Nico Rosberg und sein FW28 – haben sie eine große gemeinsame Zukunft?
Für Nico Rosberg war der heutige Tag in Grove ein ganz besonderer. Hat er dort doch zum ersten Mal sein neues Auto gesehen. "Es sieht sehr gut und schnell aus", sagte er grinsend, "und ich habe ihn heute auch zum ersten Mal gesehen, Jetzt bin ich gespannt, wie es sich am Sonntag auf der Strecke anfühlt."
Da wird Rosberg sogar die Ehre zuteil, die Jungfernfahrt mit dem neuen FW28 zu fahren. "Wir werden zwar nur ein paar Runden drehen, nicht viel mehr als die Installationsrunde", sagt er. "Aber das wird sicher ein großer Spaß."
Ob der Spaß die Saison lang anhält, ist dann schon eine ganz andere Frage. Rosberg fühlt sich aber gut gerüstet für die Saison, die am 12. März in Bahrain losgeht. "Ich habe wirklich alles gegeben in dieser Vorbereitungszeit, denn eines Tages will ich ganz oben ankommen", sagt er. "Das haben sie im Team, auch schon gemerkt, und dadurch habe ich mir einen gewissen Respekt erarbeitet."
Rosberg ist sich bewusst, dass er in der Formel 1 dermaßen im Scheinwerferlicht steht, dass er auch Kritik wird einstecken müssen. "Bisher habe ich ganz gerne Texte über mich gelesen", sagt er. "Vielleicht ist das jetzt aber nicht mehr so klug. Denn ich nehme das oft persönlich, was über mich geschrieben wird. Oft ist es halt nur Schrott, aber ich kann es nicht als Schrott annehmen."
Damit nimmt der 20-Jährige auch gegenüber Medien eine sehr kritische Haltung ein. Oder kann er nicht mit Kritik umgehen? "Das kann ich schon, wenn sie von den richtigen Leuten kommt, von jemandem im Team, von Sam Michael, von den Ingenieuren", sagt Rosberg. "Nicht so sehr aber von meinem Vater. Zum einen, weil es nicht so einfach ist, vom Vater Kritik einzustecken. Und zum anderen, weil er ganz schön viel zu kritisieren hat."
Alex Wurz und die Bauchentscheidung

Neben Nico Rosberg hat auch der Österreicher Alex Wurz, der zuletzt fünf Jahre als Testfahrer bei McLaren-Mercedes war, nun bei Williams angedockt. "Diese Entscheidung habe ich sehr schnell getroffen, innerhalb von Tagen", erzählt der 31-Jährige. "Kurz vor Weihnachten hat Frank Williams mich angerufen und gefragt, ob die Gerüchte stimmen würden, dass ich noch auf dem Markt bin."
Dann ist Wurz nach Grove gereist und hat mit Sam Michael, Patrick Head und Frank Williams verhandelt. "Es war schon ein bisschen wie mit einer neuen Freundin. Alle spürten das Knistern, waren sehr neugierig, weil sie zusammen kommen wollten", erzählt Wurz. "Irgendwann mitten in diesem Gespräch hatte ich das Gefühl, das muss ich jetzt machen. Ich habe das voll aus dem Bauch heraus entschieden."
Auf die Frage, ob er auch bei McLaren-Mercedes hätte bleiben können, wollte Wurz nicht antworten. "Aber alles ist sehr offen nach beiden Seiten gelaufen, McLaren war die ganze Zeit informiert." Wurz gibt zu, dass ein Grund, das Team zu wechseln, darin lag, dass er nun auch freitags wieder fahren kann. "Das ist eine sehr interessante Aufgabe", sagt er. "Und ich bin auch sicher, dass gerade da meine Erfahrung eine Rolle gespielt hat. Nico Rosberg ist noch jung, und sie wollten durch meine Verpflichtung das vielleicht etwas ausgleichen."
Wurz betont, dass es immer noch sein Ziel ist, in der Formel 1 Rennen zu fahren. "Irgendwann habe ich es aber eingesehen, dass sich das für die Saison 2006 nicht mehr realisieren lässt. Und so habe ich diese Entscheidung getroffen, um so näher an mein Ziel zu kommen. Denn man kann nicht laufen, bevor man zu gehen gelernt hat."

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