Es war die Sensation des Formel-1-Freitags in Österreich. Lance Stroll beendete das zweite Freie Training auf dem Red Bull Ring auf dem vierten Platz - vor Mercedes, Ferrari und seinem Teamkollegen Fernando Alonso. Nur die zwei McLaren-Piloten und Max Verstappen waren schneller als der Kanadier. Dabei lieferte Aston Martin im vergangenen Jahr keine gute Performance in Spielberg ab.
Im FP1 war noch alles wie gewohnt. Stroll fuhr eine unspektakuläre Session und platzierte sich vor dem zweiten Aston Martin auf P13. Das Wunder kam am späteren Nachmittag, zur Mitte des zweiten Trainings. Wie aus dem Nichts legte Stroll eine starke Runde auf den Asphalt hin und schob sich mit einer Zeit von 1:05.022 Minuten auf den dritten Platz. Damit war er schneller als Top-Fahrer wie George Russell, Lewis Hamilton und Kimi Antonelli. Ihm fehlten viereinhalb Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Lando Norris.
An den meisten anderen Tagen in der Formel 1 wäre eine knappe halbe Sekunde Abstand zum Erstplatzierten eine kleine Ewigkeit, doch auf dem Red Bull Ring konnte am Freitag niemand an die Zeit der McLaren-Fahrer herankommen. Und wundersamerweise auch nicht an die Zeit von Lance Stroll. Charles Leclerc biss sich an Strolls Zeit die Zähne aus und reihte sich im Klassement hinter dem AMR25 mit der Nummer 18 ein.
Nur Max Verstappen konnte den Kanadier übertrumpfen und versetzte Stroll auf den vierten Platz. Es ist sein bestes Trainings-Ergebnis seit Silverstone 2024, als er im FP1 die zweitbeste Zeit aufstellte. Im damaligen Qualifying holte er sich die achte Startposition, rechnet er auch morgen mit so einem Erfolg?
"Das Auto fühlt sich gut an. Aber an Freitagen weißt du nie, was alle Teams mit ihrer Abstimmung machen. Wir werden sehen, wie es morgen läuft", zeigte sich der 26-Jährige wenig euphorisch. Tatsächlich drehen einige Teams bei den Trainingssessions die Motorleistung nach unten, um nicht schon vor dem Qualifying ihre volle Pace zu zeigen.
Fernando Alonso fährt in Österreich "schlechteste Outlap überhaupt"
Auf der anderen Seite der Aston-Martin-Garage gab es keinen Moment der Sensation, sondern einen Moment des Schreckens. Im ersten Freien Training konnte Fernando Alonso nur knapp einen Zusammenstoß mit dem Reifenstapel in Kurve 10 vermeiden.
In seiner Aufwärmrunde fuhr er anscheinend so langsam, dass seine Soft-Reifen keine Temperatur aufbauen konnten. Als er aus der letzten Kurve herausbeschleunigen wollte, fand er keinen Grip, verlor das Heck seines Aston-Martin-Boliden und drehte sich über den Auslaufbereich und in die Wiese neben dem Red Bull Ring. "Das war die schlechteste Outlap überhaupt. Gut, dass es im ersten Training war", funkte er an sein Team, nachdem er sich selbst aus der Auslaufzone befreien und weiterfahren konnte.
In der zweiten Session konnte der Routinier nicht mit der Zeit von Stroll mithalten. Alonso holte mit vier Zehntelsekunden Rückstand auf den zweiten Aston Martin den neunten Platz. "Das Auto hat sich nicht großartig angefühlt. Es war nicht im richtigen Fenster, schwierig zu fahren. Es gab keine Balance zwischen schnellen und langsamen Kurven", widersprach der Spanier seinem Teamkollegen.
Die auseinandergehenden Gefühle von Stroll und Alonso könnten sich mit unterschiedlichen Downforce-Werten erklären lassen. Der Spanier war wohl mit weniger Abtrieb an seinem Boliden unterwegs, weswegen er auf den Geraden Zeit gutmachen konnte. Diese verlor er aber deutlich in den Eingängen der Kurven 1, 3 und 4, wie die Grafik zeigt. Hier musste er viel früher bremsen und war damit am Scheitelpunkt langsamer.
"Wir haben heute Nacht noch einiges zu tun. Hoffentlich sind unsere Rundenzeiten morgen so konkurrenzfähig wie heute", spielte Alonso auf die Leistung seines Teamkollegen an. Seine Chancen stehen gut: Die Qualifying-Performance des AMR25 hat sich seit dem Update-Paket in Imola stark verbessert. Der Spanier konnte seit dem Großen Preis der Emilia-Romagna immer in das dritte Qualifying-Segment aufsteigen.
Doch das Mittelfeld ist in der diesjährigen Formel-1-Saison zeitenmäßig nahe beieinander. Oft entscheiden nur wenige Zehntelsekunden zwischen einem Top-5-Ergebnis und einem Ausfall in Q1. Deshalb weiß Alonso, worauf es bei seinem 414. Grand Prix ankommt: "Wir müssen unsere Leistung im Qualifying maximieren und gleichzeitig eine gute Rennpace haben." Die vielen Überholmöglichkeiten auf dem Red Bull Ring bereiten dem Routinier Sorgen, er war bisher unzufrieden mit der Sonntagsleistung des AMR25. Doch wie Lance Stroll zu sagen pflegt: Schauen wir einmal.
Was steckt wirklich hinter Lance Strolls Leistungskurve? Unsere Redakteure Florian und Markus diskutieren über den Aston-Martin-Fahrer und stellen die Frage: Wie lange bleibt er noch in der Formel 1?



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