Lewis Hamilton sprach nach seinem enttäuschenden abschneiden in Brasilien von einer Pause. Kurz darauf erscheint ein Buch über Mercedes, in dem Toto Wolff von einem 'Verfallsdatum' für Formel-1-Piloten schrieb. Braucht es noch mehr? Presse und Internet stürzten sich sofort darauf: Beendet Lewis Hamilton die Saison und seine Mercedes-Ära frühzeitig? Meint sogar Toto Wolff, dass Hamilton es sein lassen sollte? Diese unsinnigen Spekulationen wurden in Las Vegas von beiden beendet.

Wolff und Hamilton müssen Brasilien-Fallout zurechtrücken

"Lewis trägt, wie wir alle seit vielen Jahren wissen, sein Herz auf der Zunge. Ich denke, dass er an diesem Rennwochenende und insbesondere am Sonntag eine so schlechte Erfahrung gemacht hat, dass das in gewisser Weise nicht ungewöhnlich war", kommentierte Wolff Hamiltons Aussagen nach dem Brasilien-Debakel. Sein Fahrer wies ebenfalls darauf hin, dass diese Aussagen im Kontext der Enttäuschung fielen: "In dem Moment fühlte sich das letzte Rennen natürlich nicht gerade großartig an."

Aston Martin-Fahrer Lance Stroll
In Brasilien ging Lewis Hamilton baden, Foto: LAT Images

Welch wilde Spekulationen folgen würden, das konnte da noch keiner ahnen. Es kam noch mehr Feuer in die Sache. Allerdings nicht unbedingt durch Wolff selbst. Seine Aussage im Buch ' Inside Mercedes F1: Life in the Fast Lane' stellte der Österreicher noch einmal klar: "Ich habe es schon sehr oft gesagt, dass uns diese Arbeitswelt alle in Anspruch nimmt. Wir nehmen an mehr als 20 Rennen im Jahr teil. Wir fliegen herum. Und was ich gesagt habe, ist, dass jeder eine Haltbarkeitsdauer hat und man nicht von 'großartig' zu 'gut' zurückfallen will. Und das schließt die Fahrer nicht aus. Und das ist immer noch etwas, zu dem ich stehe. Ich stelle mir diese Frage die ganze Zeit. Und so tue ich es für die Organisation und für alle um mich herum."

Hamilton-Aussagen treffen Mercedes-Buch: Schon geht’s rund

Zu keinen Zeitpunkt nimmt diese Aussage aber direkt Bezug auf Hamilton, schon gar nicht auf die Brasilien-Leistung. Es handelt sich um eine allgemeine Feststellung der Härte der Berufswelt der Königklasse. Was er zum Rekordweltmeister zu sagen hatte, klang deutlich anders: "Ich habe eindeutig klargestellt, dass er der größte Fahrer aller Zeiten ist und dass er gewinnen kann, wenn wir ihm ein schnelles Auto geben. Dass er um die Meisterschaft kämpfen kann. Aber wir haben dabei versagt."

Dennoch war das Timing der Veröffentlichung des Buches ein gefundenes Fressen für Medien und Social Media. Das musste auch Wolff feststellen: "Der Satz wird an einem Wochenende öffentlich gemacht, wenn er mit seiner Fahrt und dem Auto nicht zufrieden war. Dann sieht es eins plus eins schlecht aus." Am Verhältnis mit Hamilton habe dies nichts geändert: "Eine Regel, die wir sehr früh in unserer Beziehung aufgestellt haben, ist, dass wir sofort reden und sagen: 'Warum hast du das gesagt?' oder 'Was hast du gemeint?', und das haben wir getan."

Hamilton schmettert Pausen-Spekulationen ab: Will das stark zu Ende bringen!

Hamilton selbst hatte den Trubel zunächst gar nicht mitbekommen. Für den Briten war die 'Buch-Affäre' eine Nichtigkeit: "Ich habe bis zu diesem Wochenende nicht gesehen, was da in den Nachrichten stand. Ich habe es nicht verfolgt. Ich denke er hat alles klargestellt. Toto war in all diesen Jahren eine massive Unterstützung. Das nehme ich nicht ernst."

Sehr ernst nimmt Hamilton dagegen die Spekulation, er könne sich bereits frühzeitig von Mercedes verabschieden und die letzten Saisonrennen vor seinem Wechsel zu Ferrari pausieren. "In der Hitze des Gefechts läge ich natürlich schon lieber am Strand und würde mich ausruhen. Ich muss das nicht machen, aber ich bin hier. Ich liebe diesen Job immer noch und bin hier, um alles für diese letzten Rennen zu geben. Ich will das stark beenden und das war immer der Plan", stellt der siebenfache Weltmeister unmissverständlich klar. Mit zwei Bestzeiten am Freitag in Las Vegas untermauerte er dies auch sportlich.

Trotz dieser Bestzeiten herrschte im Mercedes-Lager noch eine gewisse Zurückhaltung am Freitag in Las Vegas. Warum das so ist, erfahrt ihr hier: