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Formel 1

Formel 1: Top-5 der verpassten Debütsiege

Lando Norris verlor seinen Debütsieg in Sotschi auf tragische Art und Weise. Doch damit ist er nicht allein. Ein Blick auf weitere verpasste Siegpremieren.
von Samuel Marton

Motorsport-Magazin.com - Der Artikel wurde in der 81. Ausgabe des Printmagazins von Motorsport-Magazin.com am 28. Oktober 2021 veröffentlicht.

Lando Norris war die tragische Figur des Grand Prix in Sotschi, als dem Briten der erste Formel-1-Sieg wenige Runden vor Schluss durch die Finger rutschte. Allein ist Norris damit aber nicht. Willkommen im Club der vergebenen Premierensiege.

5 - Charles Leclerc (Bahrain 2019)

Charles Leclerc war 2019 beim zweiten Saisonlauf in Bahrain auf dem besten Weg, seinen ersten Sieg in der Formel 1 zu feiern. Das junge Talent befand sich in seiner ersten Ferrari-Saison und musste beim Auftakt in Australien zunächst gegen Stallrivale Sebastian Vettel zurückstecken. In Bahrain war es aber Leclerc, der den Ton angab und sich so seine erste Karriere-Pole holte. Beim Start ließ er zwar noch etwas Federn, konnte sich in Runde sechs allerdings wieder die Führung zurückholen und das Rennen ab diesem Zeitpunkt kontrollieren. Lange Zeit sah es gut für den Monegassen aus, bis sich in Runde 46 plötzlich ein Kurzschluss in der Steuereinheit des Einspritz-Systems bemerkbar machte, der zu einem Leistungsverlust führte. Der komfortable Vorsprung von mehreren Sekunden schmolz dahin, sodass Leclerc bis zum Rennende noch zwei Positionen an die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas verlor. Das erste Karrierepodium war nur ein schwacher Trost.

Foto: LAT Images

4 - Ayrton Senna (Monaco 1984)

Der Monaco Grand Prix 1984 sollte ein denkwürdiger werden. Rookie und späterer dreimaliger Weltmeister Ayrton Senna nahm das Rennen am Sonntag von Startplatz 13 in Angriff. Dieses wurde zunächst aufgrund von widrigen Bedingungen um mehr als eine halbe Stunde verschoben, sollte später aber dennoch unter Regen vonstattengehen. Senna, der in einem unterlegenen Toleman unterwegs war, konnte dies jedoch zu seinem Vorteil nutzen und bereits nach wenigen Runden am zweitplatzierten Niki Lauda vorbeigehen. Zusammen mit dem Rookie Stefan Bellof, der sich vom letzten Startplatz auf den dritten Rang vorkämpfen konnte, machte Senna fortan Druck auf den Führenden Alain Prost. Bevor Senna und Bellof dem Franzosen allerdings gefährlich werden konnten, forderte dieser aufgrund der Bedingungen mit wedelnden Händen einen Rennabbruch. Rennleiter Jacky Ickx folgte dem Wunsch und ließ in Runde 31 die rote Flagge zeigen. Glücklich war Senna über dieses Vorgehen nicht.

Foto: Sutton

3 - Carlos Reutemann (Argentinien 1974)

1974 bestritt Carlos Reutemann nicht nur sein drittes Jahr in der Formel 1, sondern gleichzeitig auch seine dritte Saison für den britischen Rennstall Brabham, der sich unter der Führung von Teambesitzer Bernie Ecclestone im Aufschwung befand - Chefdesigner Gordon Murray konnte für den Saisonauftakt in Argentinien einen konkurrenzfähigen Boliden auf die Beine stellen. Lokalmatador Reutemann startete den Grand Prix von Position sechs, konnte sich aber innerhalb weniger Runden, auch aufgrund von Ausfällen der Konkurrenz, an die Spitze des Feldes setzen. Bis zur Schlussphase des Rennens deutete alles auf einen Sieg des Argentiniers vor heimischer Kulisse hin. Doch als könnte es nicht dramatischer kommen, ging ihm nur wenige Kilometer vor der Zielflagge der Sprit aus, wodurch es im Motor zu Fehlzündungen kam. Reutemann wurde binnen kürzester Zeit auf Position sieben zurückgereicht und konnte das Rennen nicht mehr beenden. So nah sollte er nie wieder an einen Heimsieg herankommen.

Foto: Sutton

2 - George Russell (Bahrain 2020)

Beim Sakhir Grand Prix bot sich 2020 für Mercedes-Junior George Russell die große Chance. Es war bereits seine zweite Formel-1-Saison bei Williams, wo er aber kein konkurrenzfähiges Paket vorfand. Der Brite musste beim Mercedes-Werksteam für den an Corona erkrankten Stammfahrer Lewis Hamilton einspringen. Nachdem Russell in einem viel zu engen W11 im Qualifying gegen Teamkollege Valtteri Bottas nur knapp an der Pole Position gescheitert war, konnte er sich den Finnen direkt beim Start krallen und fuhr daraufhin ein souveränes Rennen an der Spitze. Ab Runde 64 nahm das Unglück jedoch seinen Lauf: Während einer Safety-Car-Phase bekam Russell beim Boxenstopp versehentlich die Vorderreifen des Teamkollegen, was einen weiteren Stopp zur Folge hatte. Der vom Pech verfolgte Brite konnte sich zwar zurückkämpfen, erlitt kurz vor Rennende aber einen Reifenschaden und musste so erneut an die Box. Statt einem fast sicheren Sieg stand letzten Endes nur ein neunter Platz zu Buche.

Foto: LAT Images

1 - Nico Hülkenberg (Brasilien 2012)

Das Autódromo Jose Carlos Pace in São Paulo lag Nico Hülkenberg offenbar besonders gut. 2010 sicherte sich der ehemalige Formel-1-Fahrer dort seine erste und bisher auch letzte Pole Position. 2012 hätte es sogar fast für den ganz großen Wurf gereicht: Von Position sechs gestartet konnte sich Hülkenberg in der ersten Rennhälfte die Führung schnappen. Die durchgehend regnerischen Bedingungen wurden dem Deutschen jedoch gleich zweimal zum Verhängnis: In Runde 48 hatte Hülkenberg im Mittelsektor einen Quersteher und verlor so zunächst Position eins an Lewis Hamilton. Beim Versuch, sich die Führung wenige Runden später in der ersten Kurve innen wieder zurückzuholen, rutschte der Force-India-Pilot in den Boliden des Briten. Die Folge war das Aus für Hamilton und eine Durchfahrtsstrafe für Hülkenberg, der die Ziellinie des Brasilien GP nur noch als Fünfter überqueren konnte. Besonders bitter: In 176 Grands Prix konnte Hülkenberg kein einziges Podium einfahren - das ist Rekord.

Foto: Sutton

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