Es ist angerichtet: Wie erwartet haben die meisten Formel 1-Teams umfangreiche Update-Pakete für den Miami GP im Gepäck. Im einzigen Freien Training am Freitag zog vor allem Red Bull Racing die Blicke auf sich. Die Ingenieure aus Milton Keynes scheinen wohl die gleiche technische Eingebung wie Ferrari gehabt zu haben.
Im FP1 präsentierte Red Bull erstmals eine eigene Version des sogenannten "Macarena-Flügels". Damit hatten gleich zwei Teams einen Heckflügel im Einsatz, der sich beim Aktivieren des Straight Mode nicht einfach flachstellt, sondern um 180 Grad auf den Kopf dreht. Ferrari hatte den Heckflügel bei den Bahrain-Testfahrten erstmals erprobt, dann in China erneut, war dann zurück ans Zeichenbrett, um das Design bis Miami renntauglich zu machen.
Red Bull brachte das Teil nach der fünfwöchigen Zwangspause, wobei Laurent Mekies klarstellte, dass es sich um keine Ferrari-Kopie handelt. "Auch wenn ihr mir das sowieso nicht glauben werdet, muss ich es der Fairness halber sagen: Unsere Ingenieure hatten dieses Konzept bereits entwickelt, lange bevor wir überhaupt auf der Strecke gesehen haben, was die Konkurrenz macht", erklärte Mekies gegenüber den Medienvertretern in Miami. Dass der rotierende Heckflügel erst in Miami zum Einsatz kommt, begründet Mekies mit der Priorisierung in der Entwicklung.
"Wir hatten zunächst grundlegendere Baustellen zu lösen, bevor wir dieses spezielle Element an die Strecke bringen konnten." Der erste Auftritt mit dem Heckflügel ist definitiv gelungen: Max Verstappen sortierte sich mit lediglich zwei Zehntelsekunden Rückstand hinter Ferrari-Pilot Charles Leclerc auf Rang zwei ein. "Auf Max’ Seite gibt es definitiv Anzeichen dafür, dass wir ihm ein Werkzeug gegeben haben, mit dem er härter pushen kann", zeigte sich Mekies optimistisch.
Red Bull mit radikalem Seitenkasten & radikalem Macarena-Flügel
Das Red-Bull-Design hat auch einen Twist. Während der Ferrari-Flügel den Aktivierungs-Mechanismus in die Seitenteile des Heckflügels verlegt, nutzt die Red-Bull-Variante immer noch einen zentralen Mechanismus, wie er bei traditionellen Klappflügel-Designs eigentlich Standard ist.

Dadurch rotiert beim Red Bull der obere Teil des Flügels beim Aktivieren des Straigth Mode einmal um diesen Aktuator in der Mitte des Heckflügels nach oben und hinterlässt eine geradezu riesige Lücke. Ferraris B-Version des Original-Designs bleibt beim Konzept mit der Aktivierung in den Seitenteilen und sieht daher deutlich weniger dramatisch aus. Insgesamt wurde er dafür deutlich überarbeitet, mit neuer Pylonen-Verbindung, Flap-Profilen und einem kuriosen kleinen Klammer-Flap in der Mitte.
Radikaler Red-Bull-Umbau geht bei den Seitenkästen weiter
Beim Red Bull geht das Spektakel dafür bei den Seitenkästen weiter. Die haben eine komplett neue Form, sind jetzt wieder deutlich voluminöser und mit einem sehr tiefen Downwash-Kanal obendrauf, sehr ähnlich dem, was man in der Mittelphase der Ground-Effect-Ära vor ein paar Jahren zu sehen bekam. Das spielt zusammen mit einem komplett neuen Vorderbereich des Unterbodens, was den ganzen Luftfluss nach hinten großteilig ändert.



Dier Luftfluss wird schon am Frontflügel sowieso neu geordnet. Auch hier kopiert Red Bull - diesmal den generellen Trend, außen an der Endplatte oben ein frei hängendes einzelnes Element zu montieren, wie es McLaren und Mercedes schon seit den Testfahrten haben. Das Paket wird abgerundet durch an die neuen Luftflüsse angepasste Verkleidungen von Vorder- und Hinterbremsen und Hinterradaufhängung. Praktisch ist ein Großteil der Aero-Oberflächen des Autos neu.

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