177 - so viele Punkte fehlen Yuki Tsunoda zur Sommerpause auf Max Verstappen. Mit nur 10 WM-Punkten belegt er nach 14 Formel-1-Rennen den 18. Platz in der Fahrerwertung, meilenweit hinter dem Drittplatzierten Verstappen mit 187 Zählern. Kein anderer Fahrer im Feld ist so weit abgeschlagen wie der erst in Japan aufgestiegene Red-Bull-Pilot. Tsunoda muss dringend Punkte sammeln, um sich nicht in einer unbeliebten Statistik zu verewigen. Ein Blick auf die größten Lücken zwischen Teamkollegen.
Red Bull: Das verfluchte zweite Cockpit
Vielleicht befindet sich Tsunoda am falschen Ort, denn das Team aus Milton Keynes ist der unangefochtene Spitzenreiter der Lücken-Statistik - bezogen auf absolute Punkte. Die vier größten Abstände zwischen Teamkollegen sind alle aus dem Hause Red Bull, dreimal davon heißt der zweite Fahrer Max Verstappen. Der amtierende Weltmeister hält den Rekord für die größte Punktedifferenz zum Teamkollegen, am Ende der Rekordsaison 2023 trennten ihn und Sergio Perez ganze 290 Zähler.
2024 erlebte Perez ein Performance-Tief und hinkte 285 Punkte hinter seinem Teamkollegen zurück. 2021 krallte sich Verstappen nicht nur seinen ersten WM-Titel, sondern drückte Perez auch 205,5 Zähler Vorsprung auf. Aber nicht nur Max Verstappen weiß, wie man seinen Teamkollegen haushoch übertrifft. Sebastian Vettel holte 2013 so viele Punkte, dass er auch ohne Mark Webbers Zutun die Konstrukteurstrophäe für Red Bull gewonnen hätte.
Der fünfte Platz in dieser Wertung geht an Lewis Hamilton und Valtteri Bottas - vorerst. Nach aktuellem Stand wird Tsunoda die beiden von ihrem Platz verdrängen. In seiner zweiten Mercedes-Saison konnte Bottas nicht mit seinem Teamkollegen mithalten. 2018 krönte sich Hamilton zum fünffachen F1-Champion, während Bottas mit 161 Punkten Rückstand auf dem fünften Platz landete.
Die fünf größten Teamkollegen-Abstände (absolute Punkte)
| Teamkollegen | Team | Jahr | Punktedifferenz | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| Max Verstappen Sergio Perez | Red Bull | 2023 | 290 | 575 285 |
| Max Verstappen Sergio Perez | Red Bull | 2024 | 285 | 437 152 |
| Max Verstappen Sergio Perez | Red Bull | 2021 | 205,5 | 395,5 190 |
| Sebastian Vettel Mark Webber | Red Bull | 2013 | 198 | 397 199 |
| Lewis Hamilton Valtteri Bottas | Mercedes | 2018 | 161 | 408 247 |
Für diese Statistik wurden die Saisons, in denen unterschiedliche Piloten im zweiten Cockpit eingesetzt wurden (zum Beispiel Red Bull 2019), ausgenommen. Es wurden nur Teamkollegen einbezogen, die den Großteil der Saison zusammen fuhren.
Abstand in Prozent: So weit sind Teamkollegen wirklich auseinander
Aufgrund der unterschiedlichen Punktesysteme ist es nicht ganz repräsentativ, nur die absolute Differenz zum Teamkollegen zu betrachten. Ein Blick auf die prozentualen Rückstände zeigt, dass es in der Vergangenheit viel schlimmere Fälle als Perez 2023 gegeben hat. Denn obwohl er mit 285 Zählern deutlich zurücklag, erreichte er knapp 50 Prozent von Verstappens Punkten.

Das kann Héctor Rebaque nicht behaupten. Er sprang nach der ersten Saisonhälfte 1980 als Ersatz für Ricardo Zunino als Teamkollege von Nelson Piquet ein. Mit nur einem Zähler klassifizierte sich der Brabham-Fahrer gerade noch für die WM-Wertung. Repräsentativ wurde seine Leistung erst 1981, besser wurde es aber nicht: Während sich Piquet das erste Mal zum Weltmeister krönte, sammelte Rebaque nur 11 Punkte.
Piquet holte sich seinen zweiten Titel im Jahr 1983, diesmal mit Riccardo Patrese an seiner Seite. Der WM-Kampf war aber kein Teamduell, denn Patrese schaffte es mit 13 Punkten nur auf den neunten Platz. Weder Rebaque noch Patrese erreichten ein Viertel von Piquets Punkten.
Lotus-Teamkollegen sind Lücken-Spitzenreiter
So wie Red Bull die absolute Lücken-Statistik anführt, ist Lotus Spitzenreiter bei den prozentualen Rückständen. Vier der fünf größten Abstände sind von Fahrern des britischen Teams. Nur Alain Prosts erste Weltmeister-Saison 1985, in der er Niki Lauda in den Ruhestand beförderte, stört die Lotus-Dominanz.
Jim Clark wurde zweimal Weltmeister und überschattete seinen jeweiligen Teamkollegen in beiden Saisons. Mike Spence musste 1965 mit 44 Punkten Rückstand ein Defizit von 82 Prozent einbüßen, Trevor Taylor konnte 1963 mit einem Punkt sogar nur zwei Prozent von Clarks 54 Punkten erreichen.
Etwas besser schnitt John Miles ab. Er war 1970 Teamkollege von Jochen Rindt, als dieser F1-Champion wurde. Dabei platzierte sich Miles anfangs mit einem Punkteergebnis sogar vor Rindt, der die ersten zwei Grands Prix nicht beendete. Für Miles blieb es aber bei zwei Punkten, während Rindt nach fünf Siegen posthum Weltmeister wurde.
Rekordhalter in dieser Statistik ist Emerson Fittipaldi. Er konnte 1972 alles aus seinem revolutionären Lotus 72D holen und wurde mit 61 Punkten Weltmeister. Sein Teamkollege David Walker erlebte hingegen eine frustrierende Saison. Nur einmal schaffte er es unter die Top-10. Beim Spanien GP ging seinem Boliden drei Runden vor Schluss der Tank aus, er wurde aber als Neunter gewertet. Er ist der einzige Formel-1-Fahrer, der eine Saison ohne Punkte beendete, während sein Teamkollege die Weltmeisterschaft gewann.

Die zehn größten Teamkollegen-Abstände (Prozent)
| Teamkollegen | Team | Jahr | Punkterückstand in % | Punkte |
|---|---|---|---|---|
| Emerson Fittipaldi David Walker | Lotus | 1972 | 100 Prozent | 61 0 |
| Jim Clark Trevor Taylor | Lotus | 1963 | 98 Prozent | 54 1 |
| Jochen Rindt John Miles | Lotus | 1970 | 96 Prozent | 45 2 |
| Jim Clark Mike Spence | Lotus | 1965 | 82 Prozent | 54 10 |
| Alain Prost Niki Lauda | McLaren | 1985 | 81 Prozent | 73 14 |
| Nelson Piquet Héctor Rebaque | Brabham | 1981 | 78 Prozent | 50 11 |
| Nelson Piquet Riccardo Patrese | Brabham | 1983 | 78 Prozent | 59 13 |
| Keke Rosberg Derek Daly | Williams | 1982 | 78 Prozent | 36* 8 |
| Graham Hill Richie Ginther | BRM | 1962 | 76 Prozent | 42 10 |
| Juan Manuel Fangio Eugenio Castellotti | Ferrari | 1956 | 75 Prozent | 30 7,5 |
Für diese Statistik wurden die Saisons, in denen unterschiedliche Piloten im zweiten Cockpit eingesetzt wurden (zum Beispiel Benetton 1994), ausgenommen. Es wurden nur Teamkollegen einbezogen, die den Großteil der Saison zusammen fuhren.
*Weil Daly erst mit dem fünften Saisonrennen bei Williams eingesetzt wurde, wurden Rosbergs Punkte aus den ersten vier Rennen (8) von seinen Gesamtpunkten (44) abgezogen.



diese Formel 1 Nachricht