Charles Leclerc spielte im 1. Freien Training der Formel 1 in Monaco fast den Alleinunterhalter. Der Lokalmatador und Vorjahressieger sorgte erst für Karbonschrott (mehr im Abschnitt Zwischenfälle) und später für die Bestzeit. 1:11,964 Minuten benötigte der Ferrari-Pilot für die 3,337 Kilometer durch das Fürstentum. Dabei beschwerte er sich permanent über große Balance-Probleme.

Schon das 1. Training war von Taktik geprägt. Weil es 2025 beim Monaco GP erstmals zwei Reifenwechsel geben wird, müssen sich die Teams drei Sätze Rennreifen aufheben. Entsprechend sah man unterschiedliche Herangehensweisen. Während Ferrari, McLaren und Mercedes Medium und Soft nutzten, zog Red Bull Hard und Soft auf.

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Das Ergebnis: 0,163 Sekunden war Charles Leclerc auf den Soft-Reifen schneller als Weltmeister Max Verstappen im Red Bull. Mit gut drei Zehntelsekunden Rückstand sortierte sich Lando Norris im McLaren auf Rang drei ein. Ganz repräsentativ ist die Leclerc-Bestzeit nicht. Denn im Gegensatz zu McLaren nutzte Ferrari die Soft-Reifen im zweiten Teil der Session, als die Strecke besser war und die Fahrer bereits eingeschossen waren.

Auf Rang vier landete Alexander Albon im einmal mehr starken Williams. Dahinter belegte Oscar Piastri im zweiten McLaren Platz fünf vor George Russell im Mercedes. Carlos Sainz wurde im Williams Siebter, Pierre Gasly im Alpine Achter. Lewis Hamilton und Fernando Alonso komplettierten die Top-10. Kimi Antonelli landete im zweiten Mercedes auf Rang elf direkt vor dem starken Nico Hülkenberg.

Die Zwischenfälle: Für Charles Leclerc begann der Heim-GP denkbar schlecht. Schon nach zwei Minuten fand er sich in der Auslaufzone von Mirabeau wieder. Nach einem leichten Verbremser fuhr er klassisch geradeaus, um einen Einschlag zu verhindern.

Fünf Minuten später konnte Leclerc die Kaltverformung nicht mehr verhindern: Bei der Zufahrt auf die Fairmont-Haarnadel fuhr er Lance Stroll ins Heck. Leclerc befand sich auf einer schnellen Runde, während Stroll für andere Fahrer Platz machte und schließlich zurück auf die Idealline fuhr, um für die engste Kurve im F1-Kalender auszuholen. Dabei fuhr er Leclerc direkt vors Auto, der Ferrari-Pilot konnte den Auffahrunfall nicht mehr verhindern.

Leclerc beschädigte sich dabei den Frontflügel, konnte aber zurück an die Box schleichen. Auch Stroll kam aus eigener Kraft zurück, konnte das Training anschließend aber nicht mehr aufnehmen. Die Mechaniker hatten eine Beschädigung an der Hinterachse entdeckt. Weil in der Haarnadel einige Trümmerteile lagen, musste die Session für wenige Minuten unterbrochen werden. Die Stewards untersuchen den Fall nach dem Training.

Ferrari-Teamkollege Lewis Hamilton sorgte ebenfalls für eine spektakuläre Einlage. Wenige Minuten vor dem Ende der Session schrammte er nur knapp an einem heftigen Unfall vorbei. Im zweiten Teil der Schwimmbad-Schikane lief Hamilton auf Kimi Antonelli auf. Bevor er auf seinen Mercedes-Nachfolger traf, touchierte Hamilton aber die Leitplanke an der Innenseite. Die Spurstange blieb davon überraschenderweise unbeeindruckt, doch Hamilton fuhr geradeaus über den Sausage-Kerb und hob einzige Zentimeter ab. Wie durch ein Wunder schlug Hamilton am Ausgang nicht ein und konnte ohne sichtbaren Schaden weiterfahren.

Sonst gab es die üblichen Monaco-Kleinigkeiten: Carlos Sainz, Lando Norris und Gabriel Bortoleto sorgten für kurze Gelb-Phasen, weil sie in St. Devote die Auslaufzone aufsuchten, einige Piloten verpassten den Bremspunkt für die Hafenschikane und fuhren geradeaus, eine Handvoll Fahrer küsste die Leitplanken ohne Konsequenzen leicht, alle Piloten hatten mit dem Verkehr auf dem kürzesten Kurs der Formel 1 zu kämpfen.

Die Technik: So normal wie die meisten Zwischenfälle fielen auch die Updates an den Autos an. Alle Teams schraubten die größtmöglichen Flügel an ihre Boliden. Bei allen - mit Ausnahme von Mercedes - kommt der größte Flügel zum ersten Mal in diesem Jahr zum Einsatz. Auch an den Radaufhängungen mussten fast alle nachrüsten, um dem besonders engen Lenkeinschlag in der Haarnadel Tribut zu zollen.

Das Wetter: Nach leichtem Regen am Donnerstag zeigte sich das Wetter im Fürstentum gnädig. Bei leicht bewölktem Himmel stieg das Quecksilber auf 21 Grad Celsius, auf dem Asphalt wurden 37 Grad gemessen. Damit fanden die 20 Formel-1-Piloten repräsentative Bedingungen für das restliche Monaco-Wochenende vor.