Der Große Preis von Großbritannien war der ultimative Beweis dafür, wie schnell es in der Formel 1 von "Hero to Zero" gehen kann. Im Vorjahr freute sich nahezu das gesamte Fahrerlager über das sensationelle erste Podest von Nico Hülkenberg im Mekka des englischen Motorsports - exakt zwölf Monate später ist für ihn in Silverstone nach 36 von 52 Rennrunden Schluss.

Der bittere Grund: Ein Getriebeschaden am R26. Als "charakterbildend" bezeichnete Nico Hülkenberg das Wochenende sichtlich bedient. "Schon auf dem Weg in die Startaufstellung hatte ich das Gefühl, dass etwas mit dem Auto nicht stimmt“, erzählte der Emmericher, der von Startplatz 12 ins Rennen gegangen war. Der Start selbst verlief - mal wieder - nicht nach Plan. In der hektischen Startphase verlor Hülkenberg direkt vier Plätze und fand sich hinter dem kämpfenden Alpine-Duo wieder.

"Das ist eindeutig ein Bereich, dem wir in den nächsten Wochen unsere volle Aufmerksamkeit widmen müssen", betonte Hülkenberg selbstkritisch. "Die ersten beiden Runden waren sowieso sehr spektakulär mit den unterschiedlichen Energie-Strategien. Das war ein ziemlich wilder Überlebenskampf." Während er anfangs noch von einem Patzer von Franco Colapinto in Luffield profitierte, war es Hülkenberg kurz darauf selbst, der sich dort einen folgenschweren Dreher leistete.

"Ich hatte Franco direkt neben mir. Ich weiß nicht, ob mein Auto das aerodynamisch irgendwie nicht gemocht hat. Wahrscheinlich war es einfach viel zu empfindlich auf der Hinterachse und dann habe ich den Wagen verloren", analysierte der Deutsche, der seinen Audi zwar gekonnt abfangen konnte, dabei aber etliche Plätze einbüßte. Bereits in Runde 17 steuerte er dann als einer der Ersten die Boxengasse an, um von Medium auf die harten Reifen zu wechseln. In Runde 29 folgte der zweite Stopp.

Zu diesem Zeitpunkt kämpfte Hülkenberg bereits mit einer streikenden Kraftübertragung, bei der das Getriebe von alleine in den Leerlauf (Neutral) sprang. "Ich musste dann im Cockpit manuell wieder einen Gang suchen und nehme an, dass die Gänge danach schlicht nicht mehr richtig synchronisiert waren", vermutet Hülkenberg. Sieben Runde später folgte das endgültige Aus. Für Hülkenberg ist es bereits der vierte DNF in einem Grand Prix, womit er weiterhin punktelos bleibt. Besonders bitter: Damit sitzt er im selben WM-Boot wie die beiden Cadillac-Piloten und Lance Stroll.

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Bortoleto erlöst Audi: Erste F1-Punkte seit Melbourne

Im Gegensatz zu Hülkenberg fuhr Gabriel Bortoleto als Achter zum zweiten Mal in dieser Saison in die Punkte. "Wir haben endlich gezeigt, warum wir hier sind und was unsere wahre Rennpace ist. Realistisch betrachtet denke ich, dass Platz acht genau widerspiegelt, wo wir als Team im Moment stehen", freute sich Bortoleto über die ersten Zähler seit dem Australien-GP im März.

Dabei verlief auch sein Wochenende nicht völlig reibungslos. Aufgrund zwei großer Snaps am Eingang von Turn 6 und eines Problems mit dem Energiemanagement in Copse verpasste er im Qualifying um 32 Tausendstelsekunden den Einzug ins Q3. Fast hätte er es gar nicht ins Qualifying geschafft, denn kurz vor Beginn der Session mussten seine Mechaniker ein Problem am Getriebe reparieren. "Das Ergebnis hätte komplett anders aussehen können, wenn wir weiter hinten gestartet wären. Das Team hat unglaubliche Arbeit geleistet", lobte Bortoleto seine Crew.

24 Stunden später kostete ihn eine unglücklich getimte Safety-Car-Phase die Chance, die beiden Racing Bulls im Schlussspurt noch abzufangen. Dennoch überwog beim Brasilianer die Freude: "Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem heutigen Ergebnis. Das Team hat es absolut verdient. Wir hatten einige extrem harte Rennen ohne Punkte. Das nagt an den Nerven, weil man das verborgene Potenzial des Autos sieht, es aber einfach nicht in etwas Zählbares ummünzen konnte. Deshalb ist das jetzt ein riesiger Schub für jeden Einzelnen in der Fabrik." Dem stimmte auch Audi-Rennleiter Allan McNish vollumfänglich zu.

Er sieht in Bortoletos achtem Platz einen wichtigen Meilenstein für das Projekt und ein Spiegelbild für die harte Arbeit hinter den Kulissen. "Wir waren immer felsenfest davon überzeugt: Wenn wir weiter sauber arbeiten und das Auto fehlerfrei weiterentwickeln, wird das Ergebnis kommen. Und jetzt ist es da", bilanzierte McNish stolz. "Weitere Punkte zu holen, ist ein ganz wichtiger Schritt nach vorn für die gesamte Mannschaft. Wir werden diesen Moment genießen, die positiven Aspekte des Wochenendes mitnehmen und unseren Fokus sofort auf Spa-Francorchamps richten."