Nach den Plätzen eins und zwei im FP2 sah die Baku-Welt für Ferrari rosig aus. Umso härter muss sich der Fall am Sonntag angefühlt haben, als Ferrari den Aserbaidschan-Grand-Prix mit mageren sechs Punkten beendete und in der Teamwertung hinter Mercedes auf Rang drei zurückfiel. Nicht nur Formel 1-Experte Christian Danner stellte sich nach dem Wochenende die Frage: Was zum Teufel hat Ferrari gemacht?
Seine Vermutung: Ferrari hat in Baku auf Aston Martin gemacht und war im Freien Training mit viel Leistung, aber wenig Sprit unterwegs. "Das haben wir in der Vergangenheit bei Aston Martin schon oft gesehen. Am Freitag dachte man sich: Boah, der Aston Martin geht gut. Doch der Zauber war schnell vorbei, und ähnlich hat es bei Ferrari in Baku ausgesehen. Das wäre die plausibelste Erklärung", sagte Danner.
Lewis Hamilton und Charles Leclerc schoben das Problem auf den SF-25, der sich am Samstag und Sonntag nicht mehr so anfühlte wie noch am Freitag im FP2. "Ich hatte viele Probleme mit dem Auto und damit, das Gefühl im Auto zu finden. Deshalb wusste ich vor dem Qualifying, dass ich mit dem Rücken zur Wand stehe und habe ziemlich viele Veränderungen vorgenommen", erzählte Leclerc nach dem Qualifying, das für ihn in der Mauer endete.
"Dass er da in die Mauer gesegelt ist, ist ja fast schon Slapstick", lautete Danners Reaktion auf Leclercs Crash in Kurve 15. Eine Rolle für das veränderte Fahrverhalten des SF-25 könnten die Temperaturunterschiede gespielt haben. Im zweiten Freien Training betrug die Asphalttemperatur 32,2 °C, im Qualifying nur mehr 27 °C. Auch der Wind ist in Baku ein nicht minder wichtiger Faktor, trotzdem beharrte Danner darauf: "Bei Ferrari war das eine Mischung aus selbstgemachten Problemen und im Fall von Leclerc ein klassischer Fahrfehler."
Am Ende beherrschte aber nicht die enttäuschende Ferrari-Performance die Schlagzeilen, sondern Hamiltons verschlafene Teamorder. Im letzten Stint des Rennens hatte Leclerc Hamilton passieren lassen, weil der auf frischeren Reifen unterwegs war und somit bessere Chancen hatte, nach vorne gegen Lando Norris und Yuki Tsunoda etwas auszurichten. Weil Hamilton das nicht gelang, wurde er aus Kurve 16 aufgefordert, seinen Teamkollegen wieder vorbeizulassen. Wie unsere Grafik zeigt, hat Hamilton zwar gebremst, aber zu spät und nicht stark genug – mit dem Ergebnis, dass er vier Zehntelsekunden vor Leclerc über die Ziellinie fuhr.
Seine Erklärung, er sei zu fokussiert auf den 2,1 Sekunden vor ihm fahrenden Norris gewesen, kauft Christian Danner Hamilton nicht ab. "Ich glaube ihm kein Wort. Ein Lewis Hamilton weiß ganz genau, was er macht, und der lässt sich von einem vor ihm fahrenden Gegner nicht aus der Ruhe bringen", ist Danner überzeugt.
Mit seiner Aktion hat sich Hamilton ein Eigentor geschossen. "Er verspielt da Kredit, der in seinem Fall eh schon schwierig aufrechtzuerhalten ist. Hamilton fährt nicht nur langsam, sondern hält sich auch nicht an das, was die Scuderia ihm sagt. Das ist grundsätzlich schon ein Thema, das auch die italienische Öffentlichkeit wieder aufgreifen wird", meinte Danner.



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