Anders als gewollt und erhofft bestimmte McLaren die Schlagzeilen der Testfahrten in Barcelona. Die Fahrer verbrachten die meiste Zeit an der Box, die Offiziellen um Eric Boullier droschen medienwirksam auf Honda ein. Nun meldete sich der Franzose wieder zu Wort. Im Interview mit der spanischen Zeitung as erklärte er, dass die aktuelle Situation den Erwartungen keinesfalls entspreche.

"Die Wahrheit ist, dass wir deutlich mehr Probleme haben, als erwartet", so Boullier. "Wir wussten, dass wir mit einigen Dingen konfrontiert werden, aber nicht, dass es so viele sind. Wir arbeiten daran, die Probleme zu reduzieren und schneller zu werden", berichtete der Teamchef. Das große Problem sei der Zeitplan. "Wir sollten diese Dinge im Januar beheben, nicht im März. Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viel in diese Problemlösung gesteckt, um zurück an die Spitze zu kommen. Wir müssen weitermachen", stellt er klar.

Die Betonung auf dem 'Wir' ist - anders als es bei den Testfahrten den Anschein hatte - auch als Rückbesinnung auf die gemeinsame Zusammenarbeit mit Honda zu verstehen. Boullier merkt an, dass auch McLaren Probleme zu beseitigen habe. "Es ist auch unser Problem. Aber ihre Probleme haben wir erst bei den Testfahrten bemerkt. Darauf konnten wir vorher nicht reagieren. Einige Probleme betreffen den Motor, das hätten wir früher beheben sollen. Aber andere betreffen auch das Chassis, denn das ist aktuell zu schwer. Wir müssen rational und nicht emotional arbeiten, um besser zu werden", gibt Boullier als Marschroute vor.

Bei den Testfahrten verbrachten Stoffel Vandoorne und Fernando Alonso die meiste Zeit an der Box, Foto: Sutton
Bei den Testfahrten verbrachten Stoffel Vandoorne und Fernando Alonso die meiste Zeit an der Box, Foto: Sutton

Genau diese Rationalität suchte man zuletzt vergebens. Fernando Alonso verspottete den Honda-Motor mit der Bemerkung, jede Kurve könne mit Vollgas durchfahren werden. Boullier setzte Honda unter Druck, wenngleich er ihnen das Vertrauen aussprach. "Natürlich üben wir maximalen Druck in unserer Beziehung auf Honda aus und das gleiche gilt auch für sie. Wir können auch keinen falschen Fuß setzen, wir müssen auch in der Lage sein, das beste Auto abzuliefern", sagte er in Barcelona.

Ist der McLaren ein Siegerauto?

Nach wie vor ist er jedoch überzeugt, dass das McLaren-Chassis zu Höherem berufen sei. "Wir haben eine gute Basis. Und in den nächsten Wochen werden weitere neue Teile folgen, besonders für Australien", kündigt er an. Um im nächsten Satz anzufügen: "Ich weiß nicht, ob der Motor in der Lage sein wird, um mit Mercedes, Ferrari oder Renault mitzuhalten. Aber wenn er es ist und wir ein gutes Paket zusammenkriegen, sind wir konkurrenzfähig."

An sich sei der McLaren sogar ein Siegerauto, denn auf die Frage, ob McLaren mit einem Mercedes-Motor aktuell gewinnen könne, meint Boullier: "Ich denke, das würden wir." Stattdessen aber stellt sich die Frage bei McLaren nach der Zielankunft in Australien. Ein Ziel, das Boullier nicht versprechen kann. "Ich hoffe es sehr, aber ich weiß es nicht", gibt er zu.