Die Hoffnung auf den fünften Weltmeister-Titel von Max Verstappen lebt, aber ihr Puls schwindet am vorletzten Rennwochenende der F1-Saison von Tag zu Tag. In Katar holte der Red-Bull-Pilot im Qualifying das Maximum aus einem zickigen RB21 heraus, doch das reichte nicht, um McLaren gefährlich zu werden. Fast drei Zehntel fehlten auf die Pole-Zeit von Oscar Piastri. Muss der Niederländer jetzt schon auf Glück hoffen, um seine WM-Chance bis Abu Dhabi konservieren zu können?
In der Pressekonferenz nach seinem dritten Platz im Formel-1-Qualifying auf dem Lusail International Circuit gab sich Verstappen gewohnt pragmatisch. "Wenn ich [Norris] nicht überhole, dann holt er mehr Punkte als ich", fasste er seine Ausgangslage in einem Satz zusammen. Dann wäre die WM gelaufen. Nur wo kann man einen McLaren einkassieren?
Einzige Chance am Start? Verstappen warnt vor McLaren-Longrun
Verstappen scheint bei der Beantwortung dieser Frage selbst etwas ratlos. "Wir werden alles versuchen, das wir können. Start, Kurve 1, all die anderen Runden", zählte der zweifache Katar-Sieger auf. Der Start wäre die logischste Variante, denn später auf dem Longrun sieht er sich in keiner guten Ausgangsposition gegen die Papayas: "Das haben wir schon im Sprint gesehen. Ich habe es probiert, aber dann fällt man einfach in dieses Fenster, wo wir viele Probleme mit den Reifen gehabt haben."
Im Kurzrennen am Samstag versuchte Verstappen früh Druck auf Norris auszuüben, dieser geriet aber nie wirklich in Bedrängnis und nachdem diese Druckphase vorbei war, gingen dem Red Bull auch langsam die Reifen ein. Am Ende des 19-ründigen Rennens lag Verstappen 2,8 Sekunden hinter Norris zurück, der seinerseits von Mercedes-Fahrer George Russell eingebremst wurde. Oscar Piastri war mit neun Sekunden Vorsprung ohnehin schon enteilt.
Wie überlegen der McLaren tatsächlich ist, glaubt Verstappen an der Pace des Sprint-Siegers erkannt zu haben. "Die letzten Runden von Oscar…Ich muss eine Kurve abschneiden, um diese Zeiten fahren zu können", staunte der (noch) amtierende Champion. Das war im Falle von Verstappen natürlich noch mit dem alten Setup, denn die Bullen hatten bis zum Qualifying nochmal Hand an der Abstimmung angelegt.
Untersteuer-Teufel noch nicht weg. Verstappen: Nur "ein kleines bisschen besser"
Perfekt läuft sein Auto trotzdem immer noch nicht. "Wir versuchten die Probleme von gestern ein bisschen auszugleichen, und es hat sich ein kleines bisschen besser angefühlt. Aber sie sind immer noch da", attestiert Verstappen seinem Team einen Teilerfolg. Gemeint ist damit in erster Linie das Untersteuern - ein bereits länger wiederkehrendes Problem des Bullen-Boliden.
Wenn das potenzielle Longrun-Defizit und die schlechtere Startposition noch nicht ausreichen, dann hätte Verstappen immer noch das Problem, das er einen Weg an Lando Norris vorbeifinden muss. Keine einfache Losung auf der überholfeindlichen Strecke auf der Golf-Halbinsel, auf der noch dazu ein Rundenlimit für die Reifen gilt, das die strategischen Möglichkeiten verringert.
Aber Aufgeben ist nicht in der Natur von Verstappen, er will das Rennen nicht schon vorzeitig abschreiben. In dem etwa 309 Kilometer andauernden Grand Prix könnten sich ja schließlich Chancen ergeben. "Wir haben diese Limitierungen [Untersteuern, d. Red], sowie allgemein in der Rennpace die Gefahr von überhitzenden Reifen. Das macht es ein bisschen schwieriger, aber morgen kann alles passieren", so Verstappen. "Man weiß ja nie, es kann auch von anderen Autos im Rennen beeinflusst werden, die dein eigenes Rennen zerstören. Es ist unmöglich bereits jetzt zu sagen, was passieren wird." Das klingt alles nach keinem Plan, sondern schon nur mehr nach dem Prinzip Hoffnung.
Etwas mehr Zuversicht versprühte Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko gegenüber Sky Deutschland: "Wir waren das ganze Wochenende eine halbe Sekunde zurück. Jetzt sind es zwei Zehntel. Und wenn man dann berücksichtigt, dass wir mit den härteren Mischungen besser zurecht gekommen sind, dann können wir daraus Hoffnung schöpfen."



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