Formel 1

Formel 1 heute vor 52 Jahren: Sternstunde einer F1-Legende

Heute vor 52 Jahren in der Formel 1: McLaren legt den Grundstein für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. MSM blickt zurück auf den 9. Juni.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 startet wegen der Coronavirus-Pandemie erst im Juli. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - 'On this day'. Heute: 9. Juni. Bruce McLaren legte 1968 in Spa-Francorchamps den Grundstein für eine der größten Erfolgsgeschichten des Sports.

Formel 1 heute vor 52 Jahren: Geburtsstunde der McLaren-Legende

Trotz Jahren der Pleite zählt McLaren nach wie vor zu den erfolgreichsten Teams in der Geschichte der Formel 1. Den ersten der insgesamt 182 Grand-Prix-Siege fuhr Gründer und Namensgeber Bruce McLaren im Jahr 1968 höchstpersönlich ein. Beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps legte er den Grundstein für die lange Erfolgsgeschichte des Teams.

Nachdem McLaren 1966 in Monaco debütierte, stellte das Jahr 1968 in vielerlei Hinsicht einen besonderen Meilensteil für den Rennstall dar. Erstmals nahm das Team an allen Läufen einer Formel-1-Saison teil. Außerdem wurde neben dem Fahrzeug für Bruce McLaren zum ersten Mal ein zweites Auto eingesetzt, für das der amtierende Weltmeister Denny Hulme verpflichtet wurde.

Zum vierten Lauf der Saison 1968 reiste die Formel 1 an den damals noch 14,1 Kilometer langen Circuit de Spa-Francorchamps. Für Bruce McLaren standen mit zwei Totalausfällen zu diesem Zeitpunkt noch keine WM-Punkte zu Buche, während Teamkollege Hulme bereits drei Mal in den Punkten und dabei als Zweiter unter anderem ein Podium sichergestellt hatte.

In den ersten Saisonrennen ging Bruce McLaren jeweils leer aus - Foto: Sutton

Auf der damals schnellsten Rennstrecke im Kalender traten die Teams an jenem Rennwochenende erstmals in der Geschichte des Sports mit Flügeln als aerodynamisches Hilfsmittel an. Ferrari-Pilot Chris Amon zeigte, was der technische Fortschritt wert war: Seine Pole-Position-Zeit von 3:28.6 Minuten war über zwei Sekunden schneller als die des Zweitplatzierten Jackie Stewart (Matra). Hulme und McLaren qualifizierten sich in Lauerstellung auf den Rängen fünf und sechs.

Nachdem der Samstag Spa-typisch komplett ins Wasser gefallen war und die Piloten ihre Zeiten vom Freitag nicht mehr verbessern konnten, herrschten am Rennsonntag trockene Verhältnisse. Zu Beginn des Rennens war von den McLaren allerdings nicht viel zu sehen, denn zunächst gaben John Surtees (Honda) und Amon das Tempo vor.

Bruce McLaren wird in Spa-Francorchamps von Jackie Stewart verfolgt - Foto: Sutton

Ausfallorgie und Last-Minute-Glück für McLaren

Das Rennen entwickelte sich jedoch zu einer regelrechten Materialschlacht. Zuerst fiel in Runde acht Amon aus, nachdem ein Stein seinen Kühler durchschlagen hatte. Nur drei Runden später war mit einer defekten Radaufhängung auch für Surtees Schluss. Danach lag mit Hulme bereits ein McLaren auf Siegkurs, doch auch diese Führung hielt nicht lange: In der 18. von 28 Runden stoppte ihn eine defekte Antriebswelle, wodurch Stewart die Führung übernahm.

Unbehelligt vom Favoritensterben hatte sich Bruce McLaren auf den zweiten Rang nach vorne geschoben. Ein Podiumsplatz wäre nach den schwierigen ersten Saisonrennen Balsam auf der Seele des Teameigners gewesen, doch in der vorletzten Runde wiederfuhr der McLaren-Mannschaft ein unverhofftes Glück: Stewart rollte ohne Benzin aus. Bruce McLaren erbte die Führung und fuhr den ersten Grand-Prix-Sieg für seinen Rennstall ein.

Für den Neuseeländer, der am 2. Juni 1970 bei Testfahrten mit einem Can-Am-Fahrzeug in Goodwood tödlich verunglückte, sollte es der vierte und letzte Triumph in der Formel 1 sein. Sein Team wurde mit Legenden wie Emerson Fittipaldi, Niki Lauda, Alain Prost und Ayrton Senna im Cockpit in den darauffolgenden Jahrzehnten streckenweise unbesiegbar.

