Formel 1

Formel 1, Pirelli macht Teams Hoffnung: Schon 2020 neue Reifen?

Ferrari beklagt das Aufwärmverhalten der 2019er Pirelli-Reifen. Mario Isola widerspricht der Scuderia, macht aber gleichzeitig Hoffnung auf Besserung.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sieht Pirellis Formel-1-Reifen als Hauptgrund für die Probleme mit dem SF90. Die Reifen kommen bei Sebastian Vettel und Charles Leclerc nicht schnell genug auf Temperatur - und auch der Rest des Feldes hat zuweilen seine liebe Mühe mit dem Arbeitsfenster der Pneus. Pirelli-Automobilsportchef Mario Isola teilt die Kritik Binottos nicht. Der Italiener stellt aber schon für 2020 Besserung in Aussicht.

"Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir dem Team [Ferrari] Probleme bereiten", widerspricht Isola der Kritik des Ferrari-Teamchefs. Binotto hatte bemängelt, dass die Reifengeneration 2019 sich nur schwer auf Temperatur bringen lässt und sich dies im Vorjahr noch genau umgekehrt verhielt.

Dass Ferrari nicht das einzige Team ist, das mit dem Arbeitsfenster der Pirellis Schwierigkeiten hat, zeigte sich auch am Trainingsdonnerstag der Formel 1. Selbst die alles dominierenden Silberpfeile von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas brauchten auf dem C5, der weichsten 2019 verfügbaren Reifenmischung, mehrere Runden, um ihre Bestzeiten zu fahren.

Pirelli versteht Teams nicht: 2019er Reifen keine Überraschung

"Wir haben ein anderes Produkt als letztes Jahr", gibt Isola zu. Doch ist es nicht so, dass das für die Teams eine völlige Überraschung war. "Wir haben allen Teams in Abu Dhabi die Möglichkeit gegeben, dass Produkt zu testen. In Abu Dhabi hatten wir zwei Testtage mit sehr guten Bedingungen, denn es war unmittelbar nach dem Rennen. Das Wetter ist dort stabil, also gibt es keine Überraschungen."

Alle Teams standen bei den Testfahrten nach dem Finale 2018 auf dem Yas Marina Circuit 20 Reifensätze zur Verfügung, bei denen sie frei wählen durften, ob sie die 2018er oder die 2019er Spezifikation einsetzen. Pirelli sorgte somit dafür, dass alle Rennställe ausgiebig Daten und Erfahrungen mit den neuen Pneus sammeln konnten.

Der Charakter der diesjährigen Reifen ist obendrein auch nur eine Antwort auf die Kritik des Vorjahres, wie Isola zu bedenken gibt. "Warum wir dieses Produkt entwickelt haben? Nun, die Themen letztes Jahr waren Blistering, Überhitzung und dass einige Reifenmischungen zu kleine Deltazeiten hatten. Unsere Arbeit war darauf fokussiert, die Konstruktion zu verbessern, aber auch Mischungen mit der richtigen Deltazeit zu entwickeln, sowie die Überhitzung zu reduzieren und das Blistering zu eliminieren."

Isola widerspricht Teams: Reifen 2019 nicht schwieriger

Tatsächlich waren in diesem Jahr weder Blistering noch Überhitzung bisher ein Thema. Die Lösung dieser Probleme hat offenbar ihren Preis. Durch die neuen Charaktereigenschaften der Reifen, so gibt Isola zu, hat sich das Verständnis für den Pneu verändert. "Energie in den Reifen zu leiten, die Aufwärmphase ist anders als letztes Jahr, denn du musst mehr Energie in ihn leiten", sagt der 49-Jährige.

Schwieriger soll es für die Teams dadurch aber nicht geworden sein. "Die Reifen sind nicht schwieriger geworden. Es sind die Forschungen und die Anstrengungen der Teams, die sie anstellen um den Reifen bestmöglich zu verstehen, die sich verändert haben" meint Isola. Etwas, das sich dieses Jahr wohl auch nicht mehr ändern wird. Für 2020 hat Pirelli aber wie immer ein offenes Ohr.

Pirelli offen für neue Formel-1-Reifen 2020

"Der nächste Schritt ist, sie zu fragen was sie wollen und das für 2020 umzusetzen", sagt Isola. "Es ist schon klar, sie reden jetzt über die Arbeitsfenster und die Temperaturfenster. Wir versuchen den Fokus für nächstes Jahr darauf zu legen, um das Arbeitsfenster größer zu machen."

Gleichzeitig wird ab September bereits für die Zukunft entwickelt, denn dann beginnen die ersten Testfahrten mit den Reifen für 2021. Mit dem großen Reglementumbruch in zwei Jahren werden in der Formel 1 18-Zoll-Reifen eingeführt. Außerdem verschwinden die Heizdecken. Pirelli muss dann einen ganz anderen Ansatz bei der Reifenentwicklung verfolgen.

"Um Reifenmischungen zu entwickeln, die ohne Heizdecken funktionieren, musst du Compounds designen die zwischen 20 und 120 Grad Celsius Grip generieren", erklärt der Italiener. "Aber erwartet nicht, von 20 bis 120 Grad Celsius denselben Grip zu haben. 2021 werden sie also wieder über das Arbeitsfenster reden."

Die Erkenntnisse dieser Tests könnten sich sogar schon für 2020 auszahlen, glaubt Isola. "Wenn wir in dieser Forschungsphase etwas Gutes finden, das wir 2020 einführen können, warum nicht? Wenn wir neue Reifenmischungen finden mit der neuen Philosophie, welche das Arbeitsfenster größer machen, können wir diese Mischungen auch 2020 mit den 13-Zoll-Reifen und mit Heizdecken einführen. Es ist nicht so, dass die Heizdecken ein Problem darstellen. Es geht dann nur mit einer höheren Temperatur los."


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