Formel 1 / Kolumne

Sven Heidfeld: Frankreich: Am Ende der F1-Welt

Nicht nur Sven war nach seinem Nordamerikaaufenthalt von der Atmosphäre in Montreal begeistert. In Magny Cours erlebte er nun das genaue Gegenteil.
von Sven Heidfeld

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Erlebte die Formel 1 Begeisterung auf dem Weg vom Saisonhighlight auf der Ile de Notre Dame in Montreal ins amerikanische Motorsportmekka von Indianapolis schon einen kleinen Dämpfer, entpuppte sich die Weiterreise ins französische Niemandsland rund um Magny Cours nicht nur aufgrund der unsäglichen Ereignisse von Indy als weiterer Abstieg auf der Euphorie- und Beliebtheitsskala.

Am besten gefiel der Aufenthalt im Nirwana sicherlich den ganzen Renault-Mitarbeitern, die in großer Anzahl in gelb und blau gekleidet auf den Tribünen saßen. Und auch abseits der vielen Gelb-Blauen war der Frankreich GP, für seinen Austragungsort am Ende der Welt, relativ gut besucht.

Eines der Top-Themen des Wochenendes war natürlich immer noch das Skandalrennen von Indianapolis sowie das dazu gehörige Urteil des FIA World Motor Sport Council. Besonders lustig anzusehen, war hierbei eine improvisierte Pressekonferenz der Michelin-Teamchefs vor dem Michelin-Motorhome. Der ungewöhnliche Austragungsort dieses Meetings mit der versammelten Fotografen- und Journalistenschar war angeblich darauf zurückzuführen, dass die anderen Räume belegt gewesen sind. Viel zutreffender dürfte jedoch gewesen sein, dass die FIA und Max Mosley den Michelin-Teams keine Bühne im Pressesaal bieten wollten.

Die einzig interessante Aussage die im Umfeld dieses Medienspektakels getätigt wurde, war die Tatsache, dass man sich in Indiana schon strafbar gemacht hätte, wenn man wissentlich mit unsicherem Material an den Start gegangen wäre. Allerdings ist es für mich unverständlich, wieso die Teamchefs und Michelin dies angeblich schon seit Freitag wussten, dieses offensichtliche Hauptargument aber erst zwei Wochen danach in Magny Cours zur Sprache gebracht wurde.

Die sportliche Fußnote eines ansonsten aus Formel 1 Sicht eher langweiligen Rennwochenendes sieht wie folgt aus: McLaren und Renault waren wieder einmal ungefähr auf einem Level, wobei die Silbernen vielleicht noch einen Tick schneller waren.

Allerdings musste Fernando dank seines überragenden Vorsprungs nach seinem ersten Stopp nie Vollgas geben und 100% pushen, weshalb man nicht genau weiß, wie schnell der Renault im Vergleich zum McLaren wirklich gewesen wäre. Nichtsdestotrotz war die Qualifying-Runde von Kimi Räikkönen mit einem äußerst schweren Auto extrem beeindruckend.

Ebenfalls richtig schnell war im Qualifying Jarno Trulli unterwegs, der damit zumindest teilweise jene Gerüchte und Vermutungen widerlegen konnte, welche ihm einen beinahe komplett leeren Tank bei seiner Indy-Pole unterstellten.

Beinahe sprachlos war ich am Freitag nach der Ankündigung von Michael Schumacher, dass er am Sonntag um den Sieg mitfahren wollte. So offensiv gibt sich der Champion selten - besonders wenn er sich damit so verspekuliert wie an diesem Wochenende.

In einem ansonsten - gelinde gesagt - unspektakulären Rennen, hat zumindest Takuma Sato alles gegeben um einmal für Action und Überholmanöver zu sorgen. Aber allgemein betrachtet muss irgendetwas unternommen werden, um solche uninteressanten Rennen wiederzubeleben. Denn wenn die Zuschauer bei solch langweiligen Szenen vor dem Hintergrund dieser eintönigen Motorengeräusche einschlafen, darf man sich nicht wundern.

Ganz anders waren hingegen die beiden Rahmenrennen im Porsche Michelin Supercup und in der GP2. Das waren wirklich zwei hochdramatische und spannende Rennen.

Auf ein solches hoffen wir nun natürlich schon am kommenden Wochenende in Silverstone, wo McLaren sicherlich sehr, sehr stark sein wird. Denn das Home of british Motorsport ist ein bisschen eine McLaren-Strecke, was auch die letzten Testfahrten in Silverstone bewiesen haben.

Euer Sven Heidfeld


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