Formel 1

Kanada GP in Montréal: Die Tops & Flops vom F1-Rennwochenende

Shoey goes Star Trek, Hamilton unterdrückt Senna-Tränen, jede Menge Wut und Zoff im Mittelfeld. Der Grand Prix von Kanada 2017 bot einige Tops und Flops.
von Jonas Fehling

Top: Sir Patrick Shoewart!

Gefühlte Ewigkeiten vor den Topspeed-Monstern Force India gehalten, beide Ferrari besiegt. Der Lohn: Drittes Podium in Folge für Daniel Ricciardo! Da kann man sich schon endlich mal wieder einen Shoey gönnen, dachte sich der 'Honeybadger'. Gesagt, getan. Und runter mit dem Schaumwein aus der Rennpantoffel! Dass Hamilton und Bottas keinen Schluck abhaben wollten? Kein Problem, geht eh viel cooler: Wozu hat man Star-Trek-Ikone Sir Patrick Steward denn engagiert? Klar, als Interviewer auf dem Podium. Doch das war Captain Picard nicht genug: "Ich habe es auf das Podium geschafft - da trinke ich aus jedem Schuh!" Und Prost Sir Patrick Shoewart!

Top: Alonso und Räikkönen in starker Funk-Form

Komische Konkurrenz und Mehr: Bei Alonso ging es am Funk hoch her - Foto: Sutton

Dass Rennergebnis in Kanada war für Kimi Räikkönen (Bremsprobleme, P7) und Fernando Alonso (das übliche, Ausfall) alles andere als das gelbe vom Ei. Dafür sorgten die Routiniers aber für die mit Abstand geilsten Funksprüche in Montréal. Der Finne legte bereits im FP3 los. Plötzlich mutierte der Iceman zu Marty McFly: "Gehen wir zurück nach morgen - zurück zum morgigen Setup?", fragte Räikkönen seine Crew. Die bestätigte das sogar mit einem 'Copy'. Aber dann bemerkte Zukunftsmensch Kimi doch noch seinen Fehler: "Äh ... sorry, das gestrige Setup ...".

Alonso ließ sich derweil gleich in Rennrunde eins nicht lumpen. "Ich meine ... was macht ihr da? Was für ein bekloppter Start, wisst ihr. Sie müssen sich beruhigen", polterte der erschreckte Spanier? Erschreckt? Wieso? Nur hauchdünn war Alonso der Sainz/Grosjean/Massa Kettenreaktion entkommen. Doch damit nicht genug. Als McLaren Alonso Mitte des Rennens kryptisch mitteilt, die Pace sehe gut aus, man verfolge "Plan A plus 5", ist der Spanier damit überhaupt nicht einverstanden: "Ich gebt mir überhaupt keine hilfreiche Informationen!" Schön, dass du zurück bist 'Nando!

Top: Alonso-Fans im Glück

Fernando Alonso badete nach neuerlichem Ausfall in der Menge - Foto: Instagram/Fernando Alonso

Nicht nur wegen seiner kultigen Funksprüche war das F1-Comeback von Indy500-Ausflüger Alonso in Kanada ein Genuss. Vor allem seine Fans bekamen die volle Alonso-Dröhnung. Klar, den nächsten Honda-bedingten Ausfall gab es natürlich auch in Kanada zu beklagen. Doch die Entschädigung dafür hatte es in sich: Alonso winkte seinen Fans nicht nur wie üblich zu, sondern enterte gleich mal die Tribünen und badete in der ekstatischen Menge. "Eigentlich wollte ich den Zuschauern meine Handschuhe zuwerfen", erklärte der zweifache Champ. "Aber die Tribüne war so weit weg. Ich dachte, dass ich nicht so weit komme, wenn ich sie dahin werfe. Deshalb bin ich einfach etwas näher rangegangen..." Daumen hoch für so viel Fannähe! Sowieso ist Alonso der Entertainer der F1. Podest-Selfie mit Button, Sonnenstuhl- und Kameramann-Einlagen lassen grüßen ...

