Es ist wieder so weit: Früher als ursprünglich geplant beherrschen heute wieder Prognosen, Hochrechnungen und Sitzverteilungen die Gespräche und Schlagzeilen.
Da ist es doch gut, dass die anstehenden Präsidentschaftswahlen beim Automobilweltverband FIA weniger aufwändig ablaufen.
Nachdem der viel kritisierte Amtsinhaber Max Mosley - für manchen sicherlich 'leider' - keinerlei Anzeichen für das Stellen der Vertrauensfrage zeigt und das zu Jahresbeginn von den Teamchefs geäußerte Misstrauensvotum von ihm in den letzten Wochen und Monaten durch (Regel-)Zurückhaltung besänftigt wurde, ließ der große F1-Reformator in der vergangenen Woche wieder seine altbekannte Ader durchblicken: 'Sparen um jeden Preis', lautete das Motto einer FIA-Presse-Aussendung.

Da ihm die Wiederwahl ohnehin kaum zu nehmen ist und es den kurzfristig in der Gerüchteküche kolportierten Gegenkandidaten nicht geben wird, schickte sich Mr. Mosley in der abgelaufenen Woche dazu an auf seinen goldenen Pfad der Kostenreduzierung zurückzukehren.
Schließlich würden die Teams und Hersteller in ihren Regelvorschlägen von Mailand keine einzige Kostenersparnis vorschlagen. Dies übernimmt in den kommenden Wochen nun die FIA selbst, welche schon bald das neue - ohne Mithilfe der Teams erstellte - Reglement ab dem Jahr 2008 präsentieren möchte.
Die drohende Gefahr einer Konkurrenzrennserie beschäftigt Mosley nicht mehr. Denn mit Ferrari, Midland, den zwei Red Bull Teams, drei möglichen Neueinsteigern in eine kostengünstigere F1 sowie zwei angeblich interessierten neuen Herstellern scheint das Problem eines Minifeldes für die Königsklasse gebannt zu sein. Entsprechend gelassen kann Mosley den Drohungen der GPM entgegensehen.
Ob die von ihm und seinem Stab ohne weitere Kontrolle oder Mithilfe der Teams ersonnenen Regeln aber tatsächlich einmal ins Schwarze treffen werden, bleibt nicht nur abzuwarten, sondern sogar zu bezweifeln. Mosley wechselt das Reglement, und nicht nur den Qualifying-Modus, bekanntlich schon seit Jahren beinahe nach Belieben und im Jahrestakt. Herausgekommen ist in den letzten Saisons allerdings nicht viel Brauchbares:
Das Qualifying ist langweilig, Überholmanöver sind Mangelware und sogar noch schwieriger als vorher geworden, die Kosten sind nicht zuletzt wegen des Motorreglements gestiegen und der Rundengeiz greift weiter um sich denn jemals zuvor.
Es bleibt also zu hoffen, dass Max in den kommenden Tagen der Regelfindung und Kostensenkung nicht wieder einmal weit über das Ziel hinausschießt. Denn bis er Fehler einsieht kann es bekanntlich dauern: Die mögliche Rückkehr zu Slick-Reifen im Jahr 2008 würde dies nach zehnjähriger Irrfahrt mit Rillen-Pneus bestätigen.

Wie wenig sich die Automobilhersteller um die Kostensenkungspläne des FIA-Obersten scheren, beweisen hingegen die anstehenden Investitionen bei BMW und Toyota.
Die Japaner werden ab Oktober neben ihrem Windkanal in Köln-Marsdorf einen zweiten 50%-Windkanal errichten. Der Grund: Die anderen Top-Teams hätten auch alle zwei Windkanäle. Da dürfen die Weiß-Roten auf diesem Gebiet natürlich nicht nachstehen. Insbesondere nicht, weil man auf diesem Gebiet die vielen vorhandenen Ressourcen des Mutterkonzerns gut verwenden kann. Sprich: Man kann hier noch viel mehr Geld ausgeben.
Ebenfalls alles andere als auf Sparkurs befindet sich BMW. Schließlich möchten die Münchner aus dem Privatteam Sauber in den nächsten Jahren ein Sieger- und sogar Weltmeisterteam machen. Dazu braucht es erhöhte Ressourcen im Windkanal, bei der Aerodynamik und beim Personal. Ganze 100 Neueinstellungen werden die Weiß-Blauen in Hinwil tätigen, um Sauber für 2007 in Schwung zu bringen.
Der Mosley'sche Kostenspargedanke spielt bei der Jagd nach Erfolgen also weder bei Toyota noch bei BMW oder einem der anderen Top-Teams eine Rolle. Aber immerhin hat BMW seine Wahl bereits am Freitag hinter sich gebracht. Das Novum war dabei: Der Sieger entsprach zu 100% den seit Wochen und sogar Monaten angestellten Prognosen sowie Erwartungen; Nick Heidfeld soll die Ressourcen der deutsch-schweizer Allianz zu nutzen wissen.



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