Mercedes ist bisher in dieser Formel-1-Saison unbesiegt. Sowohl im Rennen von Australien als auch im Sprint von China ging der Sieg an George Russell. Doch während die Konkurrenz in Form von Ferrari in beiden Fällen wenigstens mitkämpfen konnte, war das in den jeweiligen Qualifying-Sessions nicht der Fall.

Die Lücke zwischen Mercedes und dem Rest der F1-Welt scheint also in der Renn-Performance weniger stark ausgeprägt zu sein als im Qualifying. Wobei diese Medaille immer auch eine andere Seite haben könnte. Liegt es vielleicht einfach nur daran, dass Ferrari auf eine Runde schwächelt und damit der erste Gegner der Silberpfeile wegfällt? Charles Leclerc denkt nicht, dass das der Fall ist: "Es gibt einen riesigen Unterschied im Qualifying und es gibt nichts an unserem Auto, das das erklären könnte. Das ist ein bisschen komisch."

Party-Modus! Ist Mercedes im Qualifying deshalb so überlegen?

"Es ist auch komisch, dass wir im Rennen plötzlich zurück im Spiel sind", wunderte sich der Zweitplatzierte des Kurzrennens am Samstag. Während Leclerc noch rätselt, hat Lewis Hamilton bereits eine Erklärung parat, wie der große Qualifying-Vorsprung von Mercedes zustandekommt. "Ich wollte das schon eine lange Zeit sagen, ich weiß, wie es dort läuft", leitete der Rekord-Weltmeister seine Theorie ein.

"Sie haben im Qualifying einen anderen Modus, den sie benutzen können. Ein bisschen wie der Party-Modus früher", präsentierte Hamilton seine These. Wie Mercedes in dem neuen Reglement diese Extra-Power generiert, weiß er nicht. "Wir haben so etwas nicht, was es auch immer ist", stellte der Brite klar.

Im Sprint-Qualifying von China am Freitag gab Russell dem ersten nicht mercedes-motorisierten Verfolger, der in diesem Fall Hamilton selbst war, über sechs Zehntelsekunden mit. In Australien hatte der aktuelle Führende der Formel-1-WM den ersten Mercedes-Jäger sogar um fast acht Zehntel abgehängt. In beiden Fällen fiel der Abstand in der Frühphase der Qualifikation noch geringer aus, ehe Mercedes in der Entscheidung dann nochmal deutlich draufpacken konnte. Hamilton glaubt deshalb ausmachen zu können, wann der Party-Modus zündet. "Sobald sie in Q2 kommen, schalten sie ihn an", behauptet er.

Lewis Hamilton fällt auf: "Ab Q2 machen sie einen großen Schritt"

Hamilton will aber nicht in Abrede stellen, dass der W17 auch ohne diesen Spezialmodus das beste Paket besitzt. "Sie haben offensichtlich immer noch einen allgemeinen Vorteil und wir müssen herausfinden, was das ist. Aber da ist etwas mehr, vor allem ab Q2. Man sieht in Q1, dass wir nicht weit weg sind und plötzlich gibt es einen großen Schritt", führt der 104-fache Grand-Prix-Sieger aus.

Er belegt dies mit den Zahlen aus dem Freitags-Qualifying: "Es war eine Zehntelsekunde in Q1 und dann auf einmal sind es sieben Zehntel. Eine halbe Sekunde, das ist ein großer Schritt." Eine Aussage, die aber auch mit etwas Kontext eingeschränkt werden muss. Denn in Q1 legte Russell im Sprint-Qualifying bei relativ hoher Streckenentwicklung nur eine gezeitete Runde hin, während die Ferraris noch ein weiteres Mal nachlegten. Im ersten Run hatten auch in diesem Fall sieben Zehntel gefehlt.

Die nächste Beweisaufnahme in der These von Lewis Hamilton gibt es schon in wenigen Stunden. Um 8 Uhr deutscher Zeit findet in China das Formel-1-Qualifying für das Sonntagsrennen statt. Alle Informationen zum Zeitplan und zur TV-Übertragung findet ihr hier: