Vor einem guten Jahr übernahm der Midland-Konzern das strauchelnde Jordan Team und beendete damit seine Pläne in der Saison 2006 mit einem komplett neuen Rennstall in die F1 einzusteigen. Stattdessen absolvierte man schon 2005 ein Lehrjahr unter dem Namen Jordan GP.
Nachdem das Team für seine teils schwachen Vorstellungen viel Kritik einstecken musste, soll 2006 alles besser werden. Allein die Teampräsentation wirkte nicht mehr ganz so mysteriös wie vor einem Jahr. Damals stellte man einen Uralt-Jordan auf den roten Platz in Moskau und ließ die Fahrer bei Minusgraden und Schnee daneben vor sich hinfrieren.

Diesmal erblickte der neue M16 in der Fabrik in Silverstone das Licht der F1-Welt. Der Name des Autos knüpft an den EJ15 des Vorjahres an und setzt somit zumindest ein klein bisschen die Jordan-Tradition fort. Sein Roll-Out wird der M16 am Samstag auf der Haus- und Hofstrecke in Silverstone erleben. Danach geht es in der kommenden Woche zu den ersten richtigen Tests nach Jerez.
Der MF1 Toyota M16
"Wir fühlen, dass wir ein viel besseres Paket als vor einem Jahr geschaffen haben", sprach Sportdirektor Adrian Burgess schon vor dem Launch des neuen Autos jene Worte, die alle Teamverantwortlichen vor dem Debüt ihrer neuen Boliden zum Besten geben.
Der M16 ist laut Technikchef James Key "ein komplett neues Auto", in dessen Entwicklung "alle Informationen, die wir bei der Entstehung des EJ15B gesammelt haben", eingeflossen sind.
"Das neue Auto ist auf vielen Gebieten stark verbessert; bei der Mechanik, der Aerodynamik und dem gesamten Paket", betont Key, der übrigens der jüngste Technische Direktor der Boxengasse ist. "Wir sind zuversichtlich gute Fortschritte machen zu können."
"Allein das neue Chassis hat uns so viele verschiedene Gebiete eröffnet, die wir verbessern konnten und die am alten Chassis einfach nicht wirklich effektiv waren", fügt Adrian Burgess hinzu.
Ein wichtiger Bestandteil des neuen Autos ist der Toyota V8-Motor im Heck des M16. "Toyota ist fantastisch", schwärmt Burgess über seinen Motorenpartner. "Ihr Kundenservice ist einfach unvergleichlich. Wir könnten nirgends ein besseres Paket bekommen."
Aus Sicht von MF1 gibt es in diesem Jahr aber noch einen weiteren Motorenvorteil: "Im letzten Jahr wurde der Toyota-Motor quasi ins Heck des Autos hineingepresst", so Burgess über die Integration des Motors in den EJ15, der eigentlich für einen Cosworth-Motor gebaut worden war. "Die Installation war in Ordnung und unsere Zuverlässigkeit hat bewiesen, dass alle Superarbeit abgeliefert haben. Aber in diesem Jahr hatten wir viel mehr Zeit und konnten auf die Details achten."
Die Fahrer

