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Formel 1 / Historisches

Ukyo Katayama - Der Japaner der 90iger

Für viele war Ukyo Katayama einfach nur der Dreherkönig der 90er Jahre. Doch der Japaner hatte mehr zu bieten als nur Showeinlagen...
von Steffen Schaffner

Motorsport-Magazin.com - Er war einer der von den TV-Kommentatoren meist verspotteten Formel 1 Piloten der neunziger Jahre und dennoch einer der erfolgreichsten Japaner in der Formel 1 Geschichte: Ukyo Katayama.

Seine Karriere in der Königsklasse des Motorsports begann 1992 beim Team von Gerhard Larrousse, welches in diesem Jahr aufgrund von Sponsor Verträgen unter dem Namen Venturi gemeldet war. Die ersten Rennen der Saison ging der Japaner, wenn auch langsam, aber kontrolliert an und erreichte somit drei Zielankünfte zu Saisonbeginn. Nachdem sich Katayama in Spanien nicht qualifizieren konnte, schaffte er beim anspruchsvollen Monaco Grand Prix nicht einmal die Vorqualifikation, was besonders bitter war, da sein Teamkollege Bertrand Gachot dort den ersten und einzigen Punkt für Larrousse in dieser Saison einfahren konnte. Im weiteren Verlauf der Saison hatte der Japaner des Öfteren mit der Technik zu kämpfen und brachte es am Ende des Jahres auf fünf Zielankünfte in 14 bestrittenen Grand Prix.

Ukyo in seinem 1997er Minardi Boliden. - Foto: Sutton

1993 wechselte Katayama dann zum renommierten Tyrrell Rennstall, der in dieser Saison allerdings eines der schlechtesten Jahre der Teamgeschichte erleben sollte. Katayamas Teamkollege in dieser Saison war der erfahrene Andrea de Cesaris, der zu diesem Zeitpunkt schon knapp 200 Grand Prix absolviert hatte. Doch Katayama schlug sich gut und wurde im Trainingsduell in der Qualifikation mit 7:9 nur ganz knapp von de Cesaris geschlagen. In diesem Jahr handelte sich der Japaner auch den Ruf des "Dreher-Königs" ein, welcher ihn bis zum Ende seiner Karriere begleiten sollte. Die Saison blieb für Tyrrell ohne Punkte und de Cesaris verließ das Team.

Katayama konnte aufgrund des Motorenlieferanten Yamaha sowie dem neu hinzugewonnenen Sponsor Mild Seven im Team bleiben und bekam den Briten Mark Blundell, der bereits für Brabham unterwegs war und als Testfahrer von McLaren und Williams Erfahrung gesammelt hatte, als neuen Teamkollegen.

Katayama zwischen den Leitplanken von Monte Carlo. - Foto: Sutton

Bereits beim Saisonauftakt in Brasilien konnte Katayama die Saison mit dem fünften Platz, der ihm die ersten WM-Punkte seiner Karriere sicherte, sehr gut beginnen. Der positive Trend setzte sich im Saisonverlauf fort, auch wenn es immer wieder zu unnötigen Drehern und damit verbundenen Ausfällen bei Katayama kam. Der Hobby Bergsteiger fuhr zwei weitere Male in die Punkte, sah allerdings in 16 Rennen nur ganze vier Mal die Zielflagge, was jedoch auch mit sieben technisch bedingten Ausfällen zusammenhing. In Hockenheim und auf dem Hungaroring startete er jeweils von Startposition fünf, was nicht nur Ken Tyrrell beeindruckte, besonders da der hoch eingeschätzte Blundell in der Qualifikation meist hinter Katayama lag. Am Ende des Jahres konnte der Japaner das teaminterne Duell in der Qualifikation mit 11:5 mehr als deutlich zu seinen Gunsten entscheiden, auch wenn Blundell – besonders durch Rang drei beim Spanien Grand Prix – mit acht Punkten am Jahresende drei mehr aufweisen konnte als Ukyo.

