dem V8-Triebwerk aus Maranello sicherte man sich nicht nur ein - so dachte man damals zumindest - konkurrenzfähiges und zuverlässiges Aggregat, sondern auch einen perfekten Marketingpartner. Die Schuld für die RB2-Misere liegt derweil nicht nur bei den falschen Kalkulationen der RBR-Techniker. Angeblich haben die Italiener auch nicht ganz korrekte Daten über ihren neuen Achtzylinder übermittelt.
Die Fahrer Bei den Fahrern geht RBR in diesem Jahr einen konventionellen Weg: Die Cockpit-Sharing-Variante des Vorjahres hat ausgedient. Sowohl David Coulthard als auch Christian Klien haben ihren Platz im Team sicher.
Für den Schotten heißt es seine starken Leistungen der Vorsaison zu bestätigen und sich auf diese Weise eine weitere Vertragsverlängerung für 2007 zu verdienen. Dann hegt DC große Pläne: Schließlich hat er alle seine 13 GP-Triumphe für Williams und McLaren mit einem Newey-Boliden eingefahren. Im nächsten Jahr möchte er diese Statistik mit dem ersten von Adrian Newey entworfenen Red Bull aufbessern.

Für Christian Klien wird die Saison 2006 zum Jahr der Entscheidung: Mateschitz fordert von seinem Landsmann konstant gute Leistungen auf dem Niveau seines Teamkollegen. Genau genommen soll er diesen sogar bezwingen.
Darüber ob der Österreicher den nötigen Speed dazu hat, wird in Fachkreisen gestritten. Vor Coulthards erstem Red Bull Jahr, hätten sicherlich nicht viele auf den Schotten gesetzt. Doch nach seiner 'Wiederauferstehung' bei den roten Bullen, gilt Onkel David mit all seiner Erfahrung als harte Nuss für den jungen Alpenländer.
Die Prognose Das Wichtigste wird jedoch für beide Fahrer sein, ob der RB2 unter Rennbedingungen konkurrenzfähig und vor allem zuverlässig ist. Bislang lässt sich deshalb nur wenig über die Chancen des Teams sagen. Besonders die riesige Konkurrenz im Kampf um Podest- und Punkteplätze macht eine Verbesserung des 7. WM-Ranges aus dem Vorjahr mehr als nur schwierig. Mit Toyota, Honda, Williams, BMW Sauber und Red Bull kämpfen mindestens fünf Teams um die Ränge fünf bis acht. Flavio Briatore sagte überspitzt, dass RBR angesichts seiner großen Ausgaben in diesem Jahr mindestens ein Rennen gewinnen müsse. Unter normalen Umständen dürfte das nur schwer zu schaffen sein. Sobald die Probleme mit dem Auto aus der F1-Welt geschafft wurden, könnte aber immerhin der erste Podestplatz im Bereich des Möglichen liegen.
Die Team-Analysen im Überblick
F1-Countdown 2006: Hausaufgaben gut gemacht, Super Aguri?
F1-Countdown 2006: Hausaufgaben gut gemacht, Toro Rosso?
F1-Countdown 2006: Hausaufgaben gut gemacht, MF1 Racing?
F1-Countdown 2006: Hausaufgaben gut gemacht, Red Bull Racing?



diese Formel 1 Nachricht