Top: Floßrennen-Revival

Zumindest auf dem Floß klappt es mit der McLaren-Dominanz - Foto: McLaren

Und nochmal McLaren! Jetzt ist aber langsam mal gut, denkt ihr? Nö, ist es nicht. Nicht nur Alonso hat es uns in Kanada nämlich richtig angetan, sondern auch seine Truppe. Bei einer Neuauflage des einst traditionellen Floßrennens von Montréal (Top: Übertragung per Facebook-Live auf der F1-Seite) zeigte McLaren, dass seine Ingenieure es doch noch richtig drauf haben. Überlegen wie nicht mehr seit Senna/Prost entschied die Truppe den spaßigen Paddel-Gig für sich. Dominanz kann McLaren also doch! Fragt sich nur eines: Zählt der Coup für Fernando Alonso als Saisonsieg? Genau das hatte der Spanier zwei Tage zuvor als Bedingung für seinen sicheren Verbleib im Team auch 2018 gemacht ...

Top: Senna-Helm für Hamilton

Für Lewis Hamilton hat der Helm von Ayrton Senna einen besonders hohen Stellenwert - Foto: Sutton

Den emotionalsten Moment des Wochenendes lieferte diesmal kein weinendes Kimi-Kind, auch kein freudestrahlender Ferrari-Monaco-Erlöser Sebastian Vettel, sondern ein sonst so unendlich cooler Mann: Lewis Hamilton. Nach seiner 65. Pole bekam der Brite am Samstag bei den Interviews in Kurve eins unmittelbar nach dem Qualifying doch tatsächlich ein ganz besonderes Paket überreicht: Darin ein kanariengelber Helm von Ayrton Senna. Dessen persönlichen Rekord von 65 Poles hatte Hamilton soeben eingestellt, was die Familie des verstorbenen F1-Helden zum Anlass nahm, dem Briten dieses Geschenk zu machen. "Das ist für mich das speziellste Stück, das ich besitze. Es steht über all meinen Trophäen und allem anderen. Ich fühle mich so geehrt von seiner Familie", sagte ein sichtlich gerührter Hamilton. Nach lange Schritt Lewis voller Stolz mit seinem neuen Schatz durchs Fahrerlager, nur eine Träne verdrückte er nicht. "Das Bild gönne ich euch nicht", so Hamilton.

Flop: Hamiltons fade Spazierfahrt

DHL Fastest Lap Award: Kanada GP: (01:39 Min.)

Von Tops zu Flops und doch bleiben wir bei Hamilton. Klar, eigentlich ist auch das ein Top: Lewis legte auf seiner Leibstrecke in Kanada ein absolutes Sahnewochenende hin. Sieg, Pole, schnellste Runde, alle 70 Laps geführt - Grand Slam. Noch dazu keine sichtbaren Probleme mehr mit dem zuletzt so gehassten ultrasoften Reifen. Doch Hamiltons Spazierfahrt zu seinem sechsten Sieg ohne jede Gegenwehr von irgendwem ist natürlich alles andere als das, was der TV-Zuschauer sehen will. So Action geladen das Rennen dank Vettel-Aufholjagd und Force-India-Würze auch war: An der Spitze herrschte gähnende Langeweile. Hamiltons größte Anstrengung: Den Union Jack auf der Ehrenrunde festhalten.

Flop: Die Kvyat-Katastrophe

Danill Kvyat ging nach Doppelstrafe die Rennleitung heftig an - Foto: Sutton

Wer statt des 'Driver of the Day' den 'Depp of the Race' sucht, wird in Kanada auf jeden Fall bei Toro Rosso fündig. Nicht nur, dass Carlos Sainz die Startkarambolage mit Massa verursachte, Teamkollege Daniil Kvyat ist ein noch heißerer Kandidat für diesen Titel - jedoch nur zum Teil wegen eigener Fehler. Beim Start der Einführungsrunde würgte der Russe den Motor ab, das ganze Feld zog vorbei, ehe Kvyat wieder vorwärts kam. Somit hätte er aus der Boxengasse starten müssen, doch Kvyat reihte sich einfach auf seinem ursprünglichen elften Startplatz ein. Die Quittung: Durchfahrtsstrafe!

