26. März 2002. Vor 50 Jahren wurde Didier Pironi geboren. Obwohl er um ein Haar der erste französische Formel 1 Weltmeister geworden wäre, ist er heute schon beinahe vergessen und die Erinnerungen, die noch existieren, sind aufgrund eines einzelnen Ereignisses häufig negativer Art.

Pironi ging den klassischen Weg vieler französischer Rennfahrer: 1972 gewann er das Volant Elf, später die Formel Renault, die Formel Super Renault Meisterschaft, das Formel 3 Rennen in Monaco und wurde Vizemeister der Formel 2 Europameisterschaft - hinter René Arnoux, einem Mann dessen Weg er im Verlauf seiner Karriere immer wieder kreuzte.

In seinem 2. Rennen holte sich Didier seine ersten Punkte in Rio. -
In seinem 2. Rennen holte sich Didier seine ersten Punkte in Rio. -Foto: Sutton

Vier Mal startete Pironi in Le Mans, auf Porsche, Renault und BMW, einmal, 1978, siegte er zusammen mit Jean-Pierre Jaussaud im Alpine-Renault Turbo, sein vielleicht größter Sieg.

Seinen Formel 1 Einstieg im Jahre 1978 ermöglichte ihm Ken Tyrrell als Teamkollege von Patrick Depailler. Dabei schlug er sich so achtbar, dass Renault ihn für 1979 unbedingt haben wollte, doch Ken Tyrrell bestand auf der Erfüllung seines Vertrages. Didier schlug sich mit einem mittelprächtigen Tyrrell herum, während René Arnoux zu Renault wechselte. 1980 brachte ihn der Wechsel zu Ligier an die Seite von Altmeister Jacques Laffite und in Zolder erreichte Pironi endlich seinen ersten Sieg.

Dennoch war das Verhältnis zu Guy Ligier schnell gespannt und die Aussicht auf ein Fahrzeug mit Turbomotor ließ ihn das Angebot von Ferrari für die Saison 1981 annehmen. Leider war der erste Ferrari Turbo ein ziemlicher Flop, auch wenn sein neuer Teamkollege Gilles Villeneuve zwei Siege damit erringen konnte. Lediglich magere neun Punkte standen am Ende der Saison auf Pironis Konto. Doch 1982 sollte alles besser werden. Der neue Ferrari 126 C2 war der vielleicht beste Wagen des Feldes und die Fahrerkombination Villeneuve/Pironi die vielleicht stärkste. Doch beim Grand Prix von Imola kam es zum Eklat: In dem von den meisten englischen Teams boykottierten Rennen gab es eigentlich nur Ferrari und Renault, nachdem sich Arnoux und Prost aber vorzeitig verabschieden mussten, lieferten sich die beiden Ferrari Piloten ein Duell, das letztendlich zugunsten von Pironi ausging. Villeneuve empfand dies jedoch als Missachtung der Teamorder und sprach fortan kein Wort mehr mit Pironi. Wenige Wochen später verunglückte Gilles Villeneuve im Training zum Großen Preis von Belgien in Zolder tödlich. Viele haben indirekt Pironi die Schuld von Villeneuve gegeben und das obwohl keineswegs sicher ist, dass es eine Teamorder überhaupt gegeben hat. Den Fahrern wurde in jenem ominösen Rennen lediglich gesagt, es "SLOW" angehen zu lassen - eine Festlegung auf einen bestimmten Sieger, wie etwa bei Renault in Dijon (1 Prost, 2 Arnoux), die Arnoux übrigens ignorierte, gab es bei Ferrari nicht und es hätte zu einem so frühen Zeitpunkt in der Saison auch gar keinen Sinn gemacht.

Pironi und Teamkollege Depailler bei einer Abkühlung. -
Pironi und Teamkollege Depailler bei einer Abkühlung. -Foto: Sutton

Wie dem auch sei – Pironi gewann auch das Rennen auf dem Dünenkurs in Zandvoort, doch dann ging es nach Hockenheim. Pironi hatte sich bereits überlegen die Pole gesichert, als er noch einmal auf die Strecke ging, um Regenreifen einzufahren, als er auf Derek Daly auflief und der die Seite wechselte, so, als würde er Pironi Platz machen. Zu spät erkannte er, dass in der Gischt der Renault von Alain Prost rollte...

Der Ferrari stieg über das Hinterrad des Renault auf und bohrte sich nach langem Flug wieder in den Boden. Pironi wurde an den Beinen schwer verletzt. Die Amputation stand bevor, konnte jedoch durch große ärztliche Kunst vermieden werden, doch seine F1 Karriere war beendet.

1982 wurde Keke Rosberg Weltmeister - mit nur einem Sieg. Und, obwohl letztlich jeder Weltmeister ein würdiger Weltmeister ist - der wahre Weltmeister 1982 bleibt Didier Pironi.

Pironi, Tambay und Peterson auf einer kleinen Ausfahrt. -
Pironi, Tambay und Peterson auf einer kleinen Ausfahrt. -Foto: Sutton

1986 kam es zwar noch zu Probefahrten mit dem AGS und dem Ligier, doch ein Vertrag mit Ligier scheiterte letztlich an seinen Gagenforderungen, die durch bereits ausgezahlte Unfallversicherungsleistungen begründet waren.

Didier Pironi suchte sich eine neue Herausforderung. Als langjähriger Importeur von Rennbooten stieg er 1986 in die Offshore- Powerboat Meisterschaft ein, bestritt die Saison 1987 mit einem revolutionärem neuen Kohlefaserboot, der 'Colibri'. Am 23. August 1987 traf die 'Colibri' auf die Wellen eines Tankers, Didier blieb auf dem Gas, die 'Colibri' überschlug sich, die drei Insassen waren sofort tot.

Didiers Frau Cathérine, zum Zeitpunkt des Unfall schwanger, brachte wenige Monate später die Zwillinge Gilles-Didier und Didier-Gilles auf die Welt.