Viel wurde in den letzten Tagen über die neue Formel-1-Strecke von Madrid geredet. Und dabei fast nur über eine Kurve: Turn 12. Besser bekannt als 'La Monumental'. Eine um 24 Prozent überhöhte Highspeed-Kurve, die den Plänen nach voll am Griplimit der aktuellen F1-Autos liegen soll und mit 548 Metern Länge auch als längste Kurve im aktuellen Kalender gefeiert wird.

Die große Frage vor diesem Wochenende erinnerte an die rund um die Jahrtausendwende zur Berühmtheit gelangte Eau-Rouge-Challenge: Geht die Kurve voll? Und: Wer traut sich? Die Antwort darauf ist nach dem ersten Formel-1-Qualifying in Madrid ernüchternd. Ja, die Kurve geht voll, und das sogar ziemlich einfach, wie Fernando Alonso unter Beweis stellte. "Der Fahrerinput ist nichts, jeder kann Kurve 12 fahren", stellte er fest.

Jeder kann, aber nur zwei Fahrer taten es auf ihrer schnellsten Runde im Qualifying tatsächlich. Neben Alonso, der in Q1 eliminiert wurde, ging auch Gabriel Bortoleto in 'La Monumental' nicht vom Gas. Der Audi-Pilot wurde Zwölfter hinter seinem Teamkollegen Nico Hülkenberg, der leicht vom Gas ging.

Max Verstappen: "Wenn ich Vollgas gehe, stirbt meine Batterie"

Das Problem ist nicht, dass die anderen Fahrer die Kurve nicht voll schaffen oder sich nicht trauen. Es liegt wieder einmal an den neuen Formel-1-Motorregeln. Denn anstatt in der Mutkurve voll durchzuziehen, macht es für die meisten Fahrer im Sinne des Batteriesparens Sinn, zu lupfen. Max Verstappen erklärte das in der Pressekonferenz nach dem Qualifying so: "Ich wollte Vollgas gehen, aber dann stirbt meine Batterie. Also geht man ein bisschen vom Gas, um ein besseres Deployment zu bekommen."

Lando Norris erging es ähnlich: "Es ist nicht die größte Herausforderung, denn man muss im ersten Teil der Kurve Batterie sparen." Optisch sieht die Kurve natürlich cool aus, da sind sich alle Fahrer einig, aber eine wirkliche Mutkurve ist sie paradoxerweise wohl nur im Rahmenprogramm. "Ich denke, sie ist in den anderen Kategorien eine größere Herausforderung, denn dort hat sie nicht so einfach Vollgas ausgesehen", stellte Verstappen mit Blick auf die Formel 2 und Formel 3 fest, die ebenfalls an diesem Wochenende in Madrid im Einsatz sind.

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Der Grund, dass die Kurve so einfach Vollgas geht, liegt an den Leistungskurven der Formel-1-Motoren. Vor der Kurve wird nichts eingespeist, die Fahrer kommen also in Turn 12 nur mit der Verbrenner-Energie an und die Geschwindigkeit ist für das Gripniveau dementsprechend noch nicht im roten Bereich. Erst am Ausgang schaltet sich das MGU-K ein. Zu spät, um die Kurve noch schwierig zu machen.

"Das ist traurig", bilanzierte Alonso, "die Formel 1 oder Motorsport im Allgemeinen sollte in Kurven wie Turn 12 jenen belohnen, der mutiger ist. So sollte das im Qualifying sein und jetzt geht es nur darum, wie hoch der Ladestand ist, ob man schneller oder langsamer fährt."

Vollgas in der neuen Formel-1-Steilkurve: Bringt das etwas?

Wie wirkt es sich auf die Rundenzeit aus, die Kurve voll zu nehmen? Da Lance Stroll am Qualifying aufgrund eines Wasserdruck-Problems nicht kompetitiv teilnehmen konnte, lässt sich nur ein Vergleich zwischen den beiden Audi-Fahrern anstellen. Zur Erinnerung: Bortoleto nahm die Kurve voll, Hülkenberg ging im ersten Abschnitt zweimal leicht vom Gas.

In den Telemetriedaten sieht man, dass die Unterschiede marginal sind. Hülkenberg machte durch die Kurve Zeit im niedrigen Hundertstel- bis Tausendsteilbereich gut. Er ging jeweils nach der vorherigen Kurve früher auf das Gas und profitierte davon am Eingang, Bortoleto stieg später aufs Gas, lupfte nicht und machte damit ein paar Hundertstelsekunden bis Kurve 13 gut. Unter dem Strich funktionierten jedenfalls im Audi also beide Varianten fast gleich gut.

Audi hatte wohl die Monumental weniger batteriesparend angelegt. Denn im Verhältnis zu den Schnellsten des Qualifyings blieb auch Hülkenberg sehr stark auf dem Gas. Zum Vergleich: Seine Gaspedalstellung erreichte bei 79 Prozent einen Tiefststand, bei Antonelli waren es 59 Prozent, bei Norris 57 Prozent. Max Verstappen nahm auf seiner schnellsten Runde sogar bis auf 27 Prozent heraus.

Der vierfache Formel-1-Weltmeister hat trotz der abwesenden Challenge in der Monumental-Kurve Gefallen an der Strecke in Madrid gefunden - zumindest auf eine Runde. Er kritisierte den Kurs aber für einen anderen Aspekt und schießt sich auf die Streckendesigner ein. Mehr dazu hier: