Formel 1

Formel 1, Mercedes in Sorge: Bottas nach 2018 mental fertig?

Valtteri Bottas beendete die Saison 2018 ohne Sieg. Der Mercedes-Pilot hadert mit seiner Erfolglosigkeit. Teamchef Toto Wolff fürchtet Schäden am Ego.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Valtteri Bottas hat die Formel-1-Saison 2018 in Abu Dhabi ohne Sieg beendet. Während Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton mit elf Siegen seinen fünften WM-Titel sicherstellte, erlebte der Finne ein enttäuschendes Jahr. Teamchef Toto Wolff ist besorgt, dass die Erfolglosigkeit Bottas nachhaltig geschadet haben könnte.

"Bis Baku war er wirklich gut", sagte der Österreicher gegenüber dem britischen TV-Sender Channel 4. "Ich denke, er hätte das Rennen dort ohne den Reifenschaden gewonnen, und er hätte dann in der Weltmeisterschaft in Führung gelegen." Tatsächlich zeigte Bottas in der ersten Saisonhälfte einige starke Rennen. In Baku und Shanghai wäre Bottas zweifelsohne ein verdienter Sieger gewesen, doch das Schicksal wollte es anders.

"Ich glaube, wenn du keine Chance mehr auf die Weltmeisterschaft hast, und weißt, dass du aufgeben musst, schädigt es dich mental", fürchtet Wolff, dass die Rückschläge für Bottas' im letzten Saisondrittel stark nachgelassene Formkurve verantwortlich waren. Der Finne sieht das etwas anders. "Ich denke, meine Performance war davor und danach dieselbe", sagt er.

Seine Motivation erlitt erst Schlagseite, als für ihn der WM-Zug abfuhr. Nach drei Siegen und einer ordentlich ersten Saison mit Mercedes war dieser für 2018 ursprünglich das Ziel gewesen. "Für mich persönlich war es mental eine sehr kräftezehrende Saison. Ich hatte große Ziele, was die Resultate für dieses Jahr anging", erklärt er.

Bottas nach WM-Aus desillusioniert

Begraben musste er diese hauptsächlich aufgrund höherer Gewalt. Defekte und unverschuldete Kollisionen warfen ihn schon zur Saisonmitte weit zurück. "Es war so, dass es viele Rennen in Folge waren, in denen ich aus unterschiedlichen Gründen einige Punkte verloren haben. Und an einem Punkt in der Saison musste ich erkennen, dass ich nicht mehr um den Weltmeistertitel kämpfen kann."

Zu Bottas' Desillusionierung trug wohl auch die eine oder andere Entscheidung des Teams bei. In Hockenheim wurde er nach einem Angriff auf Hamilton zurückgepfiffen, in Russland bäumte er sich ein letztes Mal auf und musste den WM-Kandidaten des Teams sogar vorbeilassen. Im Sinne der Weltmeisterschaft traf Mercedes zwar nachvollziehbare Entscheidungen, doch für Bottas war die Wingman-Rolle ein Tiefschlag.

Wolff redete was das anging nie um den heißen Brei. Der ehemalige Rennfahrer wusste, welch großes Opfer er seinem Piloten abverlangte. Nach der Teamorder in Russland schien Bottas gebrochen, war gegen Hamilton völlig chancenlos. Selbst als der Brite den Titel im Sack und er wieder freie Fahrt hatte, ging nichts.

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Bottas macht Haken an 2018: Bin froh, dass es vorbei ist

Wolff ist besorgt, dass der mental Knacks bei seinem Piloten irreparabel sein könnte "Ich hoffe, dass das nicht der Fall ist", so Wolff. "Er [Bottas] sagt, dass es nicht so ist. Er ist ein starker Finne, ein Kämpfer. Aber wir müssen ihm jetzt im Winter wieder auf die Beine helfen und ich zurück in die richtige Verfassung bringen", weiß der Österreicher, dass nach einer derart enttäuschenden Saison auch seitens des Teams etwas getan werden muss.

"Die letzten paar Runden fühlten sich so lang an. Ich wollte die Saison einfach nur beenden. Ich bin froh, dass es vorbei ist", so Bottas' Fazit nach dem Fallen der Zielflagge in Abu Dhabi. "Ich fühle mich ausgelaugt. Es ist schwierig, viel Positives in diesem Jahr zu sehen." Er will mit 2018 abschließen: "Ich wünschte, ich könnte jetzt einfach verschwinden und gehen."

Bottas glaubt weiter an sich: Kann mehr, als diese Saison zeigt

Bis er Abstand gewinnen kann, wird er sich allerdings noch eine Weile gedulden müssen. An den Rennkalender konnte er in Abu Dhabi einen Haken machen, an seine Verpflichtungen noch nicht. "Ich habe noch drei Wochen lang Termine. Danach werde ich vier Wochen haben, um zu reflektieren und mental Kraft zu tanken, die ich dieses Jahr verloren habe."

Bottas will sich von der Niederlage nicht entmutigen lassen. "In diesem Sport denkst du über alle möglichen Dinge nach. Ich habe mir aber nie gesagt, dass ich nicht gut genug dafür bin. Ich glaube immer noch daran, auch wenn ich von der Saison enttäuscht bin. Ich weiß, dass ich mehr kann, als diese Saison zeigt. Das ist die Hauptsache.

Er ist zuversichtlich, dass er den Rückschlag über die kommenden Monate wegstecken und 2019 mit neuer Kraft zurückkehren wird. "Sobald ich etwas Freizeit habe, wird es in Ordnung sein. Ich werde die guten Seiten an diese Saison sehen und nächstes Jahr voll angreifen."


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