Lange hat es gedauert, aber letztlich ist die Stammfahrerpaarung des Teams keine Überraschung: Neben dem Niederländer Christijan Albers geht der Portugiese Tiago Monteiro in seine zweite Saison mit den Midland-Verantwortlichen.
Obwohl Monteiro 2006 als Rookie of the Year eine tadellose Saison hingelegt hat, stand er über den Winter mehrfach in Frage, was wohl auf die Sponsorengelder-Forderungen des Teams zurückzuführen war. Nachdem Monteiro sich schon im letzten Jahr als Stammfahrer bezeichnet hatte und in der offiziellen FIA-Starterliste aufgetaucht war, musste er noch einmal einige Wochen zittern.
Doch jetzt ist sich Geschäftsführer Colin Kolles sicher, die richtige Fahrerpaarung gefunden zu haben. "Tiago und Christijan hatten 2005 ein außergewöhnlich gutes Rookie-Jahr und wir sind davon überzeugt, dass dieses Duo konkurrenzfähig sein wird."
Neben den beiden Stammfahrern wird nicht wie 2005 angekündigt Nicky Pastorelli als dritter Fahrer agieren. Stattdessen gibt es eine ganze Reihe von Testfahrern. Einer davon ist der Russe Roman Rusinov, der bei Midland auf seine Landsleute trifft. Schließlich ist MF1 Racing der erste Rennstall, der in der Formel 1 unter russischer Lizenz an den Start geht.
Des Weiteren darf der Schweizer Giorgio Mondini an neun GP-Freitagen in den dritten M16 steigen. Zudem gehören die beiden Deutschen Markus Winkelhock und Adrian Sutil zum Fahrerkader. Während Winkelhock noch auf Freitagseinsätze hofft, wird Sutil auf alle Fälle einige davon absolvieren.
"Wir sind glücklich vielen jungen Männern und Frauen, die einmal die Zukunft der Formel 1 sein werden, eine Chance geben zu können", sagt Kolles, der nicht nur viele junge Fahrer, sondern auch eine junge Technikertruppe beschäftigt.
Neben seinen Stammpiloten traut Kolles auch den Testern zu "erfolgreiche F1-Fahrer" zu werden. Besonders beim derzeitigen A1GP-Piloten Sutil ist er davon überzeugt, dass er "seinen Weg" machen wird. "Ich bin überglücklich, dass ich diesen Schritt jetzt schon machen darf und mich für mein großes Ziel, einen festen Platz in der F1, empfehlen kann", freute sich Sutil. "Ich werde, wie ich es immer getan habe, so hart wie möglich arbeiten, um auch unter den besten Rennfahrern der Welt zu bestehen und zu überzeugen."
Die Ziele

Ähnliche Ziele wie Sutil hegt auch sein Team. "Mit dem M16 haben wir in jeder Hinsicht einen einschneidenden Schritt vorwärts gemacht", ist sich Teambesitzer Alex Shnaider sicher. "Aber obwohl wir viel Geld in ein neues Auto investiert haben, bleiben wir bei unserem Kampf als Privatteam gegen die besten Motorsporthersteller realistisch", setzt Kolles keine unerreichbaren Ziele.
"Unser Ziel für 2006 ist es konstante und sichtbare Fortschritte im Vergleich zu unseren Gegnern zu erzielen, während wir unsere tolle Zuverlässigkeit des Vorjahres beibehalten", skizziert Jamey Key die Zielsetzung für die anstehende Saison.
"Wir zielen auf die Teams ab, die im letzten Jahr vor uns gelegen haben und das sind Red Bull Racing und BMW Sauber", wird Key konkreter. "Realistisch betrachtet können wir das schaffen, aber ob es schon zu Beginn der Saison oder erst gegen Saisonende klappt weiß ich nicht."
Teamboss Colin Kolles hat es sich jedenfalls zum Ziel gesetzt "regelmäßig zu punkten": "Im letzten Jahr sagte ich auf meiner ersten FIA-Pressekonferenz, dass ich auf ein zuverlässiges Auto und mit ein bisschen Glück ein paar Punkte hoffe. In diesem Jahr hoffe ich, dass das Auto zuverlässig ist und wir kein Glück mehr für WM-Punkte benötigen."
Die langfristige Zukunft des Teams scheint unterdessen ebenfalls geklärt zu sein. Während in den letzten Monaten immer wieder Gerüchte über einen Verkauf aufkamen, bestätigte Alex Shnaider: "Wir möchten in der F1 bleiben. Ich habe nicht vor das Team zu verkaufen. Ich bleibe hier und ich bin der F1 verpflichtet."
Ein rigoroses nein zu einem Verkauf gab es aber erneut nicht: "Wir halten immer Ausschau nach einem Partner, aber vorerst sind wir das Midland Team."



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