George Russell startet beim Formel-1-Rennen in Katar am Sonntag aus der vierten Position. Doch er ist nur Zaungast im Kampf der großen Drei der F1-Saison 2025. Dieser spitzt sich auf dem Lusail International Circuit nicht nur zu, sondern könnte sogar die WM-Entscheidung liefern.

Auf jeden Fall wird sich am Sonntag entscheiden, ob Max Verstappen mit noch intakten WM-Hoffnungen zum Saisonfinale in Abu Dhabi reist oder nicht. Der Niederländer benötigt entweder Schützenhilfe oder ein kleines Kunststück, um den scheinbar übermächtigen McLarens auf dem überholfeindlichen Kurs ein Schnäppchen zu schlagen - oder wenigstens WM-Leader Lando Norris, denn ihn muss Verstappen unbedingt hinter sich halten, um die Titelchancen zu wahren.

Hard am Start? George Russell tippt auf diese Red-Bull-Strategie

Strategie-Optionen bleiben Verstappen aufgrund der erzwungenen 2-Stopp-Strategie nicht viele. Beobachter Russell äußerte aber nach dem Qualifying eine Vermutung, wie er glaubt, dass Red Bull doch noch auf Sieg pokern könnte. "Möglicherweise werden wir jemanden sehen, der den Hard in der Mitte oder am Beginn aufzieht. Max wird möglicherweise etwas anderes tun [als die Standard-Strategie]", vermutet Russell.

Ein Start auf den Hards würde einen Traktions-Nachteil auf den ersten Metern mit sich bringen, aber das kann sich Verstappen leisten, glaubt Russell: "Wenn man bedenkt, dass er den Vorteil hat, auf der saubereren Seite des Grids zu starten, dann kann er es sich wahrscheinlich leisten, auf dem harten Reifen zu starten und er würde immer noch einen besseren Start erwischen als ich auf dem Medium."

Denn die logische Variante besteht laut dem Briten aus einem Start auf der mittleren Reifenmischung als Teil von Medium-Medium-Hard. "Um sich gegen den Undercut zu verteidigen", ist Russell überzeugt. Er geht davon aus, dass in dieser entscheidenden Phase der Saison das Weltmeister-Team kein Risiko eingeht. Umso eher könnte es im Interesse von Red Bull sein, auf eine Alternative umzuschwenken.

Logische Strategie? Pirelli ist anderer Meinung als George Russell

Ob es tatsächlich so kommt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Russell hätte wohl auch aus persönlichem Interesse wenig dagegen einzuwenden, wenn Red Bull mit der Strategie von Verstappen volles Risiko geht, nur Norris im Blick hat, und keinen Wert darauf legt, die Podestplatzierung abzudecken. Denn das würde natürlich die Podiumschancen des Mercedes-Fahrers steigern.

Ob der Undercut strategisch überhaupt eine Rolle spielt, ist allgemein fraglich. Denn gemessen an den Daten des bisherigen Wochenendes und der letzten Jahre verlieren die Reifen in Lusail kaum an Performance, sondern die Rundenzeiten legen sogar zu. Dies ist schließlich einer der Hauptgründe, warum überhaupt das Reifenlimit eingeführt wurde.

Pirelli stimmt in ihrer Strategie-Vorschau auf das Rennen nicht mit Russell überein. In den Kalkulationen des Reifenherstellers kommt Medium-Medium-Hard in dieser Reihenfolge nicht vor. Stattdessen gehen die Italiener davon aus, dass zwei Stints auf dem Medium und der letzte Rennabschnitt auf dem Soft die schnellste Variante sind. Die Trefferquote dieser Prognosen ist allerdings nicht immer die Beste, denn in die Pirelli-Simulationen können gewisse Faktoren wie der Verkehr und die Reaktion auf Strategien anderer Teams nur sehr begrenzt miteinbezogen werden.