Zwei Fahrer, die sich auf der Strecke in die Kiste fahren, ist in der Formel 1 nichts Aufregendes. Alles andere als alltäglich ist es, dass ein Fahrer den anderen in der Boxengasse während eines Freien Trainings rammt. So geschehen in der zweiten Freitagssession auf dem Marina Bay Street Circuit in Singapur. Zuerst erfassten die TV-Kameras nur Lando Norris, der in der Boxengasse mit einem gebrochenen Frontflügel stand.
Doch was war passiert? Die Session war nach dem Unfall von Liam Lawson kurzzeitig unterbrochen gewesen und sollte in wenigen Minuten wieder beginnen. McLaren schickte beide Fahrer los – zuerst Norris, dahinter Oscar Piastri. Als Norris auf Höhe der Ferrari-Box fuhr, bekam Charles Leclerc das Go, um aus der Box zu fahren. Der Monegasse tat, wie ihm gesagt wurde und fuhr – ohne nach rechts zu schauen – raus und direkt in den MCL39 von Norris. "Ich wurde abgeschossen. Er ist geradeaus in mich hineingefahren", funkte Lando Norris, nachdem er vom Ferrari frontal gegen die Boxenmauer geschoben wurde.

Die Crew schob Norris zurück an seine Box und wechselte den Frontflügel. Auch nach der Session spielte er den Vorfall herunter. "Er [der Unfall; Anm. der Red.] hat dem Team ein bisschen Geld gekostet, was schade ist. Aber zum Glück wurde die Aufhängung nicht beschädigt" resümierte Norris. Leclerc und ein Ferrari-Teamvertreter mussten nach der Session wegen des "Unsafe Release"-Vorfalls bei den Stewards antanzen. Das Ergebnis: Ferrari bekam wegen Verstoß gegen Artikel 34.14 a) des FIA-Formel-1-Sportreglements eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verhängt.
Nicht nur der Crash mit Leclerc sorgte für Frust bei Lando Norris in Singapur. Mehr dazu hier:
In der Begründung der FIA hieß es: "Das verantwortliche Teammitglied, das für ein sicheres Freigeben von Wagen 16 zuständig war, beurteilte die Situation falsch und gab unklare Anweisungen an Leclerc, der das Fahrzeug von Norris nicht sehen konnte. Infolgedessen kollidierten beide Autos in der Überholspur. Unter Berücksichtigung vergleichbarer Fälle sehen die Rennkommissare in diesem Verstoß eine schwerwiegendere Regelverletzung, die eine härtere Strafe rechtfertigt als bisher üblich."
Auch Leclerc nahm nach der Session gegenüber den Medienvertretern Stellung zu dem Vorfall. Er stellte klar, dass mehrere Faktoren zusammengespielt hatten. "Die Kamera war direkt auf mein Gesicht gerichtet, daher war kein Double-Check mit meinem Mechaniker möglich. Zudem gab es eine kleine Konfusion als beide McLaren gleichzeitig rausfuhren. In der Hektik des Moments, denn jeder wollte nach dem Re-Starts schnellstmöglich auf die Strecke und seine Runden drehen, kann so eine Fehleinschätzung vorkommen", meinte Leclerc.
Abgesehen von der Kollision im Freitagstraining beherrscht der aktuelle Titelkampf zwischen den McLaren-Piloten die Schlagzeilen. Im großen MSM-Talk diskutieren Christian Menath, Florian Niedermair und Markus Steinrisser die spannendsten Fragen rund um den Formel-1-WM-Kampf 2025.



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