Audi erlebte in Baku Performance-technisch das wohl schwächste Wochenende seiner bisher kurzen Formel-1-Historie. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto schieden bereits im Q1 aus, im Rennen blieb die Mannschaft aus Hinwil und Neuburg trotz zahlreicher Ausfälle ohne Punkte. Und das ausgerechnet an einem Wochenende, an dem man ein großes Update an den RS26 brachte.
Hatte das Update den Boliden mit den vier Ringen möglicherweise langsamer statt schneller gemacht? Nein, lautete die Antwort aus dem Audi-Lager unisono. Hülkenberg fuhr im 1. Training die alte Spezifikation zu Vergleichszwecken und urteilte nach dem Qualifying ganz klar: "Das Update hat sich von Anfang an gut angefühlt. Es besteht kein Zweifel daran, dass es besser ist."
Der Deutsche fühlte sich im Qualifying unter Wert geschlagen. Eine Gelbe-Phase verhinderte seinen Sprung ins Q2. Aber auch dort, da machte man sich bei Audi keine Illusionen, wäre nicht viel mehr möglich gewesen.
Darum war Audi im Rennen besser als im Qualifying
"Wir brauchen mehr Topspeed, das ist die Story des Wochenendes", urteilte Hülkenberg nach seinem elften Platz im Rennen. Dabei hatte Teamkollege Bortoleto am Vortag noch festgestellt: "In Monza sind wir fast ins Q3 gekommen und dort gibt es mehr Geraden."
Doch dass Geraden nicht das Lieblingsterritorium von Audis Formel-1-Boliden sind, ist hinlänglich bekannt. Der V6 aus Neuburg liefert schlicht zu wenig Leistung. Nur Hondas Motor liegt bei der Leistung noch weiter hinten.
Möglicherweise hilft Audi eine neue Motorenformel bei der PS-Aufholjagd. Wie Audi-Boss Gernot Döllner zu neuen Motoren steht, erklärt euch Christian im Video:
Im Qualifying war die längste Vollgas-Passage im Formel-1-Kalender nicht Audis einziges Problem. "Ich hatte einfach keinen Grip", klagte Bortoleto. Im Rennen drehte sich das Bild auch beim Brasilianer: "Wir haben eine ordentliche Pace gezeigt, vor allem im zweiten Sektor waren wir super schnell." Der zweite Sektor des Baku City Circuits ist besonders kurvenreich.
Im Rennen bekam Audi die sensiblen Pirelli-Pneus ins Betriebsfenster. Der RS26 ist bekannt dafür, mit dem schwarzen Gold recht sorgsam umzugehen. Was normalerweise ein Vorteil ist, wurde im Baku-Qualifying zum Problem. In Ermangelung schneller Kurven schaffte man es nicht, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Malaysia in einer Woche sollte dem starken Audi-Chassis dann wieder unter allen Bedingungen in die Karten spielen.
Das Topspeed-Problem aber blieb bei Audi auch im Rennen. In Zahlen ist das schwer zu untermauern, weil Windschattenfahrten die Messungen völlig verfälschen. So belegt der an diesem Wochenende so dominante George Russell in diesen Wertungen stets die hinteren Plätze, weil er an der Spitze nur selten in den Genuss von Windschatten kam.
Bei den Audi-Piloten wurde das Speed-Defizit vor allem im direkten Zweikampf offensichtlich. Trotzdem hätte es für Nico Hülkenberg noch fast zu einem Punkt gereicht. Dabei verlief sein Rennen nicht ideal. Kurz vor der ersten Safety-Car-Phase und den Boxenstopps musste er seine Position an den Teamkollegen abgeben. Bortoleto zeigte zu dieser Zeit die vielversprechendere Pace.
Unfreiwillig wurden die Positionen bei den Boxenstopps wieder zurückgetauscht. Bortoleto hatte nach seinem Stopp Probleme mit dem VSC-Delta. Als Hülkenberg, der zwei Runden später als letzter Fahrer gestoppt hatte, vor ihm auf die Strecke kam, wurde Bortoleto sauer: "Ihr habt mir gesagt, dass ich den SC-Modus einlegen soll und dann bin ich die ganze Zeit mit 10 km/h um die Strecke gefahren."
Kleiner Hülkenberg-Fehler kostet letzten Formel-1-Punkt
Weil aber fast das ganze Feld mit dem Reifenwechsel auf eine Safety-Car-Phase gewartet hatte, konnte Audi davon nicht profitieren. Nach vorne ging es erst, als Franco Colapinto und Arvid Lindblad die Konkurrenz aus dem Weg räumten und sich Oscar Piastri später verbremste. Plötzlich lag Hülkenberg auf Platz zehn.
Drei Runden vor Schluss ging allerdings Carlos Sainz an Hülkenberg vorbei. "Es sah gut aus, aber vor mir hat Arvid [Lindblad] gegen die Haas gekämpft und dadurch wurde ich aufgehalten. Deshalb ist Sainz rangekommen", ärgerte sich der Deutsche später.
Der Williams kam aber nicht nur mit seinem überlegenen Topspeed am Audi vorbei. Hülkenberg machte in Runde 48 in Kurve 16 einen kleinen Fehler und verlor dadurch den Schwung auf die lange Vollgas-Passage. Sainz nutzte den Fehler und ging vorbei.
Stewards lassen Gnade walten: 10-Sekunden-Strafe für Bortoleto
Für Gabriel Bortoleto, der das Rennen eine Sekunde hinter seinem Teamkollegen auf Rang 13 beendet hatte, gab es noch ein Nachspiel. Die Stewards untersuchten sein Verhalten in einer Gelb-Phase. Nach dem Unfall beim Restart gab es sofort die nächste Safety-Car-Phase.
Allerdings gab es hier offenbar Kommunikationsprobleme: Während die Streckenposten bereits auf der ganzen Strecke gelbe Flaggen schwenkten und die SC-Schilder zeigten, hatte die Rennleitung das Safety Car digital noch nicht auf die Strecke geschickt. Bei Bortoleto kam es deshalb zur Verwirrung, woraufhin er Sergio Perez überholte.
Die Stewards ließen deshalb noch Gnade walten und bestraften den Audi-Piloten nicht für ein Überholmanöver unter Safety-Car-Bedingungen. Allerdings hatte er zumindest unter Gelb überholt, was die vier Formel-1-Richter mit ihrem Vorsitzenden Gerd Ennser mit einer 10-Sekunden-Strafe belegten. Dadurch fiel Bortoleto von Platz 13 auf Rang 15 zurück.
Gabriel Bortoleto bekam die Strafe auf sein Rennergebnis, bei Franco Colapinto wird die Strafe in eine Strafversetzung für das nächste Rennen umgewandelt. Hätte es nach dem Restart-Crash aber sogar eine Rennsperre geben sollen? Christian hat alle Infos für euch im Video zusammengefasst:



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