Weihnachten ist die Zeit der Besinnung, der Ruhe und des Friedens. Während es höchstens in den Geschäften noch zu stressigen Last-Minute-Einkäufen kommt, ist die letzte Woche vor den Festtagen in der Formel 1 normalerweise nicht der Rede wert.

Mit dieser Gesinnung gingen nicht nur wir in die vorletzte Woche dieses Jahres. Aber gleich am ersten Tag wurden wir eines Besseren belehrt: Fernando Alonso und McLaren Mercedes ließen sprichwörtlich die Bombe platzen und gaben ihre Zusammenarbeit ab der Saison 2007 bekannt.

Für unseren motorsport-magazin.com-Kolumnisten Sven Heidfeld ein überraschender Schritt: "Damit konnte in der Woche vor Weihnachten niemand mehr rechnen." Wie üblich bekam Sven in diesem Punkt meine volle Zustimmung: "Nein, das kam aus dem Nichts. Aber für den Rest der Woche sollten wir die übliche Weihnachtsruhe erwarten können." "Richtig. Da wird nichts mehr passieren." "Außer es kommen noch ein paar Leute auf die Idee aus heiterem Himmel irgendwo Verträge zu unterschreiben." Manche Scherze sollte man sich vielleicht einfach sparen...

Norbert Haug sieht Gary Paffett jetzt bei der F1., Foto: Sutton
Norbert Haug sieht Gary Paffett jetzt bei der F1., Foto: Sutton

Zumindest am Dienstag schien unsere Vermutung aufzugehen: Der Tag blieb ruhig und nur einige wenige Ausläufer des Alonso-Wechsels erschütterten die F1-Welt.

Angesichts dieser trügerischen Weihnachtsruhe und mit der mit Sven geteilten Experteneinschätzung im Hinterkopf, erschien es nicht gerade als 'gefährlich' den vorletzten Mittwoch des Jahres 2005 den geschätzten Kollegen in der Redaktion zu überlassen und sich für einen Tag dem eigenen Patenkind statt fremden Pressemitteilungen zu widmen.

Die vier Monate jungen Äuglein staunten nicht schlecht, als zur Mittagszeit plötzlich das Mobiltelefon anfing wie ein Weihnachtsbaum zu blinken. Am anderen Ende fand sich die Presseabteilung von Mercedes-Benz wieder. Die unerwartete Nachricht: DTM-Champion Gary Paffett wechselt als Testfahrer zu McLaren Mercedes in die Formel 1.

Kaum war der zweite silberne Überraschungscoup dieser Woche mit den Kollegen in der Redaktion abgestimmt, galt die Aufmerksamkeit wieder dem vermeintlichen Weihnachtsfrieden. Aber falsch gedacht: Super Aguri F1 hat das schier Unmögliche möglich gemacht und alle 10 Teamchefs unter einen Hut gebracht.

Wenige Sekunden nachdem diese Pressemitteilung in unserer Redaktion eingegangen war, trifft die Meldung auch in Form eines abermals klingelnden und leuchtenden Mobiltelefons ein: Vorbehaltlich einer offiziellen Bestätigung durch die FIA, werden wir 2006 endlich wieder elf Teams sehen.

Trotz der einstimmigen Unterstützung durch die zehn aktuellen Teambosse darf man davon ausgehen, dass die Team Principals aber auch 2006 nicht als die berüchtigten elf Freunde agieren werden. Da nach zwei solchen Nachrichten an einem eigentlich als friedlich eingestuften Tag nicht mehr viel zu befürchten war, ging es beruhigt zum Uhrhebersport für die Redewendung von den elf Freunden.

Max Mosley setzt den Kampf gegen die Kosten fort., Foto: Sutton
Max Mosley setzt den Kampf gegen die Kosten fort., Foto: Sutton

In den kommenden 90 respektive letztlich sogar 120 Minuten stand nicht der Benzingeruch, sondern das runde Leder im Mittelpunkt. An einem kalten Mittwochabend leuchtete die Münchner Allianz Arena ebenso hellrot wie die Startampeln in Bahrain. Doch kaum waren die Eingangstore zum neuen Fußballtempel passiert, war es wieder da: Das Klingeln und Leuchten in den gleichen Farben, in denen auch die Arena unter dem Münchner Sternenhimmel funkelte.

Was war diesmal geschehen? Nur ein Name fiel: Max Mosley. Die FIA hatte ihre neuen Regeln ab der Saison 2008 verkündet und den lieben Kollegen drei Tage vor Heiligabend noch mehr Arbeit beschert.

Böse Zungen behaupteten sogar, dass dies so kurz vor Weihnachten durchaus mehr als nur ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk sein sollte. Vielmehr soll man beim Weltverband auf diese Weise versucht haben, dem Medienecho und den negativen Kommentaren seitens der im verdienten Weihnachtsurlaub befindlichen Teams zu entgehen.

Mit motorsport-magazin.com funktionieren solche faulen Spielchen natürlich nicht: Schließlich sind wir immer und überall für die arbeitenden Kollegen mobil erreichbar...

Aber wenn wir schon bei den werten Kollegen sind: Am Tag 1 nach dem Wahnsinns-Vorweihnachts-Mittwoch musste natürlich Kollege Heidfeld für eine Nachbesprechung herhalten: "Mit solchen Scherzen [wonach in der Vorweihnachtswoche nichts passieren dürfte] sollten wir uns ab sofort lieber zurückhalten." "Ja, da lagen wir nicht ganz richtig, aber jetzt passiert - hoffentlich - nichts mehr bis Weihnachten." So richtig traute Sven dem Weihnachtsbraten aber dann doch nicht, weswegen er noch schnell nachschob: "Andererseits: So wie das momentan abläuft kommt an Heiligabend vielleicht doch noch irgendetwas völlig wahnsinniges. Vielleicht unterschreibt Schumacher dann bei Red Bull."

Glücklicherweise war dem nicht so. Unter dem Weihnachtsbaum kam das einzige Leuchten von den Lichterketten und nicht vom stumm bereit liegenden Mobiltelefon...