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Formel 1

Formel 1 will 2022 Technik-Präsentationen bei jedem Rennen

Die Formel 1 will 2022 die Teams zu mehr Offenheit zwingen. Jedes Update soll vor dem 1. Training den Medien vorgestellt werden.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Vermarkter und Medien liefern sich seit Ewigkeiten mit den F1-Teams einen Kampf um Offenheit. Während Teams alle Technik-Details möglichst gut verstecken wollen, zielt die Formel 1 heute mehr denn je darauf ab, Versteckspiel mit allen Mitteln, auch mit dem Reglement, zu unterbinden und so Fans und Medien einen möglichst umfangreichen Zugang zu bieten.

Das soll, im Rahmen der ab 2022 angedachten neuen Wochenend-Struktur, weiter verbessert werden. Im nächsten Jahr gibt es nämlich den Donnerstag als "Medientag", wie er gemeinhin bekannt war, nicht mehr. Stattdessen werden Pressekonferenzen auf den Freitagvormittag verschoben. Dort sollen die Teams nun auch Technik-Updates präsentieren müssen.

Formel 1 verspricht mehr Technik-Zugang für 2022

So lauten jedenfalls die Ansagen von Ross Brawn, dem Sportchef der Formel-1-Eigentümer von Liberty Media. "Nächstes Jahr am Freitagvormittag werden euch die Autos vorgestellt werden, und die Teams werden die Änderungen, die für das Wochenende vorgenommen wurde, erklären", definiert er die angedachte Idee näher.

Die Teams sollen technischen Änderungen vorab gegenüber den Regelhütern der FIA deklarieren, welche sie dann den Medien zur Verfügung stellt und so eine Fragerunde mit den Teams ermöglichen soll. "Weil die technische Seite des Sports für Fans sehr faszinierend ist", räumt Brawn ein. "Das ist einer unserer Pluspunkte."

Aus der Ecke der F1-Vermarkter - aber auch aus der der Teams - hieß es in der jüngeren Vergangenheit jedoch bereits des Öfteren, dass bei der Präsentation der Formel 1 als Gipfel der Automobil-Technik noch viel mehr getan müsse. Einerseits blieb den Fans viel verborgen, andererseits schafft es die Formel 1 auch nur schwer, neuen Fans die Technik leicht nahe zu bringen.

Formel 1 feilt noch an Wochenenden für 2022

Dezidierte Technik-Präsentationen reihen sich in die länger werdende Liste an Aktionen ein, mit denen die Formel 1 für Fans und Medien besseren Zugang sichern will. So gibt es etwa schon lange an Rennwochenenden das Verbot, Sichtschutzwände vor den Garagen aufzubauen und Fotos zu verhindern. Inzwischen wurde das auch auf Testfahrten ausgeweitet.

Verpflichtende, öffentliche Update-Meldungen und mediale Präsentationen sind noch einmal ein deutliches Signal in Richtung immer größerer Öffnung. Wertvoll sind sie auch im Angesicht der Tatsache, dass der Formel 1 eine technische Revolution ins Haus steht, die im Fahrerlager als die größte seit Jahrzehnten betitelt wird. Die möchte man natürlich auch entsprechend präsentieren und vermarkten.

Wie genau dieses System am Ende aussehen wird, ist noch nicht fixiert - Formel 1, FIA und die Teams finalisieren das Format. Das gilt generell für das neue Wochenend-Format. Fix laut neuem Sportlichen Reglement: Am Freitagvormittag, bis spätestens 90 Minuten vor FP1, sollen die Fahrer nun mediale Verpflichtungen erhalten. Auch die technische Abnahme findet am Freitagvormittag statt. Der Donnerstag als Wochenend-Auftakt mit der technischen Abnahme und den ersten Pressekonferenzen existiert in diesem Sinne nicht mehr.

Sprint-Zeitpläne der Formel 1 ebenfalls noch offen

Was genau am Donnerstag in Zukunft geschehen wird, das wird aber noch besprochen. Genauso wie die Struktur der für 2022 wieder geplanten Rennen mit Sprint-Qualifyings noch überdacht wird. Bei den ersten Testläufen gab es zuletzt am Freitag nach dem (ohnehin spät angesetzten) Qualifying nämlich keine Pressekonferenz und ein stark gekürztes Programm. F1-Sportchef Brawn versprach hier für die Zukunft umfangreicheres Angebot.

Nebenher steht auch das 2. Freie Training an Sprint-Wochenenden zur Debatte. Da das Qualifying bereits stattfand, bereiten sich alle nur mehr mit Longruns auf das Rennen vor, und das Eruieren des Reifenverschleißes mit unbekannter Benzinzuladung liefert kaum Mehrwehrt für den Zuseher. Brawn suggeriert, dass sich die momentan ab Freitagabend geltenden Parc-ferme-Einschränkungen ändern könnten. Allerdings mit Vorsicht. Die Angst ist, dass ressourcenreiche Teams so in dezidierte Qualifying-Autos investieren könnten, und dann von Freitag auf Samstag auf Renn-Trimm umbauen.


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