Formel 1

70. Geburtstag: Ferrari lädt Montezemolo nicht ein

Ferrari wird 2017 70 Jahre alt - genau wie der frühere Präsident Luca di Montezemolo. Zum Heimrennen in Monza wird er aber nicht eingeladen.
von Robert Seiwert
70 Jahre Ferrari - Vom 125S zum La Ferrari: (01:38 Min.)

Die Zahl 70 ist eine besondere an diesem Wochenende in Monza. Zum einen feiert Ferrari sein 70-jähriges Firmenbestehen. Zum anderen wird der langjährige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo an diesem Donnerstag 70 Jahre alt. Für das Firmenjubiläum hat Ferrari im Fahrerlager von Monza groß aufgetischt. Fans können zahlreiche Ferrari-Straßenautos bewundern. Oder Sebastian Vettel. Der Star der Italiener trug am Donnerstag Kappe und Hemd mit der Aufschrift 70.

Nur: Montezemolo wird diese Anblicke nicht zu Gesicht bekommen. Er wurde von Ferrari nicht zum großen Heimrennen in den Königlichen Park eingeladen. Das verriet der Italiener der Gazzetta dello Sport in einem Interview. "Ich bin nicht nach Monza eingeladen worden", sagte Montezemolo, der von 1991 bis 2014 Ferrari-Präsident war. "Doch das zählt wenig: Hauptsache ist, dass Ferrari wieder siegt."

Montezemolo leidet noch immer

Montezemolo, Michael Schumachers einstiger Boss, war 2014 durch Sergio Marchionne ersetzt worden. Während Marchionne sich nur selten in der Öffentlichkeit äußert, war Montezemolo in seiner Amtszeit stets als Mann großer und leidenschaftlicher Reden bekannt gewesen. Den Sport vermisst er noch immer: "Ich schaue die Rennen an und leide wie vorher. Es bedeutet immer noch großen Stress für mich."

Montezemolo gilt als Legende in Maranello. 1973 schloss er sich dem Team erstmals an, Niki Lauda wurde unter ihm in den Jahren 1975 und 1977 Weltmeister. Später holte er mit Michael Schumacher fünf weitere Titel, zuletzt 2007 mit Kimi Räikkönen am Steuer. Montezemolo: "Ferrari fehlt mir sehr, es fehlen mir die Rennen, doch noch mehr die Fabrik, die Männer und Frauen von Maranello, die Technologie der Zukunft zu planen, die Kunden und die Arbeitsorganisation."

Keine Pralinen von Marchionne

Montezemolo hatte seinem Nachfolger Marchionne schon bei Ferraris Börsengang fehlende Dankbarkeit vorgeworfen. Kurz vor dem Monza-Wochenende wiederholte er seine Kritik: "Er hat trotz des Erfolgs an der Börse nicht mal eine Schachtel Pralinen gegeben." Der Schmerz scheint noch immer tief zu sitzen.

Immerhin von Vettel gab es vor einigen Jahren Schokolade, noch bevor der vierfache Weltmeister 2015 zu Ferrari wechselte. Montezemolo hatte den Deal eingefädelt und dabei tatkräftige Unterstützung von Michael Schumacher erhalten.

Als Schumacher Vettel empfahl

"Er hat mir Pralinen geschenkt", erinnerte sich Montezemolo an ein Treffen mit Vettel vor einigen Jahren. "Ein Jahr, bevor er bei uns unterschrieben hat, kam er zu mir. Aber der Erste, der mir Seb empfohlen hat, war Schumacher. Er sprach mit mir, als wir ihn nach Massas Unfall zurückholen wollten. Wir hatten für das nächste Jahr schon Alonso, aber Michael sprach sehr gut über ihn. Damals dachten wir, er sei zu jung. Aber ich hatte ihn immer im Kopf."

Tatsächlich hatte Schumacher seinen Landsmann schon viel früher mit Ferrari in Kontakt gebracht. Vettel erinnerte sich am Donnerstag an eine Begebenheit zurück: "Dank Michael hatte ich die Gelegenheit, etwas Zeit in der Ferrari-Garage zu verbringen. Ich glaube, es war 2003 am Nürburgring. Es war magisch, wie die Jungs da arbeiteten, alle in Rot gekleidet. Als Kind bedeutet dir das viel und so etwas macht den Unterschied."

Vettel ist an diesem Wochenende in Monza zwar nicht mit einem neuen Motor unterwegs, dafür aber mit einer besonderen Vespa. Das Mopped war ein Geschenk seiner Ferrari-Mechaniker, jetzt präsentierte er es erstmals der Öffentlichkeit. Vettel: "Das ist etwas Besonderes und eine sehr große Geste des Teams. Wenn man genau hinschaut, sieht man sehr viele Details aus der Formel 1 und vom 2015er Auto. Die Jungs haben sich neben ihrem Job sehr viel Mühe gegeben und Nachtschichten dafür eingelegt."


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