Seit Ende November drehen die F1-Teams beinahe ununterbrochen ihre Testrunden in Südspanien und Italien. Nur einige wenige Tage zwischen Weihnachten und Neujahr ruhten die Motoren. Ansonsten standen die letzten knapp drei Monate ganz im Zeichen des Mottos: Testen, testen, testen - und an die Testkilometer denken.

An dieser Stelle möchten wir Sie aber nicht mit undurchschaubaren und kaum mit Aussagekraft versehenen Zahlenkolonnen langweilen. Stattdessen sagen wir Ihnen, was die elf Rennställe in ihrer vorletzten Testwoche gearbeitet haben und was sie für ihre letzte Testchance in den kommenden Tagen geplant haben.

Die Saison rückt näher: Die Boxenstopps werden geübt., Foto: Sutton
Die Saison rückt näher: Die Boxenstopps werden geübt., Foto: Sutton

Renault:

Boxenstopp-Training, Qualifying-Simulationen, Long Runs und Reifentests: Renault absolvierte in der vorletzten Testwoche das volle Programm auf dem Circuit de Catalunya. Und obwohl Chefstratege Pat Symonds betonte, dass man bei den Testfahrten bislang nie auf schnelle Rundenzeiten aus gewesen sei, führten die Gelb-Blauen auch diesmal wieder die Zeitenliste an. Beide Piloten wussten, auch während ihrer Long Runs, mit starken Rundenzeiten zu überzeugen, die letztlich nur Jenson Button unterbieten konnte. In der kommenden Woche geht es noch einmal für zwei Tage nach Valencia. Danach schicken die Franzosen ihre Autos in die Wüste.

McLaren:

McLaren und Mercedes wurden in den letzten Wochen viel kritisiert. Für unzuverlässige Motoren, eine schlechte Performance und vieles mehr. Doch je näher die Saison rückt, desto näher rücken die Chrompfeile an das obere Ende der Zeitenliste. Allerdings werden wir erst in Bahrain erfahren, was die starken Rundenzeiten von Kimi Räikkönen tatsächlich wert sind. In dieser Woche heißt es noch einmal an drei Tagen Daten zu sammeln und Gas zu geben. Gleich am Montag geben die beiden Testfahrer Pedro de la Rosa und Gary Paffett in Valencia Gas. Am Dienstag und Mittwoch nimmt Kimi Räikkönen neben Pedro de la Rosa Platz. Als Autos kommen ein MP4-20 und ein MP4-21 zum Einsatz.

Bis auf die letzten Bahrain-Testtage war bei Rot Ruhe angesagt., Foto: Sutton
Bis auf die letzten Bahrain-Testtage war bei Rot Ruhe angesagt., Foto: Sutton

Ferrari:

Eine gute Woche hatte sich Ferrari in Bahrain einquartiert: Danach verließ man nach eigenen Aussagen zufrieden die Wüste, um sich auf den letzten Test in Mugello sowie natürlich den Saisonstart an gleicher Stelle in Bahrain vorzubereiten. Dennoch machten viele Meldungen über Zuverlässigkeits- und Performanceprobleme die Runde. Vor allem die Reifen standen wieder einmal im Kreuzfeuer der Kritik: Angeblich soll Bridgestone auch mit den neuen, kurzlebigeren Pneus einen Zeitrückstand vorweisen. Da die Scuderia auch in der letzten Testwoche der Konkurrenz ausweicht, werden wir die Wahrheit über den Leistungsstand der Roten erst am 12. März erfahren.

Toyota:

Nachdem Toyota sein neues Aerodynamikpaket in der Einsamkeit der italienischen Teststrecke von Vallelunga ausgetestet hat, stand in der letzten Woche in Barcelona das Konkurrenzdebüt des rundum erneuerten TF106 auf dem Programm. Obwohl sich die Verantwortlichen und Fahrer damit zufrieden zeigten, konnten die Weiß-Roten in den Zeitenlisten nicht den erwarteten Sprung ganz nach oben vollführen. Stattdessen rutschte man nur etwas näher an die Spitze heran. In dieser Woche testen die Japaner ein letztes Mal in Valencia. Am Mittwoch und Donnerstag rücken sie auf dem Circuit Ricardo Tormo aus.

Die Mitternachtsblauen waren erneut schnell, aber anfällig., Foto: Sutton
Die Mitternachtsblauen waren erneut schnell, aber anfällig., Foto: Sutton

Williams:

Wie die meisten Teams kehrt Williams in dieser Woche für drei Tage von Montag bis Mittwoch an den Ort des FW28-Roll-Outs zurück. In der letzten Woche standen Tests neuer Aerodynamikteile sowie Setuparbeiten und Reifentests im Mittelpunkt. Dabei konnte Mark Webber abermals mit guten Zeiten auf den Geheimfavoriten aufmerksam machen. Nico Rosberg erlebte hingegen wieder einmal eine problematische Woche, welche die Schwachstellen und Zuverlässigkeitsprobleme des neuen Boliden aufdeckte. Bei Cosworth zeigte man sich trotz eines Motorschadens mit den Ergebnissen der neuesten Ausbaustufe zufrieden.

Honda:

Ebenfalls zufrieden ist man mit der Saisonvorbereitung bei Honda. Auch in Barcelona konnten Rubens Barrichello und vor allem Jenson Button mit starken Rundenzeiten glänzen. Ob diese auch unter Rennbedingungen umzusetzen sind, wird sich zwar erst in Bahrain zeigen, aber der zurückliegende Wüstentest bewies zumindest, dass die Japaner schneller als der neue Ferrari 248 F1 waren. In Valencia schärft Honda in dieser Woche noch einmal von Dienstag bis Donnerstag seinen RA106 für die anstehenden Aufgaben bei den drei Überseerennen.

Honda wähnt sich in einer guten Ausgangslage für die Saison., Foto: Sutton
Honda wähnt sich in einer guten Ausgangslage für die Saison., Foto: Sutton

Red Bull Racing:

Eigentlich wollte Red Bull seine Testaktivitäten in Barcelona einstellen. Doch nach einer abermals durchwachsenen Testwoche, bestätigte Teamboss Christian Horner zwei weitere Testtag in Valencia. An diesen sollen "ein paar raue Stellen im Gesamtpaket" geglättet werden. Anders ausgedrückt: Die roten Bullen möchten die verlorene Zeit vom Beginn des Testjahres auf den letzten Drücker zurückholen. Die Kühlungsprobleme des RB2 und des dazugehörigen Ferrari-Achtzylinders sollen immerhin endgültig behoben sein. Das kann RBR bei den zwei Hitzerennen in Bahrain und Malaysia gleich zu Saisonbeginn unter Beweis stellen.

BMW Sauber:

Das BMW Sauber Team erlebte keinen Testabschluss nach Maß: Nachdem der Barcelona-Test gut verlaufen war, fiel der letzte Test vor Saisonbeginn in Imola im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. An allen Tagen schüttete es wie aus Sprinkleranlagen. Aus diesem Grund brachen die Weiß-Blauen ihren Test am Freitag vorzeitig ab. In dieser Woche stehen bei BMW Sauber nur noch Sponsorentermine, aber keine Testfahrten mehr auf dem Programm.

In Bahrain wird Midland wohl kaum vor Renault liegen., Foto: Sutton
In Bahrain wird Midland wohl kaum vor Renault liegen., Foto: Sutton

MF1 Racing:

Drei Tage lang feilten Christijan Albers und Tiago Monteiro in der letzten Woche auf dem Circuit de Catalunya am neuen M16. Neben Entwicklungsarbeiten am neuen Boliden standen natürlich auch bei Midland Reifentests für Bridgestone im Vordergrund. Am Dienstag absolviert das Team einen letzten Shakedown des zweiten M16 in Silverstone. Des Weiteren sollen auf der Haus- und Hofstrecke vor den Toren der MF1-Fabrik letzte Feintuning-Maßnahmen am Rennsetup vorgenommen werden.

Scuderia Toro Rosso:

Krasser hätte der Unterschied nicht sein können: Aus der Hitze von Bahrain kam die Scuderia Toro Rosso in den Regen von Imola. Bereits einen Tag vor BMW Sauber entdeckte Toro Rosso die schlechte Laune des Wettergottes. Dieser ließ es an allen Testtagen auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari wie aus Eimern schütten und sorgte somit dafür, dass die Jungbullen ihren ersten Test mit zwei STR1-Chassis vorzeitig beenden mussten. Bei ihrem nächsten Auftritt fahren Scott Speed und Tonio Liuzzi wieder in der Wüste von Bahrain. Dann allerdings am ersten Rennwochenende des Ex-Minardi Teams.

Yuji Ide gab sein F1-Debüt., Foto: Sutton
Yuji Ide gab sein F1-Debüt., Foto: Sutton

Super Aguri:

In der drittletzten Testwoche absolvierte Super Aguri den Shakedown des SA05. In der vorletzten möglichen Testwoche absolvierte das Team den ersten Vergleichstest mit der Konkurrenz in Barcelona. In der letzten Testwoche vor dem Saisonstart steht für Super Aguri das Debüt des ersten neuen Aerodynamikpakets in der noch jungen Teamgeschichte auf dem Programm. In Silverstone testen die Japaner ihre neue Aerodynamik, die im Gegensatz zur bisher eingesetzten Variante auch dem aktuellen Reglement entsprechen soll. An den ersten drei Testtagen in Barcelona, mussten sich Takuma Sato und Yuji Ide noch einen SA05 teilen. Dennoch konnten die schneeweißen Autos ihren Rückstand von anfänglich weit über 10 Sekunden auf knapp die Hälfte reduzieren. Wunderdinge dürfen von den Japanern beim Saisonstart aber nicht erwartet werden.