Formel 1

Formel 1 USA Favoritencheck: Wer vermiest Hamiltons WM-Party?

Mercedes, Ferrari und Red Bull: In Austin liegt die Formel 1 besonders eng zusammen. Wer hat heute im Rennen die besten Karten: Bottas, Vettel, Verstappen?
von Christian Menath

Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2019 ist zwar offiziell noch nicht entschieden, aber durch ist die Nummer schon lange. Seit dem Österreich GP sind die Rennen der Königsklasse aber durchwegs spannend. Je länger die Saison dauert, desto enger wird das Feld an der Spitze.

Beim USA GP in Austin starten drei unterschiedliche Autos aus den ersten drei Startplätzen. Valtteri Bottas im Mercedes, dann Sebastian Vettel im Ferrari, dann Max Verstappen im Red Bull. Drei Fahrer in drei unterschiedlichen Autos trennten nach 5,516 Kilometern 0,067 Sekunden.

Doch wer hat die besten Chancen auf den Sieg? Und was kann Lewis Hamilton von Startplatz fünf noch anrichten? Der Favoritencheck in Austin versucht zumindest etwas Licht ins Dunkle zum Formel-1-Rennen heute zu bringen.

Bottas mit neuem Auto

Die Pole Position von Valtteri Bottas war womöglich die größte Überraschung. Am Freitag war der Finne nirgendwo, stattdessen dominierte Teamkollege Lewis Hamilton. Mercedes fand nach den Trainings gleich mehrere Probleme am Auto von Bottas. "Ich habe in der Früh gleich gemerkt, dass ich ein anderes Auto hatte", berichtete der WM-Zweite nach seiner fünften Saison-Pole.

Die Konkurrenz muss sich angesichts dieser Ausgangsposition warm anziehen. "Unsere Longruns haben gestern gut ausgesehen", weiß auch Bottas. Mercedes' Stärke war auch in den letzten Rennen, als die Gesamtperformance nicht so gut war wie in Austin, die Rennpace. Auf dem Circuit of the Americas holte Mercedes nun zum ersten Mal seit dem Deutschland GP sogar wieder die Pole Position.

Hamilton: Mein schlechtestes Qualifying seit langer Zeit

Was soll Mercedes da noch stoppen? Lewis Hamilton gab die Antwort auf der Strecke. Beim Briten lief es überhaupt nicht. Der fünfmalige und designierte sechsmalige Weltmeister nimmt die Schuld für Startplatz fünf auf sich. "Das muss eines meiner schlechtesten Qualifyings seit langer Zeit gewesen sein. Das Auto war ganz eindeutig dazu in der Lage, um in die erste Reihe zu fahren. Nur habe ich leider keine Runde zusammenbekommen", analysierte er schonungslos.

Hamilton würde rechnerisch schon ein achter Platz reichen, um die WM vorzeitig zu gewinnen. Aber es würde den Superstar der Formel 1 freilich ärgern, seinen sechsten WM-Titel auf diese Art und Weise zu gewinnen.

Also geht Hamilton vielleicht ein wenig Extra-Risiko, um ausgerechnet in den Vereinigten Staaten den WM-Titel in Style einzufahren? Versucht Hamilton das Magische? Hamilton wehrt ab: "Ich sehe dieses Rennen nicht als besonders wichtig an. Es ist so wichtig wie jedes andere, es sticht nicht heraus. Es gibt auch danach noch zwei Rennen. Ich versuche keine Wunder zu vollbringen."

Vettel: Harte Reifen im Rennen kein Problem

Die will aber Sebastian Vettel heute vollbringen. Mit 0,012 Sekunden verpasste er die Pole denkbar knapp. Angesichts der schwachen Longrun-Performance von Freitag scheint ein Sieg ambitioniert. "Das Auto hat sich aber heute insgesamt besser angefühlt, wir haben seit Freitag ziemlich viele Dinge geändert, die auch im Rennen helfen sollten", wirft Vettel ein.

"Ich bin ziemlich zuversichtlich, denn wir hatten vor allem auf den harten Reifen Probleme. Wir haben sie einfach nicht zum Arbeiten bekommen und das sollte morgen kein Problem sein", so Vettel. Tatsächlich bereitete Ferraris Longrun-Pace auf Hard die größten Sorgen.

Die Frage ist nur, warum sich Vettel ob des Hard-Pneus so wenig Sorgen macht. Am Freitag waren die Temperaturen extrem niedrig. Am Sonntag soll die Umgebungstemperatur immerhin 10 Grad wärmer sein. Das hilft vor allem den härteren Reifen, weil die in einem höheren Betriebsfenster operieren.

Oder fährt Vettel die harten Reifen gar nicht erst? Bottas, Vettel, Verstappen, Leclerc und Hamilton qualifizierten sich allesamt auf den Medium-Pneus. Alles andere als Einstopp scheint unrealistisch, alle Pirelli-Simulationen ergeben bei mehr als einem Stopp eine deutlich längere Rennzeit.

Allerdings sagen die Pirelli-Strategen auch voraus, dass der Hard-Reifen bei allen Einstopp-Strategien zum Einsatz kommt. Medium und Soft sehen die Italiener nicht als veritable Option. "Mit diesem Reifen weiß keiner so genau, was heute los ist", wirft Red Bull Motorsportberater Dr. Helmut Marko ein. "Wir dachten in Mexiko, wir können mit dem Albon einen Undercut machen und haben dadurch Mercedes den Sieg auf dem Silbertablett serviert..."

Red Bull plötzlich doch im Renntrimm stark?

Deshalb traut sich selbst der sonst so angriffslustige Doktor keine Prognosen mehr abgeben. Fast zögerlich antwortet er auf die Frage, ob ein Sieg aus eigener Kraft drinnen ist: "Ich würde schon sagen."

Wenn Red Bull im Qualifying schon so nah dran ist, dann müsste es im Rennen erst recht klappen. Aber am Freitag war es noch genau umgekehrt, Red Bull fehlte im Renntrimm mehr als auf eine Runde. "Das hat sich geändert, unser ganzes Fahrverhalten ist besser", freut sich der Doktor. Trotzdem ist er spätestens seit Mexiko ein gebranntes Kind: "Dort war die Prognose ganz anders - nicht nur von uns, auch von Pirelli."

Bewahrheiten sich die Prognosen eines Einstopp-Rennens, bleibt die Frage nach den Überholmöglichkeiten. Die erste gibt es am Start. Der Sprint ist mit 230 Metern von Pole bis zum ersten Bremspunkt aber besonders kurz. "Dafür ist es dort sehr breit, verschiedene Linien sind möglich", weiß aber Verstappen.

Auf dem Circuit of the Americas ist Überholen traditionell gut möglich. Austin sah schon mehrere spektakuläre Formel-1-Rennen. Neben dem technisch anspruchsvollen Infield ist die lange Gerade mit ihrer DRS-Zone die beste Überholmöglichkeit. Dort ist diesmal sogar Ferrari verwundbar. Die Scuderia scheint in Austin ihren Speed-Vorteil verloren zu haben.

Fazit: Drei unterschiedliche Autos innerhalb etwas mehr als einer halben Zehntelsekunde - das verspricht Spannung. Auch wenn sich Ferrari von Freitag stark entwickelt hat, die Rennpace bleibt die Achillesferse der Scuderia. Da der SF90 nun auch auf den Geraden verwundbar scheint, geht Vettel mit den schlechtesten Chancen der drei Top-Leute ins Rennen. Belastbare Prognosen sind in dieser Formel 1 aber nicht seriös - so darf es bitte öfter sein.


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