Wenn aus heiterem Asphalt heraus die Fahrbahnmarkierungen auf einer Kreuzung verschwinden und danach ohne Vorwarnung plötzlich aus fünf Spuren nur noch drei werden, dann ist man wieder einmal im spanischen Verkehrschaos von Valencia angekommen.
Dort stellte das BMW Sauber Team in alter BMW-Williams Tradition in der vergangenen Woche seinen neuen F1.06 vor. An drei Tagen durften Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve ihr neues Arbeitsgerät auf dem außerhalb der Stadt gelegenen Circuit Ricardo Tormo testen.
Während der Kurs für die Zweirad-begeisterten Spanier als Motorrad-Mekka gilt und von beinahe jedem Tribünenplatz aus eine perfekte Übersicht über die komplette Strecke bietet, dürften die Bemühungen der Spanier um einen zweiten Grand Prix im eigenen Land wohl kaum zu einem F1-GP in Valencia führen.

Zum einen, weil Bernie Ecclestone trotz des Alonso-Booms von zwei Rennen in einem Land wohl kaum angetan sein dürfte, und zum anderen, weil Jerez de la Frontera als ehemaliger GP-Austragungsort ebenfalls gerne diese Ehre übernehmen würde.
Vorerst muss man sich in Südspanien jedoch mit Testfahrten begnügen. Davon bekam man in letzter Zeit allerdings mehr als genug geboten: Nach zwei Testwochen zum Jahresende 2005, begann das Testjahr 2006 ebenfalls mit zwei Testwochen auf dem Circuito de Jerez. In den vergangenen Tagen waren dort allerdings nur vier Teams mit ihren Piloten am Werk.
Der derzeitige Wirbel um den Deutschland GP in Hockenheim sollte die Spanier ohnehin vor einem zweiten Rennen warnen: Sobald der Boom abflacht und die Eintrittspreise nicht mehr bezahlt werden können, kommt jede Rennstrecke in Probleme. Insbesondere wenn sie nicht von der Regierung oder finanzkräftigen Sponsoren unterstützt wird.
Da ist es kein Wunder, dass man in Hockenheim nach dem teuren Umbau ums Überleben kämpft und sogar angedacht wurde den Deutschland GP abwechselnd in Hockenheim und am Nürburgring auszutragen. Das Angebot von den Landsleuten aus der Eifel dürfte aber wohl nicht nur aus reiner Nächstenliebe erfolgt sein. Auch der Nürburgring hat mit einem Zuschauerrückgang bei gleichzeitig jährlich um 10 % ansteigenden Austragungsgebühren zu kämpfen.

Aber auch im zweiten Land mit mehr als einem F1-Rennen wird schon lange über die Streichung eines WM-Laufs diskutiert. Dabei steht das Autodromo Enzo e Dino Ferrari, derzeit noch das Heim des San Marino GP, besonders stark im Kreuzfeuer der Kritik.
Entsprechend möchte man mit einer Erneuerung der Boxengasse und der Einrichtungen sowie einem leichten Umbau der Streckenführung für ein attraktiveres und moderneres Streckenpaket sorgen. Im Gegensatz zum radikalen Umbau in Hockenheim, soll in Imola allerdings weniger tief in die Tasche gegriffen werden. Und auch das nur, wenn der Staat bereit ist dafür aufzukommen.
Der zweite italienische GP-Austragungsort in Monza ist übrigens ebenfalls in Schwierigkeiten: Dort kämpft man neben dem Zuschauerrückgang der letzten Jahre auch noch gegen die Lärmschutzvorschriften an. Diese Probleme sollen allerdings letzten Meldungen zu Folge demnächst außergerichtlich und im wahrsten Sinne des Wortes lautlos gelöst werden.
Schlechter sieht es da für den Belgien GP in Spa-Francorchamps aus. Nachdem dessen Zukunft durch die Übernahme der Vermarktung seitens Bernie Ecclestone gesichert zu sein schien, vermeldete der belgische Fraktionschef Serge Kubla am Freitag eine bevorstehende Absage des Rennens. Angeblich würde man mit den geforderten Umbaumaßnahmen nicht bis zum Renntermin fertig werden.
Am Samstag wurden diese Aussagen von der FIA als "nicht seriös" abgetan und die Austragung des Belgien GP 2006 nicht in Frage gestellt. Dennoch wissen wir aus der Vergangenheit, dass Bernie Ecclestone schon einmal den Traditionskurs für ein Jahr aus dem Rennkalender streichen ließ. Und auch in Magny Cours musste man vor einiger Zeit lange zittern, bis man seinen Platz im Rennkalender behalten durfte.

Wer Bernie Ecclestone nach seiner absoluten "Lieblingsstrecke" fragt, der bekommt zu 99,9 Prozent sowieso eine ganz andere Antwort: "Silverstone". Ein Kurs den Bernie am einen Tag am liebsten in den Boden stampfen und nie wieder befahren möchte, den er aber am nächsten Tag wieder für die tolle Verbesserung der Anfahrtswege lobt.
In der letzten Woche stand das "Home of British Motor Racing" aber aus einem anderen Grund im Mittelpunkt: MF1 Racing absolvierte vor den Fabriktoren einen viertägigen Test, bei dem Ex-MotoGP-Star Max Biaggi neun Runden in einem Vorjahresboliden drehen durfte. Einen Wechsel auf vier Räder lassen die neun Ründchen des Italieners aber kaum erahnen.
Viel interessanter war hingegen, dass Tiago Monteiro neben Biaggi und Stammfahrer Christijan Albers einen Tag lang testen durfte. Das deutet darauf hin, dass der Portugiese zumindest als Testfahrer zum Fahrer-Lineup der Midland-Truppe gehören wird. Als Stammfahrer wollte man ihn jedoch immer noch nicht bestätigen.
Einen Tag bevor der F1.06 am Dienstag um exakt 13:20 Uhr in Valencia auf die Strecke rollte, erlebte der neue Ferrari sein Roll-Out in Fiorano. Und genau deswegen wehren sich die Roten auch weiterhin strikt gegen eine Testbeschränkung auf eine bestimmte Anzahl an Tagen: Wer eine eigene Teststrecke vor den Fabriktoren hat, möchte diese so oft wie möglich nutzen. Deshalb plädieren die Italiener für eine Beschränkung nach Testkilometern.
Valencia, Jerez, Fiorano, Silverstone, Imola, Nürburgring, Hockenheim und Spa: Die letzte Woche lehrte uns, dass es in der Formel 1 nicht immer nur um Fahrer, Autos und Teams geht. Manchmal stehen auch die Strecken im Vordergrund.



diese Formel 1 Kolumne