S wie Startaufstellung
Die nächste enge Kiste im Qualifying bestätigte einmal mehr das 2024 in der Formel 1 dichte Kräfteverhältnis. Die Top-6 lagen am Samstag innerhalb von dreieinhalb Zehntelsekunden. Darüber hinaus stehen sechs Teams in der ersten Hälfte der Startaufstellung. Die zweite Pole seiner Karriere war für Lando Norris ein Befreiungsschlag. Erstmals seit dem Russland GP 2021 steht der Brite auf dem Platz an der Sonne. Neben ihm geht Weltmeister Max Verstappen aus Reihe eins ins Rennen. Dahinter bestätigte Mercedes den neuerlichen Aufwärtstrend mit Lewis Hamilton und George Russell in Reihe zwei. Ferrari steht mit Charles Leclerc und Carlos Sainz geschlossen auf den Plätzen fünf und sechs.
Im Verfolgerfeld gibt diesmal Alpine den Ton an. Pierre Gasly und Esteban Ocon brachten die Franzosen erstmals in diesem Jahr mit beiden Autos ins Q3. Dahinter folgt ein strauchelnder Oscar Piastri, gefolgt von Fernando Alonso und Red-Bull-Wackelkandidat Sergio Perez. Für Nico Hülkenberg dürfte es von Startplatz 13 aus schwer werden, in die Punkte zu gelangen. Noch schlechtere Aussichten haben die Racing Bulls und Williams, die geschlossen in den letzten beiden Reihen stehen.
S wie Start
Wer erinnert sich nicht an den Krieg der Sterne im Jahr 2016, als es zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg in Barcelona erstmals so richtig krachte. Die 613 Meter von der Pole Position bis zur ersten Kurve zählen zu den kritischsten im gesamten Formel-1-Kalender. Track Position ist auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya traditionell alles, und das Windschattenspiel nach dem Start ist die Gelegenheit, eine Position gutzumachen. Wer hier eine Chance nicht ergreift, könnte es für die restlichen 300 Kilometer des Grand Prix bereuen.
Lando Norris weiß um den Nachteil und ist dennoch fest entschlossen, seine Pole Position zu nutzen ."Das ist vielleicht einer der Orte, an dem du nicht auf Pole stehen willst. Aber das ist eine Möglichkeit für uns, um einen Rennsieg zu fahren", so der Brite. Verstappen glaubt derweil nicht, dass ihm die Lauerstellung auf den ersten Metern einen Vorteil verschafft: ""Du willst immer als Erster starten. Es ist einfacher, sich zu verteidigen. Und die Topspeeds sind hier ähnlich, es gibt in dem Moment kein DRS. Es hängt am Ende vor allem davon ab, wie gut du wegkommst."
S wie Strategie
Der hohe Reifenabbau in Barcelona wird am Sonntag wie üblich eine entscheidende Rolle spielen. Im Vorjahr gewann Verstappen mit einer Zweistopp-Strategie. Pirelli hat diesmal die Mischungen C3 (Soft), C2 (Medium) und C1 (Hard) für das Rennwochenende in Spanien ausgewählt. Die Italiener erwarten mindestens eine Zweistopp-Strategie und haben zwei Stints auf Soft und einen auf Medium als schnellste Variante berechnet. Sogar der Dreistopper soll eine Option sein. Beim ersten Stint wird die Spitze höchstwahrscheinlich geschlossen auf den weichen Compound setzen, um den Traktionsvorteil am Start zu nutzen.
Des Weiteren werden sich die gegenüber dem Freitag deutlich kühleren Temperaturen auf die Rennpace auswirken. Als die Teams in den ersten beiden Trainings ihre Longruns absolvierten, herrschte eine Asphalttemperatur von nahezu 50 Grad Celsius. Am Samstag fielen die Außentemperaturen und die Streckenoberfläche wurde nur noch mit rund 36 Grad Celsius gemessen. Am Sonntag soll es noch einmal kühler werden.
S wie Sonntagswetter
Nicht nur kühl, sondern auch nass kann es am Renntag werden. Bei Höchsttemperaturen von 23 Grad Celsius gibt es bereits in den Morgenstunden eine Regenwahrscheinlichkeit von 34 Prozent. Diese hält sich im Verlauf des Mittags bei einer Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent konstant. Ein Regenrennen gab es in Barcelona zuletzt im Jahr 1996. In einem Grand Prix für die Geschichtsbücher fuhr Michael Schumacher damals seinen ersten von 72 Siegen für Ferrari ein.
S wie Sorgenkinder
Lando Norris befindet sich in Bestform, doch Oscar Piastri strauchelt am Wochenende in Barcelona gewaltig. Im Q3 schmiss er seinen entscheidenden Versuch in Kurve 12 mit einem Ausritt ins Kiesbett weg. Für McLarens Youngster wird es am Sonntag schwer, den Anschluss an den Teamkollegen herzustellen. Noch mehr gilt das für Sergio Perez, der im Zeittraining wieder weit hinter Verstappen zurücklag und wegen seiner Startplatzstrafe noch weiter hinten steht. Der Mexikaner war bereits in Montreal völlig neben der Spur und der Leistungsdruck steigt. Mittlerweile drohen McLaren und Ferrari mit ihren Fahrerpaarungen eine echte Gefahr für Red Bulls Ambitionen auf die Konstrukteursweltmeisterschaft zu werden.
S wie Sonntagsrituale
2012 feierte Pastor Maldonado mit Williams in Barcelona einen sensationellen Sieg - danach brannte es bei den Briten in der Box. Am Samstag warf ein Feuer in der Hospitality die Abläufe bei McLaren über den Haufen und Lando Norris fuhr auf die Pole Position. Bei diesen Parallelen ist der Aberglaube nicht weit hergeholt. Der Unterschied liegt jedoch auf der Hand. Bei Williams war die Arbeit getan, als das Unheil über das Team kam. McLaren wird am Sonntag mit den Nachwehen des Brandes klar kommen müssen.
Die Hospitality ist nach dem Vorfall für den Rest des Wochenendes unbewohnbar und die Fahrer können sich nicht wie üblich in ihren Räumen auf den Grand Prix vorbereiten. "Ein paar Minuten für sich zu haben, nimmst du schon mit, wenn du die Möglichkeit hast", so Norris, der normalerweise mit Musik in seinem Zimmer in den Groove kommt. Im Qualifying klappte es auch ohne das Ritual. Am Sonntag wird er sich noch einmal im Büro von Zak Brown vorbereiten müssen. "Es wird mich vielleicht etwas mehr beeinflussen, dass ich nicht die Ruhe finden kann, die ich gerne habe. Aber das ist nicht das Ende der Welt. Ich werde nicht klagen."
S wie Sieger
Seit 1991 ist der Circuit de Barcelona-Catalunya ein fester Bestandteil des Formel-1-Kalenders. Unter den insgesamt 16 Siegern befinden sich drei aktive Fahrer. Mit sechs Triumphen ist Hamilton zusammen mit Michael Schumacher der Rekordsieger auf dem Kurs unweit der katalanischen Hauptstadt. Der letzte Erfolg des Mercedes-Fahrers liegt drei Jahre zurück. Verstappen hält bei drei Siegen und teilt sich damit Platz drei in der Bestenliste mit Mika Häkkinen. Der Niederländer feierte 2016 in seinem ersten Rennen für Red Bull einen historischen Sieg und gewann dazu die letzen beiden Ausgaben des Spanien GP.
Auch Lokalmatador Fernando Alonso blickt auf einen denkwürdigen Sieg in Barcelona zurück. Den letzten seiner zwei Siege dort feierte er 2013 für Ferrari. Es war sein bis dato letzter in der Formel 1 und liegt mittlerweile unglaubliche elf Jahre zurück. Mit dem Aston Martin wird es für ihn kaum möglich sein, ein drittes Mal zu gewinnen. Beste Chancen, sich erstmals in die Siegerlisten einzutragen, hat hingegen Lando Norris. Mit dem Sieg in Miami ist beim Briten der Knoten aufgegangen und von der Pole Position aus ist für ihn alles möglich.


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