Amerikanische Formel 1-Piloten. In den Sechzigerjahren gehörten sie zum F1-Alltag. In den Siebzigern waren sie immer noch zahlreich vertreten. In den Achtzigern gab es nur noch Mario Andretti (der 1978 Weltmeister wurde), Eddie Cheever, Danny Sulivan und Kevin Cogan. 1993 fuhr mit Mike Andretti, dem Sohn von Mario, der letzte Amerikaner in der Formel 1...
Jetzt, nach 12 Jahren, könnte es wieder so weit sein. Mit einem Namen gesegnet, der mit dem Motorsport hyperkompatibel ist, drängt Scott Speed in die Königsklasse. Als Red Bull-Junior stehen seine Chancen gut. Speed fährt im Red Bull-Design in der GP2-Serie, liegt auf Platz 2 der Meisterschaft, 9 Punkte fehlen ihm auf Leader Heikki Kovalainen.
Am Mittwoch erhält Speed einen Formel 1-Test - er wird den Red Bull-Cosworth RB1 bei den Silverstone-Testfahrten pilotieren. "Danach werden wir entscheiden, ob Scott Speed in Kanada und Indianapolis den dritten Wagen fahren wird", sagt RBR-Teamchef Christian Horner.
Für Vitantonio Liuzzi würde eine Verpflichtung von Scott Speed bedeuten, dass er nicht nur das Renncockpit verlieren würde, welches in den kommenden vier Rennen wieder Christian Klien übernehmen wird, sondern dass eine Formel 1-Pause auf ihn zukommen würde. Für eine Verpflichtung von Speed sprechen Marketing-Aspekte und auch jene der Nachwuchsförderung. Helmut Marko erklärte am Wochenende im österreichischen Fernsehen noch einmal das Pyramiden-System, mit dem Red Bull seine Talente nach oben befördert - für Speed wäre es eine weitere Stufe in seinem Reifeprozess. Gegen Speed spricht seine relative Unerfahrenheit in der Abstimmung von Formel 1-Autos und in der Reifenwahl. Das dritte Auto dient ja als Dateneinsammelstation - diese können von den Ingenieuren ausgewertet werden, dennoch ist immer auch der Fahrer selbst der Feedbackgeber, etwa wenn es um die Fahrbarkeit des Boliden geht.
Für Scott Speed hat die Formel 1 oberste Priorität: "Jede Minute in einem Formel 1-Auto ist hilfreich. Der Fahrstil unterscheidet sich stark von jenem in der GP2. Man braucht also Erfahrung. Der Gedanke, dass ich vielleicht die Chance erhalte, in Kanada und Indianapolis den dritten Wagen zu fahren, ist sehr aufregend für mich. Die Formel 1 mit ihren vielen Leuten und all den Dingen, die mit ihr in Verbindung stehen - das ist schon phantastisch und Ehrfurcht gebietend - aber am Ende versuchst du einfach nur, schnell zu sein."

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