Formel 1

F1, Qualifying-Zoff bei Red Bull: Verstappen geht Ricciardo an

Die Nerven lagen bei Red Bull im Formel-1-Qualifying von Österreich blank. Keine Pace und dazu noch Windschatten-Stress zwischen Verstappen und Ricciardo.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Red Bull erlebte beim Qualifying für den Großen Preis von Österreich 2018 eine Session zum Vergessen. Nicht nur Haas-Pilot Romain Grosjean machte Max Verstappen und Daniel Ricciardo das Leben schwer. Zwischen den beiden Teamkollegen gab es auf dem Red Bull Ring wieder einmal Stress. Streitpunkt war die Strategie. Verstappen warf Ricciardo mangelnde Disziplin vor, weil der ihm keinen Windschatten geben wollte.

"Was ist jetzt los?", funkte Verstappen im Q3 verdutzt seinen Renningenieur an, als er und Ricciardo sich etwa fünf Minuten vor Schluss der Session auf den zweiten Run vorbereiteten. Der Niederländer war gemäß Teamtaktik hinter seinem Stallgefährten auf die Strecke gefahren, um von diesem Windschatten zu erhalten. Doch Ricciardo nahm plötzlich Tempo raus.

Das Team wollte keine Zeit verschwenden und wies Verstappen an, einfach am Australier vorbeizufahren. Der jedoch sträubte sich. "Nein. Letztes Wochenende bin ich vorgefahren, jetzt ist er vorne. Kommt schon, Leute!", so die negative Antwort des 20-Jährigen. Der Kommandostand versuchte Verstappen ein weiters Mal zum Überholen zu bewegen, doch der blieb hart: "Nein. Es geht um die Disziplin."

Ricciardo will im Funk Windschatten von Verstappen aushandeln

Ebenso festgefahren lief die Kommunikation mit Ricciardo in diesem Moment ab. Das Team forderte ihn dazu auf das Tempo anzuziehen, doch der verweigerte den Befehl ebenfalls. "Ich habe keinen Grund mich zu beeilen", so der 28-Jährige. Stattdessen forderte er: "Lasst uns wenigstens abwechselnd machen, damit wir beim nächsten Versuch an der Reihe sind."

Das Ende vom Lied war, dass beide Red Bull derart langsam um den Kurs schlichen, dass es nach einem technischen Defekt aussah. Ricciardo sah dann doch ein, dass die Zeit davonlief und nahm wieder Fahrt auf. Schlussendlich sprangen bei dem für das Team enttäuschenden Qualifying die Plätze fünf und sieben für Verstappen und Ricciardo mit weit über einer halben Sekunde Rückstand auf die Pole-Zeit von Valtteri Bottas heraus.

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Ricciardo mit Red Bulls Qualifying-Taktik nicht glücklich

Die Gemüter waren aber auch nach der Session noch erhitzt. "Ich war damit nicht glücklich", konstatierte ein mürrischer Ricciardo am Mikrofon von RTL. "Wir hatten drei Runs und ich musste bei jedem den Windschatten geben, um ihm einen Vorteil zu verschaffen." Für den Honey Badger definitiv zu viel der Schützenhilfe. Den von ihm im Funk vorgebrachten Kompromiss hätte er als fairer empfunden.

"Bei drei Runs würde ich es zwei Mal machen. Aber einen Run will ich schon haben, wo ich nicht Windschatten gebe und ihn selbst mal bekomme", erklärte er, dass er sich benachteiligt fühlte. "Wenn du nur mal auf die Rundenzeiten schaust, macht das schon einen Unterschied."

Verstappen bleibt hart: Es war sein Job, vorzufahren

Verstappen hingegen pochte auf die im Voraus festgelegte Strategie des Teams. "Bei jedem Rennen ist ein anderer vorne", erklärte er seinerseits gegenüber RTL. "Letztes Mal in Le Castellet war ich dran, da hat Daniel profitiert. Deshalb war es dieses Mal eigentlich sein Job, vorzufahren", so der Niederländer weiter, der kein Verständnis für die Widerwilligkeit des Teamkollegen hatte.

"Keine Ahnung, was da passiert ist. Bei den letzten zwei Runden im Q3 wollte er immer auf der Strecke die Positionen tauschen. Das ist so nicht gedacht." Ricciardo machte eher dem Team als dem Garagen-Nachbarn einen Vorwurf. "Wir tauschen jedes Wochenende, wer vorne und hinten fährt. Aber dadurch, dass ich drei Runs vorne fahren musste, hatte ich einen Nachteil. Es war ein zusätzlicher Run."

Dieser Umstand war durch die in Österreich besonders kurze Runde bedingt. Normalerweise reicht die Zeit im Q3 nur für zwei schnelle Runden. Bei einer Rundenzeit von nur knapp über einer Minuten hatte Ricciardo in Spielberg einfach Pech. Ein Umstand, den er schlussendlich auch einsah: "Manchmal hast du Glück mit deinem Los, manchmal nicht."

Teamchef Horner erklärt: Regeln bei Red Bull seit Jahren klar

Für das Team war die Sachlage klar. "Wir haben eine sehr einfache Vorgabe seit den letzten sieben Jahren: Die besagt, dass wir von Wochenende zu Wochenende abwechseln, wer als erster aus der Box fährt", erklärte Christian Horner gegenüber Sky UK. "Nur so können wir es so fair wie möglich halten." Der ehemalige Rennfahrer konnte den Unmut Ricciardos, der das gesamte Wochenende über schon nicht so gut wie Verstappen zurechtkam, aber nachvollziehen.

"Natürlich hat er geglaubt, dass Max daraus einen Vorteil ziehen könnte. Deshalb ging er vom Gas", so Horner. Letztendlich gab es an der Rollenverteilung aber nichts zu rütteln geschweige denn auszuhandeln: "Dieses Wochenende war Daniel damit an der Reihe, als erster aus der Garage zu fahren, vor Max. Die Fahrer wissen genau, dass jedes Wochenende abwechselt wird."


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