Formel 1

Formel 1 Hockenheim, Mercedes' Angriffstabu: So reagiert Bottas

Valtteri Bottas wittert nach dem Vettel-Crash Chancen auf den Deutschland-Sieg: Doch Mercedes würgt Angriff auf Lewis Hamilton ab. Was Bottas davon hält.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Für Valtteri Bottas entscheidet Runde 57 des Deutschland GP 2018 über ersten Sieg und nächsten zweiten Platz in der Formel-1-Saison 2018. Am Ende wird es der zweite Platz - weil Bottas beim Angriff auf Teamkollege Lewis Hamilton dank zehn Runden frischerer Reifen zwar aggressiv zur Tat schreitet, aber letztlich knapp am Weltmeister scheitert, dann keine zweite Chance bekommt.

Die nimmt ihm Mercedes. Das Team würgt ein weiteres teaminternes Duell um den Sieg ab. Chefstrategie James Vowles funkt an Bottas die unmissverständliche Aufforderung, bis Rennende jetzt einfach die Position zu halten. Für den Finnen natürlich eine unangenehm zu schluckende Pille. "Als Fahrer willst du gewinnen und als Vettel abflog dachte ich, das wäre eine gute Chance", sagt Bottas.

Bottas zeigt Verständnis: Bitter, aber nicht sauer

Dessen Unfall in der Sachs-Kurve des legendären Motodroms zu Hockenheim auf nasser Fahrbahn sechs Runden zuvor, hatte Bottas erst wieder ins Spiel um den Sieg gebracht - nachdem er zuvor sogar P2 noch an den Ferrari von Kimi Räikkönen verloren hatte, diesen Platz mit etwas Hilfe beim Überrunden von Kevin Magnussen zurückgewann.

Aber zurück zum Angriffsverbot durch Mercedes. Zwar ärgert sich Bottas, nicht selbst gewonnen zu haben, doch zeigt er volles Verständnis für die Entscheidung. "Ich kam nicht sofort vorbei, sie haben mir dann gesagt, dass ich das Risiko minimieren soll. Und das verstehe ich", so der Finne. "Von meiner Seite aus herrscht da keine Verärgerung, denn es ergibt für mich voll und ganz Sinn."

Bottas bedauert Safety-Car-Pech

Bottas ist ohnehin der Meinung das Rennen eigentlich schon durch Pech zuvor verloren zu haben: "Wir hatten in der ersten Runde (nach dem Safety Car, Anm. d. Red.) diesen Kampf und das war es dann. Ich hatte das Rennen schon vorher verloren, weil das Safety Car für mich zu einem sehr schlechten Zeitpunkt kam. Für Lewis war es besser. Lief mal wieder nicht in meine Richtung."

Bottas weiter: "Aber als das Safety Car weg war konnten wir endlich wieder Rennen fahren und ich denke, dass ich einen schönen Kampf mit Lewis hatte. Du brauchst hier einen recht großen Pace-Unterschied, um überholen zu können, aber wir waren mehr oder weniger auf ähnlichen Reifen und es wäre sehr knifflig geworden. Es hätte ein Risiko bestanden, wenn ich damit richtig gepusht hätte oder einen dummen Fehler gemacht hätte. Das hätte dann absolut keinen Sinn ergeben, weil wir einfach alle Punkte sammeln wollten, die möglich waren", erklärt Bottas, warum er letztlich d'accord mit seinem Team geht.

Mercedes-Teamchef Wolff: Hätten es andersherum genauso gemacht

Mercedes selbst nannte ebenfalls genau das Grund für den verordneten Nichtangriffspakt - besonders vor dem Hintergrund, in der Formel-1-Saison 2018 schon mehr als genug verlorener Punkte durch unnötige Zwischenfälle. "Wir haben heute das Glück zurückbekommen, das wir in den letzten Rennen nicht hatten", erklärt Teamchef Toto Wolff. "Da haben wir Punkte oder Positionen durch Unfälle oder den Doppelausfall in Österreich verloren. Heute haben wir den Doppelsieg zurückbekommen. Es ging darum, es nach Hause zu bringen."

Als Hinweis auf eine Rollenverteilung in klare Nummer eins und Nummer zwei schon zur Saisonhalbzeit will Wolff die Ansage jedenfalls nicht gedeutet wissen. Es sei wirklich einzig darum gegangen, die maximale Punkteausbeute in trockene Tücher zu bringen. "Wenn es andersherum gewesen wäre - mit Valtteri in Führung und Lewis als Zweitem, hätten wir genau denselben Call gemacht" versichert Wolff.

"Wir hatten noch auf dem Podium Augenkontakt und es ist ziemlich klar zwischen uns allen. Diese Transparenz haben wir im Team. Wir machen da keinen Unterschied. Es war einfach wichtig, dieses doppelte Podium zu holen, um ein paar Punkte gutzumachen, die wir durch Pech verloren haben", so Wolff. Allenfalls im letzten Saisondrittel oder -viertel würde Mercedes klar auf einen Fahrer setzen, ergänzt Wolff. "Wir würden diesen unbeliebten Call auch dann aber nur machen, wenn es einen großen Unterschied zwischen den Fahrern (im WM-Stand, Anm. d. Red.) geben würde", so der Teamchef.

"Für das Team ist es perfekt. Ein Doppelsieg für das Team beim Heimrennen. Ich nehme das Positive mit", freut sich deshalb unter dem Strich auch Bottas.


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