Bruce McLaren gewann vor Pedro Rodriguez und Jacky Ickx - Foto: Sutton

Formel 1 heute vor einem Jahr: Sebastian Vettel rebelliert in Montreal

Der Grand Prix von Kanada sorgte vor zwölf Monaten für allerhand Zündstoff. Eine umstrittene Strafe für Sebastian Vettel und dessen daraufhin nicht weniger umstrittene Reaktion spalteten die Formel 1. Im Kampf um den Sieg war Vettel nach einem Fahrfehler beim Zurückkehren auf die Rennstrecke vor Lewis Hamilton gelandet. Die Stewards sahen den Straftatbestand des 'unsafe rejoin' erfüllt und belegten den Ferrari-Fahrer mit einer 5-Sekunden-Strafe.

Vettel überquerte die Ziellinie zwar vor Hamilton, durch die Zeitstrafe stand der Mercedes-Pilot aber längst als Sieger fest. Nach dem Rennen machte Vettel seinem Unmut Luft, indem er sein Auto gar nicht erst ins Parc Ferme fuhr und danach in der Ferrari-Hospitality verschwand. Wenige Minuten später tauchte er zur Siegerehrung auf, allerdings nicht ohne vorher die Nummerntafeln im Parc Ferme getauscht und Hamilton die Nummer zwei vor den Silberpfeil gestellt zu haben.

Ferrari und Vettel legten Einspruch gegen die Entscheidung der Offiziellen ein. Als Beweis für Vettels Unschuld wurde neben Onboardaufnahmen und Telemetriedaten unter anderem die Videoanalyse der Szene durch Ex-F1-Fahrer und TV-Experte Karun Chandhok angeführt. Die FIA ließ sich davon jedoch nicht umkrempeln und es blieb für Vettel bei Platz zwei hinter Hamilton und vor Teamkollege Charles Leclerc.

Bad Boy Sebastian Vettel rebelliert gegen die Formel 1 - Foto: LAT Images

Formel 1 heute vor 57 Jahren: Jim Clarks Meisterwerk im Regen von Spa

Spa-Francorchamps verwöhnte die Formel-1-Piloten auch im Jahr 1963 mit dem typischen Ardennen-Wetter. Auf dem damals noch vollständig über öffentliche Straßen verlaufenden Kurs wurde am Rennsonntag eine Regenschlacht ausgefochten, die den Grand Prix zu einem regelrechten Überlebenskampf machte. Gegen Rennmitte begann es sintflutartig zu regnen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sank von über 210 km/h auf nur noch 100 km/h.

Lotus-Teamchef Colin Chapman sah sich veranlasst, bei der Rennleitung einen Abbruch zu fordern. Die Offiziellen kamen dieser Bitte aber nicht nach und ließen das Rennen über die volle Distanz von 451 km laufen. Einige Piloten flogen bei den schwierigen Bedingungen ab, während Jim Clark an der Spitze des Feldes den vielleicht denkwürdigsten Grand Prix seiner Karriere fuhr.

Das Ausnahmetalent meisterte das Chaos und überrundete bis auf den Zweitplatzierten Bruce McLaren das gesamte Feld. Selbst sein Verfolger büßte fünf Minuten auf den Lotus-Pilot ein, der in der Schlussphase aufgrund des stehenden Wassers nur noch im fünften Gang um die Strecke rollte. Das Podest komplettierte Dan Gurney im Brabham.

Jim Clark nach seinem Sieg beim Belgien GP 1963 - Foto: Sutton

Was sonst noch geschah:

Vor sieben Jahren: Im Jahr 2013 erlebte Sebastian Vettel einen ruhigeren Kanada GP. Im Red Bull und auf dem Weg zu seinem vierten WM-Titel triumphierte er unangefochten vor Fernando Alonso (Ferrari) und Lewis Hamilton (McLaren). Die Stimmung war aufgrund eines schrecklichen Vorfalls nach dem Rennen dennoch getrübt. Ein Streckenposten wurde bei der Bergung des Sauber von Esteban Gutierrez von einem Bagger erfasst und tödlich verletzt.

Vor 18 Jahren: Auf der Power-Rennstrecke von Montreal war 2002 alles angerichtet für einen weiteren Sieg von BMW Williams, nachdem im Vorjahr Ralf Schumacher erfolgreich war. Juan Pablo Montoya ging von der Pole Position ins Rennen. Schlechtes Timing bei einer Safety-Car-Phase warf ihn jedoch aus dem Kampf an der Spitze, bevor ein Motorschaden sein Rennen vorzeitig beendete. Michael Schumacher bedankte sich mit seinem sechsten Saisonsieg vor David Coulthard (McLaren) und Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello.

Vor 46 Jahren: Am 9. Juni 1974 gastierte die Formel 1 zum zweiten Mal in Schweden. Nachdem Lokalmatador Ronnie Peterson zwei Wochen zuvor in Monaco noch ganz oben auf dem Podest gestanden hatte, lief es für den Lotus-Pilot in Anderstorp nicht nach Plan. Bereits in der achten Runde musste er mit einer defekten Antriebswelle abstellen. Stattdessen schnappte sich Jody Scheckter den ersten GP-Sieg seiner Karriere, gefolgt von Tyrrell-Teamkollege Patrick Depailler und James Hunt im Hesketh.


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