Später versuchte er sich mehrmals in Le Mans. - Foto: Sutton

Auch 1995 war sein Platz bei Tyrrell durch die angesprochenen Sponsoren gesichert. Mark Blundell wurde aus finanziellen Gründen durch den Finnen Mika Salo ersetzt, der bereits Ende 1994 bei Lotus sein Formel 1 Debüt gegeben hatte und schon bei den ersten Testfahrten im Tyrrell mehr als überzeugen konnte. Katayama konnte seine zum Teil überzeugende Leistung aus dem Jahre 1994 nicht wiederholen, und stand im Schatten des Newcomers Salo. Außerdem leistete er sich immer häufiger Fahrfehler was dazu führte, dass der Japaner zwölf von 16 Rennen nicht beenden konnte. Alleine acht dieser zwölf Ausfälle kamen durch einen Fahrfehler oder eine Kollision zustande. Den Tiefpunkt der Saison gab es dann beim Portugal Grand Prix in Estoril. Katayama wurde in eine Startkollision verwickelt, bei der er das Hinterrad des Minardis von Luca Badoer unfreiwillig als Sprungschanze nutze und sein Tyrrell nach mehreren Überschlägen auf der Start/Ziel Geraden zu liegen kam. Katayama war zunächst bewusstlos, wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, trug aber glücklicherweise keine schweren Verletzungen davon und war beim folgenden Rennen in Japan bereits wieder am Start. Am Saisonende blieb als beste Platzierung nicht mehr als der siebte Platz beim Deutschland Grand Prix auf dem Hockenheimring.

Mittlerweile hat er mehr Zeit für seinen Sohn. - Foto: Sutton

Auch 1996 ging der Japaner im Tyrrell an der Seite von Mika Salo in seine fünfte Formel 1 Saison. Dem Team war es aufgrund der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten nicht möglich viel Geld in die Entwicklung sowie Testfahrten zu stecken, doch auch der Tyrrell 024 konnte an die Leistungen des Vorjahres anknüpfen, was es Mika Salo ermöglichte in den ersten beiden Saisonrennen in die Punkteränge zu fahren. Katayama hatte erneut keine wirkliche Chance gegen Salo, schlug sich allerdings besser als noch im Jahr zuvor. Im Training konnte er Salo fünfmal in 16 Rennen bezwingen und in den Rennen machte er deutlich weniger Fahrfehler die zu Ausfällen führten, wurde dafür aber häufig durch technische Probleme am Tyrrell zur vorzeitigen Aufgabe gezwungen. Auch 1996 konnte Katayama keine Weltmeisterschaftspunkte einfahren.

In der Saison 1997 sollte sich sowohl für Katayama als auch für Tyrrell einiges ändern. Der renommierte Rennstall verlor die Yamaha Motoren an Arrows, weshalb sich Katayama gezwungenermaßen dazu entschied mitsamt seinem Sponsor Mild Seven zu Minardi zu wechseln. Die Saison begann mit dem 15. Startplatz in Australien verheißungsvoll, doch gegen seinen Teamkollegen, den Newcomer Jarno Trulli, sah der Japaner kein Land.

Ukyo Katayama beim Monaco GP 2005. - Foto: Sutton

Als Trulli nach dem Kanada Grand Prix als Ersatz für Oliver Panis zum Prost Rennstall wechselte, änderten sich die Kräfteverhältnisse bei Minardi. Tarso Marques, der bereits 1996 zwei Rennen erfolgreich für Minardi bestritten hatte war fortan der neue zweite Mann beim kleinen Team aus Italien. Katayama war in zehn Qualifikationen acht mal schneller als Marques, der nach der Saison allerdings beteuerte, dass Katayama bevorzugt wurde um den Sponsor Mild Seven zu halten. Mit einem 17. Platz beim Grand Prix von Europa, dem Saisonfinale, beendete Katayama nach 95 Starts seine Formel 1 Karriere.

1998 nahm der Japaner im Toyota GT-One erstmal an den 24 Stunden von Le Mans teil und belegte den neunten Platz, 1999 wurde er zusammen mit K.Tsuchiya und T.Suzuki sogar Gesamtzweiter. In den letzten Jahren zog sich Katayama allerdings immer mehr zurück und widmete sich seinem größtem Hobby, dem Bergsteigen...