Selbst eine schlimme Erkältung konnte George Russell beim Formel 1 Grand Prix von Aserbaidschan in Baku nicht stoppen. Sogar für Teamchef Toto Wolff war bis Freitagmorgen nicht klar, ob sein Starfahrer an diesem Wochenende in Baku im Silberpfeil würde sitzen können – oder ob Ersatzfahrer Valtteri Bottas sein kurzfristiges F1-Comeback geben müsste. Der erkrankte Russell gab die Antwort selbst: er fuhr am Freitag, am Samstag und am Sonntag – und das sogar bis auf Platz zwei. Das Maximum für Mercedes, zumindest von Startplatz fünf.

Denn mit einem Puffer in Person von Carlos Sainz, Liam Lawson und zunächst Andrea Kimi Antonelli zwischen sich und Russell fuhr Max Verstappen in einer eigenen Liga. Russells Teamkollege Kimi Antonelli überkam beim letzten Europa-Rennen sein Formtief endgültig und sicherte sich den vierten Platz – knapp hinter dem letzten Podestplatz. Ein erfolgreiches Wochenende für das Team aus Brackley, obwohl die Nerven zwischenzeitlich teamintern etwas strapaziert wurden.

F1-Drama bei Mercedes in Aserbaidschan: So reagiert Toto Wolff?

Direkt beim Restart nach dem Safety-Car kam es zum direkten Duell zwischen Russell und Antonelli. Der Italiener wollte Position vier gegen seinen Teamkollegen verteidigen, Russell versuchte außen ihn zu überholen. Am Ende musste Russell zurückstecken, um einer Kollision zu entgehen. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht die Situation aber entspannt.

"Kimi hat seine Position verteidigt, aber er hat George genug Platz gelassen. George musste einfach zurückstecken", so Wolff, der mit der Leistung seiner beiden Piloten heute sehr zufrieden war. Vor allem Russell rechnet er den zweiten Platz hoch an, weil noch am Freitag gar nicht sicher war, ob dieser am Grand Prix würde teilnehmen können.

"Am Freitag waren wir kurz davor, Valtteri [Bottas] ins Auto zu setzen, weil George nicht sicher war, ob er fahren kann mit seiner Erkältung. Über Nacht hat er sich aber ein wenig erholt und heute hat er so abgeliefert. Nicht ein Fehler seinerseits. Das war eine sehr starke Leistung", lobte Wolff seinen Piloten.

Der Mercedes-Bolide funktionierte im Grand Prix von Aserbaidschan sowohl auf der harten als auch auf der mittleren Reifenmischung sehr gut - bei Russell noch ein Stück besser als bei Antonelli. Dies führte zur zweiten kleinen Team-Diskrepanz während dem Rennen in Baku.

Antonelli kam aufgrund seines Reifennachteils nicht an Racing Bulls-Pilot Liam Lawson vorbei. Russell bestand auf einen internen Positionswechsel, wie ihn später im Rennen auch Ferrari durchführte, um den Kiwi-Piloten abzufangen. Die Situation wurde elegant durch einen Boxenstopp für Antonelli gelöst. Das zweite potenzielle Drama für Mercedes wurde damit beseitigt, wenn auch erst mit ein paar Runden Verspätung.

George Russell und Kimi Antonelli: In Baku zurück zur alten Form

"Die Taktik war heute, sich aus Gefahrensituationen rauszuhalten. Carlos und Liam haben dieses Wochenende abgeliefert. Alle Teams, gegen die wir normalerweise kämpfen, haben im Qualifying schlechter abgeschnitten oder Fehler gemacht und somit haben heute wir das gute Ergebnis eingefahren. Alles in allem bin ich sehr froh darüber, jetzt auf dem zweiten Platz zu sein", so der immer noch angeschlagene Russell, der sich sein siebtes Karrierepodium holte.

Antonelli kämpfte bis zum Schluss um einen Podestplatz, für den seine Leistung am Ende aber nicht ausreichte. Zwei Sekunden fehlten dem Italiener auf den dritten Platz von Carlos Sainz. "Es ist ein wenig enttäuschend. Das Podium war so nah und der letzte Stint mit den harten Reifen hat sich sehr gut angefühlt. Ich war fast im DRS-Bereich von Carlos, aber leider hatte ich mit 'Dirty Air' zu kämpfen", resümierte der Rookie.

Trotzdem kann Antonelli positiv aus dem Wochenende gehen: sein Europatief konnte er mit dem vierten Platz überwinden. "Jetzt heißt es, diese Dynamik mit nach Singapur zu nehmen. Das Wichtigste ist, konstant zu bleiben", so Antonelli.

Mit dem zweiten und vierten Platz holte Mercedes in Baku insgesamt 30 Punkte und löste Ferrari auf Rang 2 in der Konstrukteurswertung ab. Allerdings bleibt es spannend: Nur vier Punkte trennen die beiden Teams. Der Abstand nach vorne: immer noch sehr groß. McLaren liegt trotz schlechtem Baku-Wochenende massive 333 Punkte vor Mercedes, die damit zumindest die vorzeitige WM-Krönung von McLaren aufschieben konnten. In Singapur hat das Team aus Woking ein nächstes Mal die Chance, die Konstrukteurswertung für sich zu entscheiden.

Auch bei Ferrari gab es im Grand Prix von Aserbaidschan einige teaminterne Diskrepanzen: