Zu Beginn der Formel-1-Saison 2026 war Ferrari noch regelmäßig erster Mercedes-Verfolger. Lange Zeit durfte sich Lewis Hamilton sogar noch Außenseiterchancen auf den Titel ausrechnen. Diese Zeiten sind längst vorbei. "Die meiste Zeit fuhr ich im Niemandsland", lautete Hamiltons Fazit nach dem Aserbaidschan-GP in Baku.

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Ähnlich sah es für seinen Teamkollege Charles Leclerc aus. Der Monegasse – sofern er sein Auto auf der Strecke lässt –, als Baku-Spezialist bekannt, hatte sich auf Platz zwei qualifiziert, kam aber abgeschlagen und chancenlos auf Platz vier ins Ziel. Damit lag er noch immer zwei Positionen vor Hamilton im Niemandsland.

Leclerc hatte sich schon nach dem Qualifying beschwert, auf dem Baku City Circuit kein volles Vertrauen in den SF-26 zu haben. Ferrari litt besonders unter der Reifen-Thematik. Obwohl die Temperaturen an der 30-Grad-Marke kratzten und auf dem Asphalt fast 50 Grad gemessen wurden, taten sich alle schwer damit, die Pneus ins optimale Temperaturfenster zu bringen.

Hamilton brauchte den kompletten ersten Stint, um die Reifen auf die ideale Betriebstemperatur zu bekommen. Im Qualifying war ihm dieses Kunststück nie gelungen. "Die Medium-Reifen im zweiten Stint habe ich nie zum Funktionieren gebracht", gab der Brite später zu Protokoll.

Die Soft-Reifen lagen Ferrari noch etwas besser. Doch auch darauf waren beide Piloten auf verlorenem Posten. Leclerc verlor mit einem für Ferrari ungewöhnlich schlechten Start Position zwei auf dem kurzen Sprint zu Kurve 1 an Oscar Piastri.

Damit aber nicht genug. Die beiden Red Bull flogen in der Anfangsphase an Leclerc vorbei. In Runde vier lag er nurmehr auf Position fünf. "Es hat uns an purer Pace gefehlt. Ich hatte keine Chance, mich auf den Geraden gegen die Red Bull zu verteidigen", klagte er nach dem Rennen.

Ferrari-Schwachstelle offensichtlich: Motoren-Rettung erst 2027

Reifentemperatur und schlechter Start hin oder her, das wahre Ferrari-Problem saß in Baku einmal mehr hinter dem Monocoque. Der Ferrari-V6 liefert auch mit der zweiten ADUO-Ausbaustufe noch zu wenig Leistung.

"Die anderen scheinen immer und überall Leistung zu haben. Das ist verrückt zu sehen", staunte Hamilton. "Du musst an Stellen verteidigen, wo du es niemals erwarten würdest. " Die Anfangsphase des Rennens erinnerte stark an das Rennen in Monza. Ungewohnt deutlich nannte auch Teamchef Fred Vasseur das Problem beim Namen: "Mit unserem Motor verlieren wir in der Anfangsphase eine Position pro Grade."

Fred Vasseur kam nach dem Rennen in Baku nicht nur wegen der Ergebnisse in Bedrängnis. Auf ein Interview von Christian Horner antwortete er mit pikanten Aussgaen:

Dass es zu Saisonbeginn noch deutlich besser lief, hat zwei Gründe. Einerseits profitierte Ferrari da noch stärker vom guten Chassis. "Die gleichen sich aber langsam an, beim Motor ist das nicht so. Da müssen wir auf nächstes Jahr warten", so Vasseur. Die AUDO-Schritte waren schlichtweg zu klein.

Ferrari-Teamchef: Baku und Monza die schlimmsten Strecken

Dazu kam die Charakteristik des Baku City Cirucit. Die 2,2 Kilometer lange Vollgas-Passage war Gift für den Ferrari-V6. "Zusammen mit Monza ist Baku die schwierigste Strecke für uns", weiß Vasseur. Las Vegas dürfte später in der Saison ähnlich schwierig werden.

"Die Plätze vier und sechs waren hier das Maximum für uns", meint der Teamchef. Dabei konnte man vor allem von den McLaren-Problemen profitieren. Wegen eines Verbremsers fiel Piastri hinter die Ferrari zurück, Lando Norris erwischte ein schwaches Wochenende und wurde zudem von Franco Colapinto aus dem Rennen gekegelt. Zu diesem Zeitpunkt lag der Weltmeister aber hinter beiden Ferrari-Piloten.

Leclerc gelang es außerdem, vor Kimi Antonelli ins Ziel zu fahren. Der Mercedes-Pilot fuhr bei seiner Aufholjagd von Platz 16 nach eigenen Aussagen "wie seine Oma" und hatte in der Schlussphase zudem ein stark beschädigtes Auto.

Leclercs Hoffnung liegt nun auch in der Weiterentwicklung des SF-26. "McLaren und Red Bull hatten hier große Updates dabei", nimmt er sein Team in Schutz. Ferrari brachte nach Baku kein einziges aerodynamisches Update. Das dürfte sich beim Rennen nächste Woche in Malaysia ändern. Die Scuderia erwartet deshalb und vor allem aufgrund der Streckencharakteristik ein ganz anderes Wochenende.

Flavio Briatore stellt Franco Colapinto nach seinem Unfall mit Teamkollege Pierre Gasly in Baku die Rute ins Fenster. Stewards sprechen Grid Penalty aus. Mehr dazu im folgenden Artikel: