Formel 1

Helmut Marko schimpft: Bürokratie verhindert Westschleife

Bleibt die Westschleife des Red Bull Rings ein Traum? Daran beißt man sich in Spielberg aktuell die Zähne aus:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Das Comeback der Westschleife auf dem Red Bull Ring könnte ein Traum bleiben. "Es herrscht bürokratische Behinderung, wegen der das derzeit nicht weiter angegangen werden kann", ärgerte sich Dr. Helmut Marko am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Spielberg.

Bereits im Vorjahr rollte schweres Baugerät an, das die Zu- und Abfahrt auf die Schleife in Form von S-Kurven anlegte. Am vergangenen Wochenende wurde im Rahmen des Truck Grand Prix erstmals auch ein Streckenplan ausgehängt, der die entsprechenden Passagen auswies. Das befeuerte die Hoffnung auf ein Comeback der Streckenführung des alten Österreichrings.

Doch so einfach ist die Sache nicht, wie Dr. Marko nun klarstellt. Zwar ist Red Bull Racings Motorsportberater nicht direkt in die Aktivitäten des Rings involviert, doch gilt er als enger Vertrauter von Dietrich Mateschitz und fungiert oft als dessen Sprachrohr. So wohl auch am Mittwoch, als er sich über "schikanöses Baubehindern durch die Bürokratie" beschwerte.

Kleine Anwohnergruppe als Hindernis

Von Motorsport-Magazin.com darauf angesprochen, was man sich denn konkret wünsche, um die Westschleife realisieren zu können, antwortete der Österreicher: "Dass man nicht einen vom Land (Steiermark; Anm.) bezahlten Aufpasser hat, der eine Minute nach 18 Uhr Anzeige erstattet, weil sein Messgerät eine Dezibelüberschreitung wahrnimmt. Um nur ein konkretes Beispiel zu nennen."

Wenn man andauernd alles nur gegen einen eigenartigen Widerstand durchziehen muss, fragt man schon nach dem Warum.
Helmut Marko

Dann wurde Marko noch direkter: "Es bedarf einer anderen Einstellung in der Region. Wie viele Arbeitsplätze sind hier entstanden? Wie viele Investiotionen wurden getätigt? Wie viele Gebäude, Hotels und Grundstücke haben dadurch eine Aufwertung erfahren? Wenn man andauernd alles nur gegen einen eigenartigen Widerstand durchziehen muss, fragt man schon nach dem Warum."

Wegen bürokratischer Hürden stand einst die Existenz der Strecke auf der Kippe. Ein hunderte Millionen schweres Großprojekt, bei dem neben Red Bull auch Großkonzerne wie Volkswagen oder KTM involviert gewesen wären, würde von einer kleinen Zahl von Anwohnern und vom Umweltsenat der Republik Österreich verhindert.

Bürokratie legte Ring sieben Jahre lahm

Da die Abbrucharbeiten im Jahr 2004 bereits begonnen hatten, lag die Strecke jahrelang brach. Erst 2011 und nach sieben Jahren ohne jegliche Rennaktivitäten, eröffnete man den Ring in wesentlich geringerem Ausbau und von Red Bull im Alleingang finanziert, wieder. Seither holte man unter anderem die Formel 1 und die MotoGP zurück nach Österreich.

Der Traum von der Westschleife hingegen wird sich wohl nicht so schnell erfüllen. Das Streckenband zwischen Zu- und Abfahrt auf den bestehenden Kurs wurde bislang noch nicht erneuert. Aufgrund der bürokratischen Hürden gibt es dafür aktuell auch keine konkreten Pläne.

Das wäre eine Voraussetzung und die große Chance, dass diese Variante wieder kommen könnte.
Helmut Marko

Markos Forderung an die Politik ist klar: "Wir haben demnächst Neuwahlen (Österreich wählt am 15. Oktober ein neues Parlament; Anm.) und von allen Seiten wird Bürokratieabbau versprochen. Das wäre eine Voraussetzung und die große Chance, dass diese Variante wieder kommen könnte."

Max Verstappen würde eine Rückkehr auf die Westschleife gefallen, wie er am Mittwoch kundtat "Vielleicht bekommen wir diese Strecke ja zurück. Das wäre sehr schön." Damit ist der Niederländer auf der Seite vieler Fans und Nostalgiker des alten Österreichrings, in seiner bis 1995 befahrenen Version.


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