Er ist der Weltmeister von 1997, er hat in Amerika das legendäre Indy 500 und die Champ Car-Meisterschaft gewonnen - doch hier und heute, im Jahr 2006, wird ihm nichts geschenkt. Dass Jacques Villeneuve heute in Valencia überhaupt als Fahrer des neuen BMW Sauber-Boliden auftreten durfte, liegt sicher nicht ausschließlich daran, dass man im Aufbaujahr einen erfahrenen Mann im Auto haben wollte. Lange hat man überlegt, den Kanadier mit einem Patzen an Geld in die Pension zu schicken. Letztlich dürfte es die Vorstandsetage wenig erfreut haben, Millionen dafür auszugeben, einen Ex-Weltmeister los zu werden.

Und so steht Jacques Villeneuve vor seinem Schicksalsjahr. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hat im Rahmen der Team-Präsentation bereits angedeutet, was man von JV erwartet: Dass er gegenüber Stammfahrer Nick Heidfeld zumindest gleichwertige Ergebnisse einfährt. Schafft er das nicht, muss er gehen - seine elf Grand Prix-Siege helfen ihm dabei überhaupt nicht, es zählt nur noch die Leistung.

Jacques Villeneuve muss gegen Nick Heidfeld bestehen., Foto: BMW
Jacques Villeneuve muss gegen Nick Heidfeld bestehen., Foto: BMW

Juan Pablo Montoya verbindet einiges mit Villeneuve. Auch JPM war in Übersee höchst erfolgreich, galt als der Superstar der Zukunft. Und auch er fährt in diesem Jahr auf Engagement. Bei McLaren-Mercedes muss er sich gegenüber Kimi Räikkönen beweisen - denn dort wird ab 2007 der regierende Weltmeister Fernando Alonso ins Lenkrad greifen. Selbst ein Kimi Räikkönen muss im vorliegenden Jahr Farbe bekennen - auch wenn er, wie viele vermuten, längst ein anderes Team im Auge haben sollte, darf er keinesfalls im Schatten seines Teamkollegen stehen. Montoya und Räikkönen steigen nur dann unbeschädigt aus dieser Saison aus, wenn sie einander ebenbürtig sind.

Und daran glaubt auch Juan Pablo Montoya - der Kolumbianer erklärte gegenüber SportAutoMoto: "Ehrlich gesagt glaube ich, dass Kimi und ich gleich schnell sind und dass wir einander dabei abwechseln, die Oberhand über den anderen zu haben - abhängig von der jeweiligen Charakteristik unserer Autos. Wenn Kimi sein Auto besser abstimmt, ist er schneller als ich. Wenn ich mein Auto besser abstimme, bin ich schneller als er. So einfach ist das."

Am Ende jedoch zählen oftmals nur die Resultate. Doch für Montoya zählt das letzte Jahr noch nicht: "Man darf sich nicht verrückt machen lassen - in dieser Rennserie ist jeder der Top-Piloten in der Lage, ein Rennen oder die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Und wenn der Teamkollege mit dem Auto mehr vertraut ist und er das Team besser kennt, macht das einen großen Unterschied." In der kommenden Saison kämpfen Montoya und Kimi mit "gleichen Waffen", Montoya hat sich im Team eingelebt, konnte in der zweiten Saisonhälfte wesentlich bessere Resultate einfahren. Deshalb sagt er auch: "Kimi ist ein harter Rivale - aber es ist nicht unmöglich, ihn zu bezwingen. Ich habe das im letzten Drittel der Saison bewiesen."