Doch kaum hatte Kvyat diese angetreten wurde es kurios: Plötzlich verhängte die Rennleitung zusätzlich eine 10-Sekunden Stop-and-Go-Strafe. Grund: Das Reglement sieht nur letztgenannte Strafe vor, die Durchfahrtsstrafe hätte es eigentlich gar nicht geben dürfen. Dumm für Kvyat: Er wurde somit gleich doppelt bestraft. Entsprechend schäumte der Russe vor Wut: "Heute haben sie einfach geschlafen, vielleicht bräuchten sie ein bisschen mehr Kaffee!" Verständlich - dicker Dislike für die Rennleitung.

Flop: Übertriebener Hype um Stroll-Punkte

Lance Stroll holte in seinem 7. Rennen endlich Punkte - Williams träumte aber von höheren Zielen - Foto: Sutton

Anders als Danil Kvyat hatte Lance Stroll bei seinem Heimrennen allen Grund zum Jubeln. Zum ersten Mal fuhr der Rookie in die Punkte, ist jetzt zweitjüngster Scorer der F1-Geschichte nach Max Verstappen. Für Williams Grund genug, um völlig auszuflippen: Crowdsurfing, Riesenhype um Stroll. "Die Art und Weise, wie er heute gefahren ist und das Ergebnis, das er geholt hat, fühlen sich vor allem nach seinem schwierigen Start wie ein Sieg an", schwärmte Technikdirektor Paddy Lowe. Er sei sogar schon in Richtung Podium gelaufen ehe er plötzlich seinen Fehler bemerkt habe.

Doch alles in allem war es nicht mehr als ein extrem glücklicher neunter Platz: Von seinem zehn Positionen schlechteren Startplatz (P17) als Teamkollege Felipe Massa gelangte Stroll vor allem durch Pech der Konkurrenz (Startcrash Sainz/Massa, Verwicklung Grosjean, Kvyat-Ausfall) nach vorne. Noch dazu lässt es sich in einem Williams auf der langen Geraden spielerisch an einem McLaren-Honda vorbeifahren. Ein schöner Erfolg sind die ersten F1-Punkte immer, aber sicherlich kein Siegen gleichzusetzendes Meisterwerk.

Flop: Zank bei Force India überstrahlt Top-Resultat

Esteban Ocon war nach dem Rennen nicht gut zu sprechen auf Teamkollege Sergio Perez - Foto: Sutton

Mega-Rennen von Force India in Kanada! Lange Zeit sah es so aus als würden Sergio Perez und Esteban Ocon sogar um das Podium mitfahren können. Am Ende reichte es dazu zwar nicht, doch sind P5 und P6 noch immer ein weiteres Top-Resultat für das Mittelfeld-Team. Nur: Viel darüber geschrieben wurde nicht, ein unnötiger teaminterner Zank überstrahlte alles. So wurde Perez in Rennhälfte zwei angewiesen, Ocon vorbeizulassen. Der Franzose hatte die frischeren Reifen, ein erfolgreicher Angriff auf Daniel Ricciardo vor dem FI-Duo erschien so wahrscheinlicher. Doch Perez weigerte sich, forderte freies Racing. Zum ganz großen Krach kam es allerdings erst in der letzten Runden als sich der Mexikaner hart gegen Ocon verteidigte. "Das kann er nicht machen. Er ist im letzten Moment rübergezogen. Was soll das? Das kann er nicht machen, das ist kein faires Racing!"


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